ROUNDUP 2 Q-Cells schafft Rückkehr in die Gewinnzone
(Neu: Aussagen des Managements)BITTERFELD-WOLFEN - Das Solarunternehmen Q-Cells hat im abgelaufenen Quartal erstmals seit dem verlustreichen Krisenjahr 2009 wieder einen operativen Gewinn erzielt. Vor Zinsen und Steuern (EBIT) erwirtschaftete die TecDax-Gesellschaft nach Angaben vom Donnerstag 27,1 Millionen Euro nach einem Verlust von 65,5 Millionen Euro vor einem Jahr. Dank begünstigender Wechselkurse schrieb das Unternehmen auch unterm Strich wieder schwarze Zahlen. Im zweiten Quartal standen dort 35,2 Millionen Euro, vor einem Jahr war nach massiven Abschreibungen ein Verlust von mehr als 300 Millionen Euro angefallen. Q-Cells profitierte vom Solarboom in Deutschland und seinem harten Restrukturierungsprogramm.
In ersten Reaktionen bezeichneten Händler die Zahlen als besser als erwartet. Ein Börsianer wies aber einschränkend darauf hin, dass sich das Unternehmen im nächsten Jahr auf ein deutlich schwierigeres Umfeld einstellt. 2011 sind weitere Kürzungen bei der Einspeisevergütung in Deutschland geplant. Deshalb rechnet das Unternehmen mit einem geringeren Wachstum in Deutschland und einem höheren Preisdruck. Die Aktien schossen in den ersten Handelsminuten um knapp acht Prozent nach oben und konnten damit die zuletzt heftigen Verluste reduzieren. Im weiteren Handelsverlauf blieben die Titel an der TecDax -Spitze.
UMSATZPROGNOSE LEICHT ERHÖHT
Im zweiten Quartal wurde der Umsatz dank der gestiegenen Produktion von Solarzellen und Dünnschichtmodulen auf 333,5 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. ´Insgesamt bin ich mit den Zahlen zufrieden´, sagte Vorstandschef Nedim Cen, dessen Vertrag am Vortag um fünf Jahre verlängert wurde. Die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2010 hob Cen leicht auf 1,1 Milliarden bis 1,3 Milliarden Euro an. Bislang wurden 1,0 Milliarden bis 1,2 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Bestehen bleibt das Ziel, 2010 ein positives operatives Ergebnis einzufahren.
Das bessere Ergebnis ist zum Teil auf den Konzernumbau zurückzuführen, den das Unternehmen bis zum Jahresende abschließen will. 2009 war der Umsatz wegen des heftigen Preisverfalls auf dem Solarmarkt um ein Drittel auf rund 800 Millionen Euro eingebrochen, unter dem Strich stand wegen gewaltiger Abschreibungen ein Fehlbetrag von gut 1,3 Milliarden Euro. ´Wir haben das Gesamtunternehmen komplett umgebaut´, sagte Cen.
Q-Cells hat etwa alte Produktionslinien am Stammsitz in Bitterfeld-Wolfen aufgegeben, 500 Stellen gestrichen, unrentable Technologiebeteiligungen zur Disposition gestellt und fährt die Kapazitäten im neuen Zellenwerk in Malaysia hoch. Das positive operative Ergebnis sei ein Meilenstein, aber gleichzeitig nur ein Zwischenschritt, erläuterte Cen. ´Es bleibt aber weiterhin noch sehr viel zu tun.´ Dazu gehörten etwa weitere Anstrengungen im Management von Kosten und gebundenem Kapital sowie dem Heben von Produktivitätspotenzialen.
UMBAU BELASTET WENIGER
Im zweiten Quartal profitierte Q-Cells von der stabilen Preisentwicklung für Zellen und Module. ´Der sehr starke Markt war hilfreich, dieses positive Ergebnis zu erreichen´, sagte Cen. Das Gesamtproduktionsvolumen an Solarzellen und Dünnschichtmodulen wird mit rund 238 Megawatt angegeben und lag damit mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Auch für das zweite Halbjahr erwartet Cen ´einen stabilen Markt mit stabilen Preisen´. Die Nachfrage nach Zellen und Modulen sei sehr stark. Außer in Deutschland rechnet Cen mit einem guten Geschäft in anderen europäischen Ländern wie Italien, Frankreich und Osteuropa. Zudem soll die Internationalisierung vorangetrieben werden.
Das neue Geschäft mit kristallinen Modulen habe die Erwartungen erfüllt, sagte Cen und sei sofort profitabel gewesen. Der erst im Juni richtig angelaufene Bereich habe im zweiten Quartal noch 44 Megawatt ausgeliefert. Im Gesamtjahr sollen 100 bis 150 Megawatt verkauft werden. Im zweiten Quartal verhalfen positive Wechselkurseffekte Q-Cells ins Plus. ´Ohne die Wechselkurseffekte hätten wir eine schwarze Null erreicht´, sagte Cen.
KONTINUITÄT AN DER UNTERNEHMENSSPITZE
Kontinuität gibt es an der Unternehmensspitze. Dem Q-Cells-Aufsichtsrat gelang es, den zunächst lediglich als Interimschef geholten Nedim Cen vom Beratungsunternehmen Alvarez & Marsal abzuwerben. ´Ich bin sehr froh über das Vertrauen, das der Aufsichtsrat mir schenkt´, sagte Cen. Er war im vergangenen Jahr zunächst als Berater gekommen und hatte gleich das Finanzressort bei Q-Cells übernommen. Im März 2010 wurde er zusätzlich zum Vorstandschef. Sein Vertrag lief ursprünglich nur bis Ende des Jahres. Das Finanzressort besetzt inzwischen die frühere ThyssenKrupp-Managerin Marion Helmes./dct/enl/she
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