Wöchentlicher Marktkommentar Repatriierung stärkt die japanische Währung nur temporär
Die japanische Zentralbank hat bereits 33 Billionen Yen (300 Milliarden Euro) in die Märkte gepumpt, die Katastrophe in Japan wird die dortige Wirtschaft um Jahre zurückwerfen – und trotzdem steigt die japanische Währung auf neue Rekordstände. Nur noch rund 110 Yen mussten Händler heute Morgen zahlen, um einen Euro dafür zu bekommen. Anfang März waren es noch über 115.
„Wir müssen bei der aktuellen Entwicklung in Japan die kurz- und langfristigen Einflüsse unterscheiden“, sagt Torsten Gellert, Managing Director von FXCM Deutschland. „Langfristig ist zwar zu erwarten, dass die hohe Liquidität und sinkende Wirtschaftsleistung die Währung schwächen. Doch kurzfristig wirken deutlich stärkere Faktoren in die entgegengesetzte Richtung.“
Gellert spricht damit vor allem den so genannten Repatriierungs-Effekt an. Um den Wiederaufbau im eigenen Land zu bezahlen, lösen japanische Unternehmen, Banken und Versicherungen ihre Kapitalanlagen im Ausland auf und tauschen sie in die eigene Währung. Auch internationale Versicherungsunternehmen müssen nun Yen kaufen, um ihre Verbindlichkeiten in Japan zu bezahlen. Hinzu kommen Spekulanten, die auf genau diese Entwicklung setzen und den Effekt noch verstärken.
„Die Situation erinnert an das Erdbeben in der japanischen Stadt Kobe im Januar 1995“, sagt Gellert. Die Erschütterung hatte damals Schäden von rund 100 Milliarden US-Dollar verursacht – und den Yen zunächst auf einen Kurs-Höhenflug geschickt. Die derzeitigen Schäden übersteigen schon jetzt die Kosten von Kobe um ein Vielfaches. Gellerts Kommentar: „So lange die kurzfristigen Faktoren wirken, wird der Yen stark bleiben. Setzt die Zentralbank aber nach der ersten Beruhigung ihre Liquiditätspolitik fort – und danach sieht es zurzeit aus –, wird das den Yen belasten.“ Gerade in Krisensituationen sei dieses Vorgehen von Zentralbanken üblich und werde auch von ihnen erwartet. „Zudem ist bei einem weiter steigenden Yen zu erwarten, dass die Bank of Japan den Preis aktiv zu drücken versuchen wird – etwa durch den aktiven Verkauf der Währung an den Weltmärkten. Ich gehe davon aus, dass die Bank das bereits tut oder zumindest plant, um den weiteren Anstieg des Yen zu begrenzen.“
Während der Yen zurzeit auf Höhenflug ist, bewegt sich zwischen den beiden anderen großen Währungen der Welt wenig. Seit Ende Februar handelt das Währungspaar EUR/USD unverändert zwischen 1,38 und 1,40 US-Dollar pro Euro. Heute legte der Euro noch einmal leicht zu, auf ungefähr 1,40 US-Dollar. „Das liegt jedoch nicht an einer ruhigen Nachrichtenlage für den Euro, sondern daran, dass positive und negative Faktoren sich aktuell in etwa die Waage halten“, sagt Gellert. Zu den positiven Einflussfaktoren gehört der Euro-Schutzschirm, den die Regierungen am vergangenen Wochenende von einer übergangsweisen zu einer dauerhaften Institution gemacht haben, sowie die Erwartung, dass die Europäische Zentralbank (EZB) früher den Leitzins anheben wird als ihr US-amerikanisches Gegenstück, die Federal Reserve (Fed).
Zu den negativen Faktoren gehört die immer noch angespannte geopolitische Lage im Nahen Osten und weitere Refinanzierungsschwierigkeiten innerhalb der Eurozone. Die Ratingagentur Moody’s senkte am Dienstag ihre Note für Portugal um zwei Stufen auf A3 und gab einen negativen Ausblick. Prompt stieg der durchschnittliche Zins, den Portugal gestern für die Neuemission von 12-monatigen Staatsanleihen im Wert von einer Milliarde Euro zahlen musste. Die Durchschnittsrendite stieg von zuvor 4,06 Prozent auf 4,33 Prozent.
Währungsexperte Gellert kommentiert: „Die Vergangenheit zeigt aber, dass politische Sonderfaktoren normalerweise weniger nachhaltig auf die Wechselkurse wirken als die Entscheidungen der Zentralbanken. Wenn sich die Unruhen nicht weiter verstärken, sollte ein Zinsschritt der EZB den Euro mittelfristig stützen.“

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