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ETF-Investments Die große Aufholjagd

 |  24.04.2009, 15:23  |  2143 Aufrufe  |   0  | 
Es gibt wirklich wenig, was Fondsmanager nicht versuchen, um besser als die Benchmark zu sein. Am Ende aber scheinen Indexfonds immer überlegen.

Hunderttausende Gegner bekämpfen ihn. Unerbittlich, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, überall auf der Welt. Und dies seit über 100 Jahren. Unzählige Privatanleger, institutionelle Investoren und Fonds­manager wollen nur eines: den Index schlagen. Mit diesem Ziel werten unzählige Analysten und Branchenexperten Bilanzzahlen aus, besuchen Unternehmen vor Ort und fahnden weltweit nach versteckten Ertragsperlen. Hochspezialisierte Computerexperten programmieren Handelssysteme, die kleinste Anomalien an den Aktienmärkten verwerten sollen. Charttechniker versuchen, aus dem historischen Kursverlauf Kauf- und Verkaufssignale herauszukitzeln.

Doch all diese Bemühungen scheinen langfristig zum Scheitern verurteilt.„Nach Kosten schneiden die Fondsmanager im Durchschnitt schlechter ab als ihr Benchmarkindex“, bilanziert jedenfalls Sebastian Müller, 27, seine Studien. Er promoviert am Lehrstuhl für Bankbetriebslehre der Universität Mannheim über Fondsperformance-Evaluierung. Müller beschäftigt sich mit Auswertungen historischer Renditen von aktiv gemanagten Investmentfonds über längere Zeiträume. In einer von ihnen untersuchte der amerikanische Indexfonds­pionier John Bogle die Performance von 355 US-Aktienfonds zwischen 1970 und 2005. Das niederschmetternde Ergebnis: Sage und schreibe 233 Fonds, also zwei von drei Produkten, existierten nach 25 Jahren nicht mehr. Und das wohl kaum, weil sie Ertragsperlen waren. Herausragende Fonds gab es dagegen kaum. Deutlich besser als der Index waren über 25 Jahre nur 0,5 Prozent aller Fonds.

Billig bringt’s

Wenn man aber den Index als Anleger kaum schlagen kann, sollte man sich mit ihm verbünden. Mithilfe von ETFs. Diese passiven Indexfonds haben die Aufgabe, das jeweilige Börsenbarometer – sei es Aktien-, Renten- oder Rohstoffindex – möglichst genau abzubilden. Ihr großer Vorteil gegenüber aktiven Fonds sind die niedrigeren Gebühren. Deutsche Aktienfonds kosten in der Regel jährlich zwischen 1,5 und zwei Prozent. Deutschlands günstigster DAX-ETF von der Commerzbank-Tochter comstage ist da mit 0,12 Prozent ein Schnäppchen. Diesen Unterschied muss der Manager erst einmal erwirtschaften. Und zwar jedes Jahr aufs Neue. Kosten und historische Performance drücken die Wahrscheinlichkeit, dass ein aktiv gemanagtes Portfolio einen passiven Fonds übertrifft, nach 25 Jahren auf nurmehr fünf Prozent.

Mit anderen Worten: Theoretisch schlägt nur jeder 20. Investmentfonds in diesem Zeitraum den konkurrierenden ETF. Nahezu alle Studien zu diesem Thema belegen die kurze Lebensdauer von Erfolgsfonds: Je länger der Anlagezeitraum, desto schwerer fällt der Kostenvorteil ins Gewicht und desto weniger Fondsmanager steigen als Sieger aus dem Ring. Und das liegt an dem von vielen Anlegern unterschätzten Zinseszinseffekt. Nach 25 Jahren kostet ein zweiprozentiger Gebührenunterschied nicht 50 Prozent, sondern 64 Prozent Performance.

Aber auch in kurzfristigen Strategien haben ETFs ihren Charme, wie die Musterdepots für die kommenden zwölf Monate auf Seite 99 beweisen. Kein Wunder also, dass immer mehr Anleger auf passive Fonds setzen. „Rund 30 Prozent des in Wertpapieren angelegten Vermögens in den USA werden passiv angelegt, in Europa sind es zwischen acht und zehn Prozent“, weiß Thomas Uhlmann, 47, Geschäftsführer von Avana Invest, einem Unternehmen, das aktives Management mit passiven ETFs anbietet.

Starallüren

Gibt es überhaupt noch echte Starmanager, die den Index regelmäßig auf die Bretter schicken? Ja, aber sie haben vor allem ein Kennzeichen: Sie sind extrem selten. Diese Erkenntnis bestätigt auch die Auswertung der besten Fonds anhand der €uro-Fondsnote. Außerdem stellen sie Anleger vor zwei Probleme. Zum einen sind Siegesserien nur im Nachhinein zu erkennen. Heute kennt jeder Börsianer Superinvestor Warren Buffett. Aber die wenigsten werden ihn schon in seinen Anfangsjahren als einen der erfolgreichsten Investoren der kommenden Jahrzehnte identifiziert haben, wie auch Christian Kreuser im Interview (siehe unten) hervorhebt.

