Börse Frankfurt Schluss Deutliche Abschläge, Conergy mit exorbitanten Zugewinnen
Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die deutschen Standardwerte mussten am heutigen Handelstag deutliche Abschläge hinnehmen. Hintergrund der Kursabschläge sind die Auswirkungen der verheerenden Naturkatastrophe in Japan und die nach wie vor unsichere Lage in einigen durch das Erdbeben und den Tsunami in Mitleidenschaft gezogenen Kernkraftwerken des asiatischen Landes. Deutlich auf der Gewinnerseite waren indes Aktien im Bereich der Alternativen Energien zu finden, die vom Kurswechsel der deutschen Bundesregierung in Sachen Atomkraft profitieren konnten. Der DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) verlor zuletzt 3,19 Prozent auf 6.647,66 Punkte. Der MDAX (ISIN DE0008467416/ WKN 846741) gab um 2,55 Prozent nach auf 9.628,76 Stellen. Für den SDAX (ISIN DE0009653386/ WKN 965338) ging es derweil um 4,05 Prozent nach unten auf 4.784,98 Zähler. Der TecDAX (ISIN DE0007203275/ WKN 720327) fiel um 0,40 Prozent zurück auf 867,31 Punkte. Der Bund Future gewann zuletzt 0,73 Prozent auf 123,08 Zähler, während der Euro 0,15 Prozent auf 1,3968 Dollar abgab.
An der Wall Street zeichnet sich aktuell ein schwaches Bild ab. Die US-Indizes bewegen sich derzeit mit bis zu 1,44 Prozent im Minus. Auch hier blicken die Anleger besorgt nach Japan. Am morgigen Dienstag wird in Deutschland Wacker Chemie die Ergebnisse des abgelaufenen Geschäftsjahres vorlegen. Auf der Konjunkturseite stehen in Italien die Verbraucherpreise und in Großbritannien die Arbeitsmarktdaten auf dem Programm. Ferner werden die Zahlen zum harmonisierten europäischen Verbraucherpreisindex für Februar bekannt gegeben.
Die Bundesregierung hat Konsequenzen aus der verheerenden Erdbebenkatastrophe in Japan gezogen und hat die geplante Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke für drei Monate ausgesetzt. Die Sicherheit aller deutschen Kernkraftwerke komme nun vorbehaltlos auf den Prüfstand, kündigten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Vizekanzler Guido Westerwelle in einer gestern veröffentlichten Erklärung an. Zugleich gab Merkel bekannt, den kürzlich mit dem Energiekonzept 2050 eingeschlagenen Weg ins Zeitalter der Erneuerbaren Energien weiter zu forcieren.
Das kassenmäßige Finanzierungsdefizit im Kernhaushalt des Bundes ist im vergangenen Jahr deutlich angewachsen. Wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Kassenergebnissen zu den Kernhaushalten des Bundes und der Länder mitteilt, lag das Defizit des Bundes mit einer Zunahme um 9,8 Mrd. auf 44,3 Mrd. Euro deutlich über dem des Vorjahres. Es war damit nahezu doppelt so hoch wie das Defizit der Kernhaushalte der Länder insgesamt mit 22,3 Mrd. Euro.
Das deutsche Handwerk konnte im Jahr 2010 eine Umsatzsteigerung ausweisen. Wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Ergebnissen mitteilte, kletterten die Umsätze im zulassungspflichtigen Handwerk gegenüber dem Vorjahr um 0,6 Prozent. Dagegen waren in diesen Gewerben 0,9 Prozent weniger Personen tätig als 2009.
Im DAX waren heute ausschließlich Verlierer auszumachen. Relativ behauptet präsentierten sich Siemens, die an der Indexspitze 0,9 Prozent abgeben mussten. Der Technologiekonznern gab heute bekannt, dass Siemens Water Technologies von einem weltweit tätigen Hersteller von Erfrischungsgetränken den Auftrag erhalten hat, eine Abwasseraufbereitungslösung für eine neue Abfüllanlage auf den Philippinen zu liefern. Aktien von Bayer (ISIN DE000BAY0017/ WKN BAY001) gaben 3,6 Prozent ab. Der Pharmakonzern hat in den USA die Zulassung für das Kontrastmittel Gadavist erhalten. Gadavist ist außerhalb der USA unter dem Handelsnamen Gadovist bekannt und wird weltweit in über 60 Ländern vermarktet. Abschläge von 2,7 Prozent waren bei BMW (ISIN DE0005190003/ WKN 519000) auszumachen. Am Morgen hatte der Autobauer die endgültigen Geschäftszahlen für das abgelaufene Fiskaljahr vorgelegt und für das laufende Fiskaljahr eine weitere Ergebnisverbesserung in Aussicht gestellt.
