Rohstoffe Im Zweifel lieber Gold
20. Juli 2011. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die wachsende Schuldenproblematik in der EU und in den USA bringt Gold weiter voran und sorgt in dieser Woche für ein neues Allzeithoch. „Haupttreiber des Goldkurses ist einmal mehr die Sicherheit, die Anleger mit dem Edelmetall insgesamt und Gold im besonderen verbinden“, berichtet Gabor Vogel. Der jüngste Schub für die Krisenwährung sei auch der aktuellen Diskussion rund um eine mögliche Auflegung eines dritten Programms der geldpolitischen Lockerung in den USA geschuldet. „Denn insbesondere die viel diskutierte mögliche Umschuldung für Griechenland ist in den Edelmetallpreisen bereits berücksichtigt“, urteilt der Rohstoffanalyst der DZ Bank, der zum Ende des Jahres einen Goldpreis von 1.750 US-Dollar pro Feinunze erwartet. Auch wenn die Risikobereitschaft der Investoren nach positiven US-Konjunkturdaten und guten Unternehmenszahlen am Mittwoch wieder etwas zugelegt hätten, bleibt Vogel bei seiner mittelfristigen Prognose.
Rekordhoch bei Gold
In steigenden Inflationsraten und weiteren Herabstufungen europäischer Länder durch die US-amerikanischen Ratingagenturen erkennt ETF Securities zudem Gründe für die wieder entflammte Zuneigung der Investoren zu Gold. Erstmals in der Geschichte stieg die Feinunze Gold Anfang dieser Woche zwischenzeitlich über die Marke von 1.600 Dollar. Auch in Euro erreichte das Edelmetall mit 1.142 Euro pro Feinunze eine Rekordnotierung.
„Durch den Inflationsdruck in den großen Industrienationen sind die echten Zinsraten niedrig oder teilweise sogar negativ“, berichtet der größte europäische Anbieter von Exchange Traded Commodities in seinem aktuellen wöchentlichen Bericht. Deshalb seien Edelmetalle für Investoren oft attraktiver. Zudem steige die Unsicherheit, je länger die Probleme ungelöst blieben. Anleger beäugten auch deshalb die zugrunde liegenden konjunkturellen Indikatoren besonders kritisch, weshalb es derzeit an den Börsen ziemlich stürmisch zugehe.
So spricht ETF Securities von regem Interesse an physischem Gold und den größten Zuflüssen bei Gold-ETCs seit August 2010. Anleger hätten sich auf Wochenbasis Gold-ETCs im Wert von über 220 Millionen US-Dollar ins Depot gelegt und greifen derzeit etwa beim ETFS Physical Gold (WKN A0N62G), beim ETFS Physical Swiss Gold Securities (WKN A1DCTL) und beim db Physical Gold ETC Securities (WKN A1E0HR) zu. Käufe überwiegen auch bei Xetra Gold (WKN A0S9GB). Mit einem Anteil erwerben Investoren den in Euro notierten Gegenwert von einem Gramm Gold, das physisch in einem Tresor hinterlegt wird.
Stimmung bei Öl erhellt sich
Weinberg
Die aufkeimenden Hoffnungen auf eine Lösung im US-Schuldenstreit habe die Stimmung an den Finanz- und Ölmärkten erhellt. „Zusätzliche Impulse kommen von den Lagerdaten aus den USA, die auf einen Rückgang der Ölvorräte deuten“, berichtet Eugen Weinberg von der Commerzbank. Die Zahlen berücksichtigten aber noch nicht die zusätzlich freigegebenen 30 Millionen Barrel Öl der Internationalen Energieagentur (IEA). Durch diese Maßnahmen würden die Ölreserven in den kommenden Wochen wieder ansteigen. Zudem sei noch nicht entschieden, ob weitere Reserven von der Energieagentur freigegeben werden. Die Commerzbank hält diesen Schritt angesichts der aktuell entspannten Versorgungsituation mit Öl für eher unwahrscheinlich. „Es wird aber auch darauf ankommen, wann die von Saudi Arabien in Aussicht gestellten Öllieferungen verfügbar werden“, erklärt der Rohstoffanalyst die Position der IEA.
Im Handel sorgen steigende Erdgaspreise angesichts des heißen US-Sommers für Gewinnmitnahmen bei Gas-ETCs. Von Energiewerten insgesamt trennten Anleger sich laut ETF Securities in dieser Woche im Wert von 48 Millionen US-Dollar. Abgaben verbucht das Unternehmen etwa für den ETFS Natural Gas (WKN A0KRJ3) und den ETFS Leveraged Natural Gas (WKN A0V9Y3). In Summe abgestoßen worden seien zudem der ETFS Leveraged Crude Oil (WKN und der ETFS Brent Oil (WKN A0KRKM). S&P GSCI Crude Oil Total Return (WKN A0T7M7).
Kupfervorräte sinken
Vogel
Ein Zusammenspiel aus weltwirtschaftlicher Entwicklung und der Angebotssituation sei der Preis von Industriemetallen. „Insbesondere bei der Nachfrage nach Kupfer und Aluminium spielt China eine wichtige Rolle“, erklärt Gabor Vogel. Die chinesischen Lagervorräte seien im laufenden Jahr geschrumpft und müssten nun erst einmal wieder aufgefüllt werden. Bei Kupfer werde dies nicht so einfach, denn für das Industriemetall erkennt der Analyst ein Angebotsdefizit. Deshalb prognostiziere er zum Jahresende einen Kupferpreis von 12.500 US-Dollar.
Unterstützt wird Vogels Erwartung von dem am heutigen Mittwoch gemeldeten vorlaufenden Indikator für China. „Demnach stehen die Zeichen in China weiter auf Expansion“, bemerkt Weinberg. Laut Nationalem Statistikbüro hat das Land im Juni mit 59,93 Millionen Tonnen rund 11 Prozent mehr Stahl als im Vorjahr produziert. Seitdem sei die Stahlproduktion zwar wieder leicht zurückgegangen. Dennoch gehe der Verband der chinesischen Eisen- und Stahlindustrie in diesem Jahr von mehr als 700 Millionen Tonnen hergestelltem Stahl aus.
ETF Securities berichtet in dieser Woche von Käufen etwa des ETFS Aluminium (WKN A0KRJS). Anleger, die den ETFS Short Aluminum (WKN A0V9XT) verkaufen, setzen nun nicht mehr auf fallende Aluminiumpreise. Tendenziell mehr Abnehmer registrieren die Briten auch für den ETFS Short Copper (WKN A0V9XV).
© 20. Juli 2011/Iris Merker

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