Zum anderen ist die Beziehung zwischen Topfondsmanager und Gesellschaft meist von kurzer Dauer. Die durchschnittliche Amtszeit eines Fondsma­nagers beträgt nur fünf Jahre. Anleger müssen vielversprechenden Talenten schon von Arbeitgeber zu Arbeitgeber folgen. Und auch wenn die €uro-Redaktion solche Managerwechsel stets aufmerksam beobachtet und Anlegern hilft, den Weg der Besten zu verfolgen, ist die Aufgabe mühsam.

Klasse macht Masse

Lohnt der Aufwand? Die Wissenschaft hat eine überraschende Antwort: Der Kampf zwischen aktiv und passiv findet eigentlich auf einem Nebenkriegsschauplatz statt. Viel wichtiger für die Performance eines Depots ist die Frage, in welchen Anlageklassen man überhaupt investiert ist, also der Asset-Allokation. Doktorand Sebastian Müller zitiert eine Studie dreier US-Ökonomen aus dem Jahr 1986, die belegt, dass, „etwa 90 Prozent der Portfoliorendite von der gewählten Asset-Allokation abhängen“. Ein gutes Beispiel: das Jahr 2008. Da war der beste aktive Deutschland-Aktienfonds der Kapitalfonds L.K. mit einem Minus von 21 Prozent, immerhin 19,4 Prozent besser als der DAX. Deutlich weniger schmerzlich aber war 2008 für Anleger, die sich am Anfang des Jahres komplett aus dem Aktienmarkt verabschiedet hatten. Wer auf deutsche Staatsanleihen setzte, machte ein dickes, einstelliges Plus. Thomas Uhlmann von Avana Invest empfiehlt daher, sich auf die wichtige Wahl zwischen Aktien, Renten und Rohstoffen zu konzentrieren. „Sobald man sich dann für eine Asset-Klasse entschieden hat, sind ETFs ideal, um diese Entscheidung umzusetzen.“

Drei Kurzfristszenarien

An diese Empfehlung hielt sich die €uro-Redaktion bei der Aufstellung von drei Musterdepots – jeweils für ein Börsenszenario in den kommenden zwölf Monaten konzipiert. Es handelt sich nicht wie bei den €uro-Fondsmusterdepots um Portfolios mit unterschiedlichen Risikograden. Vielmehr ging es um offensive ETF-Kombinationen, die in den jeweiligen Szenarien profitieren sollten.

Im positiven Szenario kommt der Interbankenmarkt wieder in Schwung, die Abschreibungen auf Kredite halten sich im Rahmen der Erwartungen und am Horizont gibt es erste Anzeichen für eine konjunkturelle Erholung in den USA. In einem solchen Umfeld dürften vor allem die Märkte profitieren, die 2008 am ärgsten unter die Räder kamen: Banken (comstage Financial Services-ETF), Russland (Lyxor ETF Russia) und Schwellenländeranleihen (iShares JPM EM Bond). Außerdem im Depot: der DAX mit einem Hebel von zwei (Lyxor LevDAX) und ein Rohstoff-ETF (Easy ETF GSCI), der von steigenden Ölnotierungen profitiert. Rohstoffpreise sollten in einem positiven Konjunkturszenario anziehen.

Im mittleren Szenario wechseln sich hoffnungsvolle Daten mit schlechten Nachrichten ab. Der Abschreibungsbedarf von Banken bei Gewerbeimmobilien, Kreditkarten und Autodarlehen steigt an. Gleichzeitig beginnen die Programme der Notenbanken und Regierungen zu wirken und verhindern einen Absturz der Weltkonjunktur. Wenn die Welt sich in etwa so weiterdreht wie in den vergangenen fünf Monaten, werden sich auch die Kapitalmärkte ähnlich verhalten. Der Aktienmarkt schwankt stark, läuft aber per saldo seitwärts.

Ideal für eine defensive Aktienstrategie, bei der Call-Optionen verkauft werden (Lyxor DAXPlus Covered Call). Die hohe Volatilität verspricht hohe Prämieneinnahmen. Hinzu kommen ein marktunabhängiger Fonds (db x-trackers HF-Index) und zwei Bond-ETFs. Unternehmensanleihen (iShares Corporate Bond) preisen derzeit Ausfallraten wie in der großen Depression ein. Doch die sind dank internationaler Hilfspakete unwahrscheinlich. Die Rettungsgelder werden aber früher oder später Inflationssorgen auslösen. Gut für inflationsgeschützte Staatsanleihen (iShares Inflation Linked Bonds).

Im negativen Szenario schließlich fallen die Häuserpreise noch weiter. Nach den Abschreibungen bei strukturierten Produkten folgen bei den Banken die üblichen Abschreibungen auf Unternehmens-, Immobilien- und Konsumkredite einer scharfen Rezession. Neue Hilfsprogramme verpuffen, weil der Kapitalmarkt nicht mehr glaubt, dass die Schulden ohne Inflation zu bezahlen sind. Sollte sich die Lage so verschärfen, sind die Gewinner des vergangenen Herbsts und Winters gefragt. Fallende Aktienkurse beim DAX und S&P 500 sorgen bei den db-x-trackers-Short-ETFs für steigende Notierungen. Staatsanleihen sind kurzfristig für institutionelle Investoren der sichere Hafen (Lyxor ETF Euro MTS 15Y+). Langfristig ist dieser Gold (ZKB Gold ETF). In allen drei Szenarien sind die Depots dafür ausgelegt, absolut positive Renditen zu erwirtschaften. Wenn sie nach zwölf Monaten auch noch den DAX schlagen, umso besser.
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