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Rating Portugal und die Reaktion von DAX und Euro

 |  13.07.2010, 18:20  |  4489 Aufrufe  |   0  | 
Wenn die Finanzkraft eines Landes schwindet, bewertet eine Ratingagentur dies negativ.

Rückblick auf Rating Griechenland

Als im Dezember 2009 die Ratingagentur Fitch für Griechenland die Bonitätsnote von A- auf BB+ senkte, reagierten die Aktienmärkte geschockt. Ein massiver Verkaufsdruck auf breiter Front folgte. Der DAX verlor am Tag dieser Meldung zwei Prozent und der Euro fiel im Verhältnis zum US-Dollar dynamisch auf ein neues Monatstief.

Wenige Monate später stufte die Ratingagentur Standard & Poors ebenfalls das Land Griechenland um drei Noten auf BB+ herab. Parallel verlor Portugal zwei Punkte auf der Bonitätsskala. In den Medien wurde der Status „Ramschanleihen” mit Sorge aufgegriffen und in der Community von wallstreet:online kontrovers diskutiert. Die Kurse an den Börsen brachen abermals ein. Allein der DAX verlor an diesem Tag 2,7 Prozent und der Dow Jones durchbrach die Marke von 11.000 Punkten. Ein Hilfspaket und ein Statement des Internationalen Währungsfonds waren notwendig, um die Märkte zu beruhigen. Es gelang nur teilweise im Bereich der Aktienmärkte. Die Talfahrt der Gemeinschaftswährung Euro markierte währenddessen immer neue Jahrestiefs. Nach dem Durchbruch durch die Marke von 1,30 stand wenige Wochen später die Marke von 1,20 zur Diskussion.



Ein Vertrauensverlust auf internationaler Ebene deutete sich nicht nur an, sondern stand bereits im Raum.
Im Juni senkte die Ratingagentur Moody’s nach erneuten Zweifeln über die Gesundung von Griechenland die Kreditwürdigkeit gleich um vier Stufen von A3 auf Ba1. Begründet wurde dies mit Risiken des drastischen Restrukturierungsprogrammes der griechischen Regierung. Die Aktienmärkte reagierten in diesem Stadium kaum noch. Nach einem Start im Minus konnte der DAX an diesem Tag sogar mit einem Plus von 0,8 Prozent den Handel beenden. Der EUR/USD schien ebenfalls im Bereich von 1,20 seinen Boden gefunden zu haben. Haben sich die Märkte somit an diese Nachrichten gewöhnt?

Portugal im Fokus

Der DAX startet am heutigen Handelstag auf Vortagesniveau. Mit XETRA-Eröffnung wurden die positiven Quartalszahlen von Alcoa allerdings von den Marktteilnehmern zum Anlass genommen, auf breiter Front zu investieren. Im zweiten Quartal konnte der US-Aluminiumhersteller Alcoa die Ausweisung eines Gewinnes vermelden und die Analysteneinschätzungen übertreffen. Nach wenigen Handelsminuten gab die Ratingagentur Moody’s eine Absenkung der Bonitätseinstufung des EU-Mitgliedslandes Portugal von Aa2 auf A1 bekannt. In einer ersten panischen Reaktion fiel der DAX um 40 Punkte und der Euro im Verhältnis zum US-Dollar um 40 Pips. Sollte der Markt durch diese Meldung drehen? In der darauf folgenden Handelsstunde nahm zwar die Volatilität zu, verursachte jedoch keinen weiteren Abgabedruck. Der Kursrutsch entpuppte sich somit als Kaufgelegenheit. Bis zum Mittag konnte der Deutsche Aktienindex sein Vortageshoch dynamisch übertreffen und mit der starken Eröffnung an den US-Börsen sogar die Marke von 6.200 Punkten erreichen.



Zum Handelsende ist ein Aufwärtstrend von 125 Punkten TROTZ dieser Herabstufung zu verzeichnen. Noch massiver erholte sich der EUR/USD. In der Gemeinschaftswährung etablierte sich ein Boden bei 1,2523. Durch den Aufwärtsimpuls der europäischen Aktienmärkte konnte auch der Euro zum US-Dollar an Stärke gewinnen. Aktuell ist diese Bewegung mit 220 Pips vom Tagestief aus betrachtet sehr weit fortgeschritten.



Mein Fazit zum Rating

Der Blick auf die Märkte am heutigen Dienstag zeigt eindeutig, wie abgestumpft die Anleger und Investoren in Bezug auf Ratings von EU-Ländern aktuell sind. Ein gewisser Gewöhnungseffekt ist bereits eingetreten. Neue Negativ-News werden nicht mehr so stark gewichtet wie noch vor wenigen Monaten. Dominierender als Einstufungen ganzer Volkswirtschaften sind die Quartalsergebnisse von Einzelunternehmen. Es bleibt in diesem Zusammenhang zu hoffen, dass diese ähnlich positiv ausfallen wie dies Alcoa zum Beginn der Berichtssaison anführte. Nach Börsenschluss wird heute als nächster globaler Player der US-Chiphersteller Intel folgen. Ein Angriff auf das Jahreshoch im DAX wird damit immer wahrscheinlicher.

Über eine weiterführende Diskussion würde ich mich sehr freuen



Bernecker1977
(Andreas Mueller
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Bernecker1977 ist Andreas Mueller. Als Daytrader handelt er Indizes, Devisen und Rohstoffe an der Börse mit Futures und CFDs. Sein Trading basiert auf der Charttechnik. Dort aufgebautes Wissen und Erfahrungen aus 14 Jahren Handel vermittelt der studierte Diplom-Kaufmann Andreas Mueller als Referent im Seminar, Webinar und im individuellen Coaching. Ebenso ist Bernecker1977 als Autor der Kolumne Trading-Gezwitscher bekannt. Auf wallstreet:online moderiert er zudem seit 2005 die Tages-Trading-Chancen für Daytrader und ist Ansprechpartner für alle börsenrelevante Fragen.