Experten Nur wenige Schwellenländer-Nebenwerte sind ´wertvolle Perlen´
FRANKFURT - Zur Depot-Aufpäppelung nach der Finanzkrise lohnt sich Experten zufolge ein Blick auf Nebenwerte aus Schwellenländern. Nachdem die Industriestaaten die globale Wirtschaft in eine Rezession gerissen haben, sollen nun die ´Emerging Markets´ der Weltkonjunktur wieder auf die Beine helfen. ´Die Schwellenländer gewinnen an Bedeutung und werden einen wirtschaftlichen und politischen Gravitationspunkt bilden´, sagte jüngst Stephan King, Chef-Volkswirt von HSBC Hongkong and Shanghai Banking Corporation, in einem Interview mit der ´Frankfurter Allgemeinen Zeitung´.Punkten können diese Länder an der Schwelle zur Industrienation laut Experten mit dem starken Wachstum der Binnenwirtschaft. Und einen Fokus auf die inländische Nachfrage haben vor allem die kleineren Unternehmen, die so genannten ´Small Caps´, gelegt. Greg Mattiko, Fondsmanager bei JPMorgan, sagte: ´Statt multinationaler Konzerne aus dem Energie- und Rohstoffsektor, die im ´klassischen´ Schwellenmarktindex dominieren, lässt sich mit den kleineren Werten noch die ´richtige´ Wachstumsstory der aufstrebenden Märkte verfolgen.´
Als Branchen stehen deshalb dem Experten zufolge insbesondere die Konsumsektoren und das Gesundheitswesen im Fokus. Die auf diesen Geschäftsfeldern aktiven Small Caps profitierten vom Entstehen einer Mittelschicht, der Verjüngung der Gesellschaft und der steigenden Verstädterung. Regional böten vor allem die Wachstumsregionen in Asien große Renditechancen.
Aber nur wenige Small Caps erweisen sich als wahre ´Renditeperlen´. Sie sind aus Sicht der Nebenwerte-Fondsmanager vor allem deshalb so wertvoll, weil das eigentliche Potenzial dieser kleinen Firmen noch nicht entdeckt wurde. Die Anlagephilosophie der Experten lautet: Da sich Analysten und Anleger kaum für das viel versprechende Geschäft der Small Caps interessieren, hinkt ihr Aktienkurs dem tatsächlichen Unternehmenswert hinterher. Und die wenigen wahren Renditeperlen lassen sich dieser Lesart zufolge nur schwer aufspüren, wenn man keine gute Ortskenntnis besitzt. Für einen Vermögensverwalter ist es deshalb laut Mattiko wichtig, lokal präsent zu sein und zu wissen, welche Werte tatsächlich attraktiv bewertet und dazu auch noch liquide genug für ein Fondsinvestment sind.
Dass die Small-Cap-Fondsmanager mit ihrer Suche nach unentdeckten Unternehmensperlen bereits über lange Zeiträume erfolgreich waren, zeigt eine Studie von Allianz Global Investors. Der zufolge haben sich Aktien kleiner börsennotierter Unternehmen in der Vergangenheit nach einer Rezession weltweit stets besser entwickelt als die Aktien großer Unternehmen. Dies sei nicht nur in den vergangenen sechs Rezessionen, sondern auch in der jüngsten Krise der Fall gewesen: Im Jahr 2009 hätten Small Caps global um 46 Prozent zugelegt, während große Unternehmen (Large Caps) einen Wertzuwachs von ´nur´ 29 Prozent verzeichneten. Das Hauptrisiko für ein Engagement in Schwellenländer-Nebenwerte sei indes, dass die Aktienkurse der Small Caps stärker schwankten als die Notierungen der Large Caps, sagte der JPMorgan-Experte.
Derzeit scheinen sich erste Anleger nach den rasanten Kursachterbahnen in einigen Regionen Ostasiens Sorgen zu machen. Ihr Anlageverhalten könnte als Skepsis an der Nebenwerte-Wachstumsstory der Schwellenländer interpretiert werden. Der aktuellen Absatzstatistik des Fonds-Branchenverbandes BVI zufolge haben Investoren zwischen Januar und Mai diesen Jahres netto fast 16 Millionen Euro an Anlagegeldern aus Nebenwerte-Fonds mit Schwerpunkt ´Fernost ohne Japan´ abgezogen: Gemessen am aktuellen Fondsvermögen Ende Mai in Höhe von 196,3 Millionen Euro ist das ein Abfluss von gut sieben Prozent. Zum Vergleich: Das Anlagevolumen In japanische Nebenwerte verdoppelte sich im gleichen Zeitraum./la/stk/nmu
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