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EUR/USD Täglicher Devisenkommentar: Ist die Auflösung von Carry Trades Grund für den gestrigen Kursrutsch?

Autor: Jens Klatt
 |  24.06.2011, 10:27  |  3905 Aufrufe  |   0  | 

Der gestrige Handelstag war geprägt vom Nachbeben der Ratssitzung der Federal Reserve am Mittwoch. Besonders die klare Aussage Bernankes, dass es kein drittes Quantitative-Easing-Programm geben werde, hat das Währungspaar belastet. Doch wie kam es dazu? Immerhin zeichnete Fed-Chef Bernanke ein aktuell sehr düsteres Bild der US-Wirtschaft. Die Konjunkturdaten, besonders vom Arbeitsmarkt, werden seit Wochen schlechter ausgegeben als erwartet und nun musste sogar die Wachstumsprognose für die US-Wirtschaft für das zweite Halbjahr 2011 gesenkt werden. Eigentlich ein sehr deutliches Zeichen, das den Greenback belasten müsste. Es gibt jedoch eine scheinbar einfache Erklärung für die Entwicklungen, die wir im EUR/USD-Kurs beobachten konnten. Das Stichwort lautet „Carry Trades“.

Die billige Liquidität, mit welcher die Fed die Märkte im Zuge des QE2-Programms flutete, wurde in höher verzinslichen Währungen angelegt. Da die Liquidität nun, mit Auslaufen des Programms, langsam versiegt, werden diese Carry Trades aufgelöst und die Short-Positionen im US-Dollar geschlossen. Die Folge ist ein Anziehen des Greenbacks. Die Nachricht, dass sich Griechenland im Gegenzug zu seinen Sparreformen die Zusage für Finanzhilfen für die nächsten fünf Jahre gesichert hat, führte dann zu einer kleinen Euro-Rallye und am Ende der Session notierte der EUR/USD-Kurs bei 1,4255 US-Dollar.  

Zum Abschluss der Handelswoche werden noch einmal einige sehr wichtige Daten veröffentlicht, welche – neben der immer noch im Fokus stehenden europäischen Schuldenkrise – die Währungsmärkte entscheidend bewegen dürften. Zunächst folgt die Veröffentlichung der Daten zum Ifo-Geschäftsklimaindex. Der Ifo-Index gilt als sehr aussagekräftiger Frühindikator im Bezug auf die Konjunkturentwicklung Deutschlands. Erwartet wird er bei 113,4 und somit auf recht gutem Niveau, aber trotzdem niedriger als noch im Vormonat, wo er mit 114,2 ausgegeben wurde. Aus den USA folgen dann zum Wochenabschluss Daten zum Bruttoinlandsprodukt und, wesentlich aussagekräftiger, zu den Aufträgen langlebiger Wirtschaftsgüter. Wir dürfen zudem gespannt sein, wie die Marktteilnehmer die Zusage über Finanzhilfen für Griechenland aufnehmen.

Technisch gesehen ist das EUR/USD-Paar durch den dynamischen Bruch der 1,4250-US-Dollar-Marke wieder in einen bearishen Modus übergegangen. Die Unterschreitung der Marke bei 1,4190 US-Dollar setzte eine dynamische Abwärtsbewegung in Gang, die in ihrem Tief bei 1,4125 US-Dollar zum Stehen kam. Die anschließende Gegenbewegung kann zunächst als Rebound bezeichnet werden. Erst Kurse über 1,4440 US-Dollar hellen das Chartbild für den Euro auf und setzen weiteres Aufwärtspotenzial bis zur oberen Trendkanalbegrenzung bei 1,4500/1,4550 US-Dollar frei. Bis zu einem Bruch dieser Marke bleibt die Abwärtsbewegung intakt und ein Test der Marke bei 1,4020 US-Dollar und dann bei 1,3860 US-Dollar ist nach wie vor realistisch und zu favorisieren.   

Sollten Sie näheres Interesse an Trading-Ideen haben, die auf meinen Analysen aufbauen, oder ich Ihr Interesse an weiteren Marktbetrachtungen, beispielsweise zum DAX, GBP/USD oder EUR/CHF, geweckt haben, so können Sie sich meine Analysen mittels RSS-Feeds direkt in Ihre Handelsstation holen: http://forexforums.dailyfx.com/external.php?type=rss2&forumids=1153.

Sollten Sie an einem regen Informationsaustausch und Diskussionen zum Thema Forex- und CFD-Trading interessiert sein oder weitere Informationen zum Speculative Sentiment Index („SSI“) haben wollen, einem eigens von FXCM entwickelten Tool zur Bestimmung des Marktsentiments, so besuchen Sie mich im deutschen DailyFX-Forum unter http://forexforums.dailyfx.com/forex-forum-deutsch/.

Wichtige Marken (24.06.2011):
Support: 1,3860 USD | 1,4020 USD
Resist: 1,4550/1,4500 USD | 1,4440 USD | 1,4250 USD

Wichtige Wirtschaftsdaten (24.06.2011):

Deutschland: Ifo-Geschäftsklimaindex, erwartet 113,4
USA: BIP 1. Quartal, erwartet 1,9%
USA: Aufträge langlebiger Wirtschaftsgüter Mai, erwartet 1,6% 

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Autor

Jens Klatt arbeitet als Marktanalyst bei FXCM und moderiert das deutsche DailyFX-Forum. Er ist seit über sieben Jahren in der Finanzbranche tätig. Er erlernte den Börsenhandel von der Pike auf bei einem großen Börsenmakler und wechselte dann an einen Eigenhandelsdesk. Dort handelte er Futures, vornehmlich auf den DAX, EuroFX und das Britische Pfund. Den Devisenhandel favorisiert er aufgrund seiner schönen und klaren Strukturen und betrachtet ein striktes Risk-Managment beim Trading seines eigenen Kontos als unabdingbar für den langfristigen Erfolg.