Die Börse lebt von BIP und Bauch
Das eigene Bauchgefühl spielt bei Börsenentscheidungen von Privatanlegern eine wichtige Rolle – zu Recht, denn sie fahren gut damit, wie Untersuchungen zeigen. Wer dann noch auf die Stimmungen anderer Anleger achtet, erhöht seine Chancen auf Börsenerfolg weiter.Die Deutsche Wertpapierservicebank (DWP) hat mehr als 1.000 Privatanleger befragt, worauf sie ihre Anlageentscheidungen gründen. Die aktuelle und erwartete wirtschaftliche Lage spielt mit über 71 Prozent die wichtigste Rolle. Deutlich vor der professionellen Beratung mit immerhin 49 Prozent rangiert das Bauchgefühl mit über 59 Prozent. Und wie schneiden Privatanleger damit ab? Ziemlich gut, wenn man einer weiteren Studie der DWP folgt. Mehr als 3,5 Millionen Wertpapiertransaktionen hat die Abwicklungsbank durchleuchtet und dabei festgestellt: Privatanleger kaufen Aktien, wenn die Kanonen donnern und verkaufen diese in der Mehrheit, wenn die Kurse hoch sind.
Bauchgefühl und Aktienanlage – passt das überhaupt zusammen? Klar, sagt Andreas Utermann, Chief Investment Officer von Allianz Global Investors für Aktienanlagen, in einem kürzlich erschienenen Interview der „Wirtschaftswoche“: „Jenseits aller facts and news, geht es darum, einen klaren Kopf zu behalten und das Weltgetöse abzudämpfen [..] zur produktiven Grundlage intuitiver Entscheidungen“, so Utermann, der verantwortlich ist für mehr als 100 Milliarden Euro.
Auch die Wissenschaft stärkt den Mut ins eigene Urteil. Gerd Gigerenzer, renommierter Psychologe am Max-Planck Institut in Berlin und Autor des Sachbuches „Bauchentscheidungen“, zeigt anhand vieler Beispiele und Experimente, dass unser Unterbewusstsein in der Lage zu sein scheint, die bekannten Argumente für und wider einer Aktie zu bewerten und mit Hilfe einer einfachen Heuristik nach dem Motto „Nimm das Beste“ zielstrebig entscheidet.
Doch nicht nur die eigene Raison entscheidet über den Anlageerfolg; es gilt auch, die Bauchentscheidungen der anderen Marktteilnehmer zu erahnen. Umfragen haben sich dabei als probates Mittel erwiesen – etwa der ifo-Geschäftsklimaindex, der ZEW-Index oder die Umfragen zum Verbrauchervertrauen. Auch der erste weltweit anlegende Aktienfonds zum Mitmachen und Mitentscheiden, den unser Haus im Juni 2010 aufgelegt hat (www.investtor.de), lässt sich dazu nutzen. Denn wer mitmacht, weiß Bescheid, welche Aktien von Privatanlegern bevorzugt werden.
Fazit: Aktientipps wie „Ihre Tausendprozentchance: Wenn Sie diese neue Raketenaktie jetzt sofort kaufen, müssen Sie nie mehr arbeiten“, klingen spannend, gehören aber eher in den elektronischen Papierkorb. Hören Sie bei Anlageentscheidungen lieber auf Ihren Bauch – und halten Sie die Augen für Signale aus Ihrer Umwelt offen!
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