HINTERGRUND Regulierungsfragen werden für die Fondsbranche immer wichtiger
FRANKFURT - Das Thema Regulierung wird für die Fondsbranche in den kommenden Monaten immer wichtiger werden. Unter Handlungsdruck stehen sowohl die Produktanbieter als auch der Vertrieb. ´Die Regulierung der Fonds ist noch nicht am Ende angelangt´, sagte Nero Knapp, Jurist des Verbandes unabhängiger Vermögensverwalter (VuV). Der derzeitige Regulierungszustand gleiche einem Flickenteppich, der für den Anleger nicht durchschaubar sei. Auch das mit vielen Hoffnungen verbundene Gesprächsprotokoll, das zum Beispiel die Anlageziele erfasst, hat Experten zufolge den Kunden bislang offenbar noch nicht sehr viel weitergeholfen.Entsprechend reißt die Kritik an der Beratungspraxis auch nach der zum Jahresbeginn eingeführten Protokollpflicht nicht ab. Zudem drängt die Europäische Kommission auf mehr Klarheit im Fondsgeschäft. Denn mit der 2009 verabschiedeten Richtlinie mit dem sperrigen Kürzel UCITS-IV wird unter anderem der bereits vereinfachte Verkaufsprospekt durch ein kurzes Informationsblatt abgelöst, das Fonds besser vergleichbar machen soll. Die Mitgliedstaaten haben bis Mitte 2011 Zeit, die Änderungen in nationales Recht umzusetzen.
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) sieht beim Beratungsprotokoll ebenfalls Verbesserungsbedarf. ´Wir kritisieren vor allem, dass die vom Kunden geäußerten wesentlichen Anliegen nicht immer in der vom Gesetzgeber vorgesehenen Weise dokumentiert werden´, sagte Karl-Burkhard Caspari, Exekutivdirektor Bafin-Wertpapieraufsicht. ´In diesen Fällen ist der Inhalt der Beratung nicht ausreichend transparent.´ Insbesondere enthielten die Vordrucke nur vorformulierte Antwortmöglichkeiten, die keine individuellen Erweiterungsmöglichkeiten vorsehen.
Auch die meisten Kunden unabhängiger Vermögensverwalter sähen in diesem Protokoll keine Entscheidungshilfe, sagte VuV-Chef Günter Schlösser. ´Rund 85 Prozent der befragten unabhängigen Vermögensverwalter geben an, dass das Protokoll den Kunden bei der Anlageentscheidung nicht wirklich unterstützt.´ Im Rahmen eines klassischen Mandats zur Vermögensverwaltung bestehe zwar keine Protokollierungspflicht. ´Aber viele Kunden möchten speziell zu einzelnen Anlagen außerhalb der Vermögensverwaltung eine Beratung. In solchen Fällen müssen wir die Empfehlung über mehrere Seiten protokollieren. Oftmals empfinden die Kunden dies als störend´, sagte Schlösser.
Insofern hat das Beratungsprotokoll derzeit einen schweren Stand: Viele Verkäufer fragen nur widerwillig nach und so mancher Käufer gibt ungern Antwort. Andererseits fordern viele Anleger Verständlichkeit, Transparenz und Vielfalt in der Beratung. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie der Fondsgesellschaft Fidelity. Wenn sich die Deutschen bei der Geldanlage nicht ausreichend informiert fühlten, dann liege das bei jedem Zweiten am Finanzjargon in Prospekten und im Kleingedruckten. Ein Drittel der Bundesbürger bewerte die Informationen, die er vor der letzten Investmentscheidung erhalten hat, als unzureichend.
Die heftige Kritik lässt auch Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) nicht kalt. Sie will jetzt einen einheitlichen ´Beipackzettel´ für Geldanlagen per Gesetz einführen. ´Alle Beteiligten hatten genug Zeit, sich auf den geforderten Standard einzustellen´, sagte ein Ministeriumssprecher. Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken hatten zwar im März ein einheitliches Info-Blatt präsentiert und die Privatbanken schon Ende Februar ein vergleichbares Muster vorgestellt. Aigner will aber einen bundesweiten Standard. Nur mit diesem Beipackzettel könnten die Verbraucher unterschiedliche Geldanlagen sowie deren Chancen, Risiken und Kosten vergleichen.
Einige Anbieter erkennen aber schon die Chance, selbst aktiver zu werden. So dürften in Zukunft solche Anbieter im Vorteil sein, die von sich aus möglichst viele Karten auf den Tisch legen. Ein weiterer Grund dafür seien die im Vergleich zu früher gestiegenen Ansprüche der Investoren, sagte Manfred Schraepler, Leiter von db funds, einer Fondstochter der Deutschen Bank. ´Vor der Finanzkrise wurde nur eine geringe Offenlegung der Positionen im Fonds und der Investmentstrategie verlangt.´ Dies habe sich mit der Finanzkrise geändert. Zudem rückten die täglich oder wöchentlich verfügbare Liquidität eines Fonds oder auch das Thema UCITS stärker in den Fokus.
´Ganz entscheidend für eine maximale Transparenz´ ist laut VuV-Experte Knapp eine nachvollziehbare Produktinformation. Der Anleger müsse erfahren können, unter welchen Marktbedingungen er Verluste erleidet oder Gewinne verbuchen kann. Wesentliche Bedingung hierfür sei allerdings auch Wissen und Interesse des Anlegers, denn ´was hilft eine minutiöse Aufbereitung, wenn die Verbraucher nicht in der Lage sind, die Fakten richtig einzuschätzen?´./la/zb/gl
--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---
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