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Börse Frankfurt-News Abwarten nach Ausverkauf (Fonds)

Autor: dpa-AFX
 |  22.03.2011, 14:33  |  928 Aufrufe  |   0  | 
FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 22. März 2011. Auch der Fondshandel war in der vergangenen Woche von Panikverkäufen geprägt, mittlerweile wagen sich wieder einige Investoren vor. Die meisten Anleger verharren allerdings in Warteposition. Von einem gesteigerten Interesse an Nachhaltigkeits-Fonds haben die Marktteilnehmer noch nichts gespürt.

Die Horrormeldungen aus Japan und die Eskalation der Konflikte in Libyen bestimmen auch den Handel mit aktiv verwalteten Fonds und sorgten zwischenzeitlich für ausgeprägte Abgaben. Als ´sehr turbulent´ beschreibt Andreas Kehnen von der Baader Bank die vergangene Woche. ´Wir hatten nur Verkäufe. Alles wurde abgestoßen, auch Fonds, die mit Japan überhaupt nichts zu tun haben.´ Kehnen spricht von einer ´Übertreibung nach unten´. Erst in den vergangenen zwei Tagen seien wieder Käufer aufgetaucht. ´Die Stimmung hat sich etwas entspannt, richtig positiv ist sie aber noch nicht.´´Es rauschte runter, es rauschte rauf´, kommentiert Frank Wöllnitz von ICF Kursmakler. Dabei seien die Umsätze außergewöhnlich hoch. ´Vom Eindruck her lagen sie drei- bis viermal über dem normalen Niveau.´

Flucht aus Japan-Fonds

Vor allem von Asien-Fonds wollten Anleger nach dem Erdbeben und der dramatischen Entwicklung im Atomkraftwerk Fukushima nichts mehr wissen. Der Baader Bank zufolge trennten sich Anleger etwa vom DWS Top 50 Asien (WKN 976976). ´Der Fonds war ganz extrem betroffen. So etwas habe ich noch nicht gesehen´, erklärt Kehnen. Der Preis habe überhaupt keine Rolle mehr gespielt. Auch Fonds, die sich auf China und Hongkong konzentrierten, seien in Mitleidenschaft geraten (WKN 972840, 971661). ´Dabei investieren die gar nicht in Japan.´ ICF Kursmakler hat ´Umsätze wie nie´ bei den Japan-Fonds registriert. Nach umfangreichen Abflüssen sieht Wöllnitz aber auch wieder etwas an Zuflüssen. Unter dem Strich überwogen ihm zufolge beim DWS Japan Opportunities (WKN 849095) die Verkäufe, beim Templeton Asian Growth Fund (WKN A0F6WM) aber die Zukäufe. Beim Fidelity Japan Advantage Fund (WKN A0CA6W) sei das Bild in etwa ausgeglichen. Der DWS Japan Opportunities, der schwerpunktmäßig auf Aktien mittlerer und kleinerer japanischer Unternehmen setzt, hatte zwischenzeitlich rund 20 Prozent an Wert verloren, hat sich mittlerweile aber wieder deutlich erholt.

Aktienfonds generell ohne Zuspruch

Deutschland- und Europa-Aktienfonds standen Kehnen zufolge ebenfalls durchweg auf den Abgabelisten, etwa der DWS Deutschland (WKN 849096), der Fidelity European Growth Fund A (WKN 973270) und der Allianz RCM Adiselect (WKN 976956). ´Beim Adiselect hatten wir massive Verkäufe´, berichtet Kehnen. Die Fondsgesellschaften selbst hätten vorsichtshalber Anlagen abgebaut, um an Liquidität zu kommen. Abgestraft worden seien auch internationale Aktienfonds (WKN 797735, 984811, 977799). Mischfonds kamen ebenfalls nicht besser weg, ICF Kursmakler hat etwa beim Carmignac Patrimoine (WKN A0DPW0) ´extreme Verkäufe´ beobachtet, ebenso beim Tri Style Fund (WKN 798616).

Nicht ganz so extrem schwankten laut Frank Wöllnitz Fonds mit indischen Aktien, etwa der HSBC GI Indian Equity (WKN 974873). Russland-Fonds wie der DWS Russia (WKN 939855) bewegten sich indessen mit dem Ölpreis. ´Das Land hängt eben am Öl´, bemerkt Wöllnitz. Insgesamt gebe es gute Umsätze in beide Richtungen, hier seien die Nachrichten aus Libyen ausschlaggebend.

Abgaben bei Minenfonds

Auch die Minenfonds konnten sich dem Abwärtssog nicht entziehen. ´Bei den Edelmetallen zeigte sich das gleiche Bild´, meldet Kehnen. Etwa habe es beim BGF World Mining Fund (WKN 986932), beim BGF World Gold Fund A2 (WKN 974119) und beim Earth Gold Fund (WKN A0Q2SD) sehr große Rückflüsse gegeben. Der Earth Gold Fund hat durch die Katastrophe in Japan - ähnlich wie der Goldpreis selbst - Federn gelassen, hat sich mittlerweile aber etwas erholt. Beim Allianz RCM Rohstofffonds (WKN 847509) hat Frank Wöllnitz allerdings durchaus Umsätze in beide Richtungen gesehen.

Beim Thema Nachhaltigkeit eher Direktanlagen

Von dem Motto ´Raus aus Atom, rein in Erneuerbare Energien´, das die Aktienmärkte zuletzt dominierte, kann im Fondshandel übrigens keine Rede sein. ´Wir haben kein besonderes Interesse beobachtet´, berichtet Kehnen und verweist etwa auf den DWS Klimawandel (WKN DWS0DT). In der Tat hat der Fonds, der auf Aktien aus den Bereichen klimafreundliche Technologien, erneuerbare Energien, energieeffiziente Mobilität und Klimaschutz setzt, bislang von der Krise nicht profitieren können. Auch ICF Kursmakler hat keine gesteigerte Aufmerksamkeit für Nachhaltigkeits-Fonds bemerkt: ´Da gab es keine besonderen Umsätze´, erklärt Frank Wöllnitz. Offenbar verharrten die Anleger noch in Wartestellung beziehungsweise engagieren sich direkt in Solar- oder Windkraftaktien, vermutet der Händler.

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© 22. März 2011/Anna-Maria Borse

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)
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