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Devisenkommentar Belastungsprobe der Euro-Zone durch steigende Zinsen

 |  08.04.2011, 11:33  |  1081 Aufrufe  |   0  | 

Nachdem gestern die EZB wie erwartet den Leitzins von 1,0 auf 1,25 Prozent angehoben hat und damit in den Zyklus steigender Zinsen eingetreten ist, sind die damit verbundenen Sorgen in den Euro-Ländern sehr unterschiedlich. Grund ist die wirtschaftliche Heterogenität im Währungsraum. „Der gestrige Zinsschritt und mögliche weitere Erhöhungen sind für die gut laufende deutsche Wirtschaft sicher leicht zu verkraften und werden auch benötigt, um die Inflation zu bremsen“, sagt Torsten Gellert, Managing Director von FXCM Deutschland. „Dagegen bringen weitere Zinsanhebungen die überschuldeten Länder im Süden der Euro-Zone in eine noch schwierigere Lage.“ Nicht nur werde die Refinanzierung der Staatsschulden teurer, sondern die ohnehin schwächelnden Konsumentenausgaben und dringend benötigte Investitionen bekämen Druck.

Ein Beispiel dafür sei Spanien: Verglichen mit Deutschland besitze ein viel höherer Anteil der Privathaushalte Wohneigentum, das kreditfinanziert ist. Die Finanzierung in Spanien werde jedoch – anders als beispielsweise in Deutschland – meist über sich variabel am Leitzins orientierende Darlehen abgebildet. „Das heißt, steigen die Zinsen, müssen Verbraucher sofort einen größeren Teil des Haushaltseinkommens für ihre Kredite aufwenden“, so Gellert. „Damit stehen ihnen weniger Mittel für andere Ausgaben zur Verfügung, was die auf Inlandsnachfrage gestützte spanische Wirtschaft noch mehr belasten dürfte.“ Zudem liege die Arbeitslosenquote in Spanien schon jetzt bei 20 Prozent. Um aus diesem Dilemma auszubrechen, müsste die öffentliche Hand die Ausgaben erhöhen, was unter den vereinbarten Sparzielen nicht möglich sei.

„Es ist davon auszugehen, dass der Euro-Rettungsschirm zunehmend in Anspruch genommen werden muss. Dies könnte sogar den Einstieg in einen permanenten Umverteilungsmechanismus darstellen, wie wir ihn beispielsweise auf der Ebene der Bundesländer mit dem Länderfinanzausgleich kennen“, so Gellert weiter. „Allerdings wäre im Gegenzug zu erwarten, dass die Empfängerländer zunehmend ihre Autonomie an zentrale, europäische Organe abgeben müssten, die die Wirtschafts-, Sozial-, und Budgetpolitik für diese Länder vorgeben.“ Auch hier ließen sich Ansätze erkennen, die bereits von Ländern wie Deutschland und Frankreich vorgetragen würden. „Bereits die Rettung Griechenlands und Irlands war dem deutschen Steuerzahler schwer zu vermitteln. Sollte sich ein solcher Integrationsprozess nicht politisch durchsetzen lassen, steht zu befürchten, dass der Euro-Raum mittel- bis langfristig auseinanderbricht“, erklärt Gellert.

In den USA sei die Federal Reserve derweil in ihrer Zinspolitik noch in die andere Richtung unterwegs. Statt die Zinsen anzuheben, werde der Geldmarkt mit Liquidität durch Anleihekäufe versorgt, das sog. „Quantitative Easing“-Programm. „Erst wenn dieses Programm im Juni ausläuft (und kein Folgeprogramm beschlossen wird), wäre der Weg frei für eine – durchaus erwartete – Erhöhung der Zinsen“, erläutert der Experte. Die anstehende Berichtssaison der US-Unternehmen werde darüber Aufschluss geben, ob die Wirtschaft schon genug Schwung aufnehmen konnte. Nur dann werde die Fed, deren zweigeteilter Auftrag nicht nur die Wahrung der Geldwertstabilität, sondern auch die Bekämpfung von Arbeitslosigkeit einschließe, erste Schritte einleiten.

Für den Devisentrader würden schnell steigende Zinsen im Euroraum bei zögerlichen Schritten durch die Federal Reserve in den USA für einen weiter steigenden Euro im Vergleich zum US-Dollar sprechen. Dies sei jedoch keinesfalls sicher, wie die äußerst schwierige Lage der Länder in der europäischen Peripherie zeige. Daher dürften weiterhin die Daten zur Inflation und Indikatoren zur Wirtschaftsentwicklung im Fokus der Anleger stehen.Vergangene Zinszyklen dauerten in der Regel mehrere Jahre. „Allerdings ist vor dem Hintergrund des hohen Verschuldungsgrades der wichtigen Volkswirtschaften in den USA, Japan und Europa davon auszugehen, dass die hohe Verschuldung eher ‚weginflationiert‘ als zurückgezahlt wird“, so Gellert.  „Daher erwarte ich nur moderate Steigerungen der Zinssätze.“ 

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