ETF-Markt Sättigung erreicht
Eine Studie unter ETF-Investoren zeigt: Neue Anbieter und Produkte sind nicht mehr gefragt - Stefanie Senfter.Allein 14 Anbieter mit rund 550 Exchange Traded Funds (ETFs) sind derzeit an der Deutschen Börse gelistet. Und es werden immer mehr. Vor zehn Jahren kamen die börsennotierten Indexfonds in Europa auf den Markt und erlebten seitdem einen wahren Boom.
Eine aktuelle Studie der Kommalpha Institutional Consulting GmbH hat nun aber ergeben, dass der Markt für ETF-Produkte gesättigt ist. Potenzial und Nachfrage für neue ETF-Produkte in Europa sind zwar höher als am weltweit größten Markt USA. Aber rund 80 Prozent der 160 befragten Assetmanager, Fondsvertriebler und Vermögensverwalter gaben an, dass kein zusätzlicher oder nur geringer Bedarf an börsengehandelten Produkten bestehe.
Daten der Deutschen Börse bestätigen das Ergebnis der Studie. Mit nur zehn Prozent der gelisteten ETFs werden rund 80 Prozent der Umsätze gemacht, so die Zahlen für Januar. Mehr als 250 börsengehandelte Indexfonds sind kleiner als 50 Millionen Euro.
148 neue ETFs kamen im vergangenen Jahr an der Deutschen Börse dazu. Mit steigendem Angebot gehen laut Studie Übersicht und Transparenz verloren. "Anleger können nicht mehr zwischen den Produkten unterscheiden", sagt Nadia Nassif Garcia, Consultant von Kommalpha. ETFs gelten als transparent und einfach handelbar. Doch immer mehr Produkte und komplexere Varianten wie etwa Short ETFs oder Leveraged ETFs machen es den Anlegern schwer, sich zu entscheiden.
Vom steigenden ETF-Angebot profitieren lediglich institutionelle Anleger, denn sie werden weiterhin am stärksten in ETFs investieren. Der Bedarf an neuen Produkten wird bei institutionellen Investoren mit 43 Prozent der Befragten auch noch am höchsten angesehen - vor Vermögensverwaltern (35 Prozent) und privaten Investoren (31 Prozent).
65 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass institutionelle Kunden durch ein größeres ETF-Angebot in Zukunft stärker kaufen werden. "ETF-Anbieter müssen neue Anreize für den Vertrieb schaffen, um den Verkauf an private Investoren zu fördern", sagt Garcia von Kommalpha. Der Grund: Im Gegensatz zu aktiv gemanagten Fonds fällt bei den passiv gemanagten Indexfonds weniger Provision an. Der Verkauf an Privatanleger ist deshalb wenig attraktiv.
Auch immer mehr neue Anbieter wie zum Beispiel HSBC Global Asset oder Amundi bieten ihre börsengehandelten Produkte an. Rund 90 Prozent der Befragten der Studie sehen jedoch keinen zusätzlichen oder geringen Bedarf an neuen Anbietern.
Die Nachfrage nach ETFs wird laut Experten weiterhin steigen. Doch die Tendenz geht zu einer Konsolidierung am Markt, wie sie in den USA schon stattgefunden hat. "Langfristig werden sich Anbieter bei der Produktion von ETFs zusammentun. Dies könnte auch zu einer Schließung von kleinen ETFs führen", sagt Garcia. Löschungen von ETFs gab es bereits im vergangenen Jahr. So liquidierte Lyxor im Juli 2009 drei kleine Indexfonds.
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