Wie bereits am gestrigen Tag waren bei den Versorgern E.ON (ISIN DE000ENAG999/ WKN ENAG99) und RWE (ISIN DE0007037129/ WKN 703712) Abschläge auszumachen. E.ON wird den Leistungsbetrieb seines ältesten Kernkraftwerks Isar-1 für die Dauer des Moratoriums der Bundesregierung unterbrechen. Unternehmensangaben zufolge haben die Vorbereitungen zum Abfahren des Reaktors in einen sicheren Ruhezustand bereits begonnen und werden in den kommenden Tagen in Abstimmung mit den zuständigen Behörden umgesetzt. Anteile von E.ON verloren zuletzt 2,8 Prozent. RWE hat auf die Kursänderung der Bundesregierung bei der Atompolitik ebenfalls reagiert und entschlossen, den Kraftwerksblock Biblis A kurzfristig abzufahren, um die geforderten Sicherheitsüberprüfungen vornehmen zu können. Papiere von RWE mussten zuletzt ein Minus von 3,6 Prozent hinnehmen. Noch schwächer präsentierten sich K+S und Deutsche Lufthansa mit Abschlägen von mehr als 4 Prozent bzw. 5 Prozent.
Im MDAX konnte sich Wacker Chemie als einziger Gewinner mit einem Plus von 2,1 Prozent an der Spitze behaupten. Bei Kabel Deutschland und Praktiker waren Abschläge von 0,3 Prozent bzw. 0,4 Prozent auszumachen. HOCHTIEF (ISIN DE0006070006/ WKN 607000) lagen mit moderaten 0,8 Prozent im Minus. Am Morgen hatte der Baukonzern einen weiteren Großauftrag aus Abu Dhabi vermelden können. Demnach wurde die Al Habtoor Leighton Group im Rahmen eines Joint Ventures mit der Errichtung des Al Mafraq Hospital beauftragt. Das Auftragsvolumen wurde auf umgerechnet 428 Mio. Euro beziffert, wovon 278,2 Mio. Euro auf die Al Habtoor Leighton Group entfallen. Am unteren Ende des MDAX waren BayWa und GILDEMEISTER zu finden, die mehr als 6 Prozent bzw. 8 Prozent verloren.
Im TecDAX konnten Werte aus dem Bereich der Erneuerbare Energien teilweise exorbitante Kursgewinne verbuchen. Aktien von Conergy schossen mehr als 100 Prozent nach oben. Papiere von SolarWorld verteuerten sich um 24 Prozent. Gefragt waren daneben Nordex mit einem Plus von rund 20 Prozent. SMA Solar gewannen über 10 Prozent hinzu. Hoch im Kurs standen auch Anteilsscheine von Phoenix Solar (ISIN DE000A0BVU93/ WKN A0BVU9), nachdem der Konzern am Morgen vorläufige Geschäftszahlen für das abgelaufene Fiskaljahr präsentiert hatte. Wie das Photovoltaik-Systemhaus mitteilte, wuchsen die Gesamtumsatzerlöse um 34,4 Prozent auf 635,7 Mio. (Vorjahr: 473,0 Mio.) Euro. Das EBIT auf Basis vorläufiger Zahlen belief sich auf 36,4 Mio. (Vorjahr: 12,2 Mio.) Euro und die EBIT-Marge erreichte 5,7 Prozent, nach 2,6 Prozent im Jahr 2009. Das vorläufige Konzernergebnis nach Steuern hat sich nahezu verdreifacht und betrug 24,0 Mio. Euro, nach zuvor 8,6 Mio. Euro. Das Ergebnis pro Aktie erreichte somit 3,42 Euro (Vorjahr: 1,28 Euro). Zuletzt konnte der Wert 6,5 Prozent zulegen. Am unteren Ende des TecDAX gaben Dialog über 7 Prozent und QSC über 10 Prozent ab.
DAX: 6.647,66 (-3,19 Prozent) MDAX: 9.628,76 (-2,55 Prozent) SDAX: 4.784,98 (-4,05 Prozent) TecDAX: 867,31 (-0,40 Prozent) (15.03.2011/ac/n/m)

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