Marktbericht Schaukelbörse statt Jahresendrally
Die derzeit meist diskutierte Frage unter Börsianern lautet: Kommt es noch zur Jahresendrally oder nicht? Es sieht derzeit nicht danach aus!von Joachim Spiering, Euro am Sonntag
Nachdem der DAX nun abermals im Bereich von 5800 Punkten zu scheitern droht, muss man klar sagen: Es sieht nicht so aus. Auf dem aktuellen Niveau war der Index bereits Mitte September sowie (auf einem leicht höheren Niveau) Mitte Oktober. Dazwischen gab es mehr oder weniger kräftige Korrekturen, die den DAX Anfang November bis auf 5364 Punkte drückten. Insofern kann auch von einer bestehenden Jahresendrally keine Rede sein. Vielmehr haben wir eine Jahresseitwärtsschaukelbörse.
Die beste Strategie der vergangenen Monate wäre demnach gewesen, den Markt im Bereich von 5800 Punkten kurzfristig zu shorten. Ich denke, dass das auch aktuell noch eine Spekulation wert sein könnte.
Wie sich der Markt nun bis Jahresende und in den darauffolgenden Monaten entwickeln wird, lässt sich schwer sagen. Hört man sich unter Fondsmanagern, Händlern, Aktienstrategen und anderen Profibörsianern um, bekommt man bei zehn Fragen ungefähr 17 Meinungen. Im Allgemeinen ist es ein ziemliches Stochern in Nebel, jeder hat eine andere Meinung. Spannend ist deshalb auch unsere große Bankenumfrage, die wir derzeit durchführen, um bei den Profistrategen die 2010er-Kursziele für diverse Indizes, Rohstoffe und Währungen abzuklopfen. Das Thema wird kommende Woche unsere Titelgeschichte – wobei die Einschätzungen der Banken dieses Jahr besonders weit auseinanderliegen dürften.
Interessant ist in diesem Zusammenhang die bereits veröffentlichte Meinung von Goldman Sachs. Die US-Investmentbank erwartet für 2010 und 2011 ein globales Wirtschaftswachstum von 4,4 beziehungsweise 4,5 Prozent. Beides liegt über dem Konsens und nährt sich von ungebrochen positiven Schätzungen für die Schwellenländer. Für den breiten Stoxx-600-Index erwarten die Goldmänner 38 Prozent Gewinnwachstum, gefolgt von weiteren 28 Prozent in 2011. Das Kurs-potenzial liege für 2010 demnach bei 25 Prozent, ausgehend vom aktuellen Niveau. Als einen der Top-Pics für das kommende Jahr sieht Chefvolkswirt Jim O’Neill übrigens Russland!
Aktuell sind aus meiner Sicht weiterhin Solaraktien interessant. Vorvergangene Woche hatte ich schon explizit auf Werte wie Roth & Rau, Centrotherm oder Payom Solar hingewiesen, nachdem aus der Branche plötzlich Meldungen über enorme Auftragseingänge durchsickerten. Vergangene Woche folgte nun die offizielle Bestätigung, Firmen wie Phoenix Solar oder Roth & Rau überraschten mit guten Nachrichten. Die Folge: Die Aktienkurse zogen deutlich an. Dieser Trend dürfte anhalten. Bislang gibt es keinen Wintereinbruch, sodass die großen Auftragsbestände auch abgearbeitet werden können. Und für 2010 wird ohnehin mit einem weltweiten Marktwachstum von 30 bis 40 Prozent gerechnet.
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