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    Luxusmode - Aktien Suche nach dem besten Schnitt

    Gastautor: Dominik Auricht
     |  29.07.2011, 12:00  |  1312 Aufrufe  |   | 

    Rennwagen oder lahme Ente? Wenn es um den Luxusmodekonzern HUGO BOSS geht, scheiden sich die Geister. Da passt es wie die Faust aufs Auge, dass das Unternehmen den Formel-1-Rennstall McLaren Racing sponsert. Schließlich sitzt mit Lewis Hamilton ein Mann im McLaren-Cockpit, der schon lange zu den Schnellsten gehört und im Jahr 2008 sogar Weltmeister wurde. Momentan hat er allerdings oft das Nachsehen, wenn es um die vordersten Plätze geht. Die Konkurrenz, allen voran das Red-Bull-Racing-Team des aktuellen Weltmeisters Sebastian Vettel, ist derzeit einfach schneller. Wann es mit dem nächsten Titel klappt, steht daher in den Sternen.

     

    HUGO BOSS befindet sich in einer ähnlichen Situation. Das Unternehmen zählt unbestritten zur Weltspitze, bezeichnet sich selbst als einen der Weltmarktführer im Premium- und Luxussegment des Bekleidungsmarktes, verkauft Business- und Freizeitkleidung, Schuhe und Accessoires in 124 Ländern. Doch genau wie beim traditionsreichen McLaren-Rennstall ist fraglich, ob es wirklich für ganz vorne reicht. Klar ist: Sowohl McLaren als auch HUGO BOSS haben ehrgeizige Ziele. Die Rennfahrer Jenson Button und Lewis Hamilton wollen einen weiteren WM-Titel, für HUGO BOSS geht es um eine stärkere Präsenz im Ausland, mehr Umsatz, mehr Gewinn.

     

    Wachstumsprojekt D.R.I.V.E.

     

    Erreichen möchte HUGO BOSS dies mit einem im vergangenen Jahr gestarteten Wachstumsprojekt. Dessen ebenso rennsportnaher wie passender Name lautet: D.R.I.V.E. Die Abkürzung steht für Dynamic Retail Improvement & Vertical Expansion, also dynamische Einzelhandelsoptimierung und vertikale Expansion. Hinter dem sperrigen Begriff verbergen sich vier Ziele: Das Management unter Führung des Vorstandsvorsitzenden Claus-Dietrich Lahrs möchte die Zahl der eigenen Einzelhandelsgeschäfte erhöhen, näher an seine Endkunden rücken, die fünf Konzernmarken stärker voneinander abgrenzen und die Internationalisierung des Unternehmens vorantreiben. Dadurch will Lahrs den Konzernumsatz bis zum Jahr 2015 auf 2,5 Milliarden Euro und den operativen Gewinn (EBITDA) auf 500 Millionen Euro steigern. Zum Vergleich: 2010 war das bisher beste Geschäftsjahr des Konzerns – und am Ende standen ein Umsatz von 1,73 Milliarden Euro und ein operativer Gewinn (EBITDA) vor Sondereffekten von 350 Millionen Euro zu Buche. HUGO BOSS hat also noch etliche Runden auf der Rennstrecke und zahlreiche Herausforderungen vor sich, bevor die Zielflagge in Sicht rückt.

     

    Dennoch: Dass der Konzern im Jahr 2011 so gut unterwegs sein würde, hätte im März 2008 wohl kaum jemand prognostiziert. Damals hatte der Finanzinvestor Permira nach der Übernahme der Mehrheit am Unternehmen eine hohe Sonderausschüttung durchgeboxt. HUGO BOSS zahlte zusätzlich zur regulären Dividende von 1,46 Euro je Vorzugsaktie eine Sonderdividende in Höhe von fünf Euro an seine Anteilseigner – also vor allem an Hauptaktionär Permira selbst. Die Eigenkapital-quote des bis dahin schwäbisch-soliden Modekonzerns sank dadurch von 52,6 Prozent Ende 2007 auf nur noch 17,1 Prozent ein Jahr später. Der damalige Finanzchef Joachim Reinhardt verkaufte die Sonderdividende dennoch als Maßnahme zur Verbesserung der Kapitalstruktur. Und das Londoner Private-Equity-Unternehmen Permira musste sich viel Kritik gefallen lassen. „HUGO BOSS ist zum Spielball der Heuschrecke Permira geworden“, zitierte das Handelsblatt damals einen aufgebrachten Kleinaktionär, der dem neuen Eigner auf der Hauptversammlung die Leviten gelesen hatte.

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    Quelle: onemarkets Magazin HypoVereinsbank, August 2011 

     

    130 Prozent Kursplus in einem Jahr

     

    Gut drei Jahre später zeigt sich: Die von Permira verordnete Unternehmensstrategie hatte offenbar auch ihr Gutes. HUGO BOSS wurde durch die Finanzkrise zwar etwas ausgebremst, schrieb aber stetig Gewinne. 1,63 Euro je Vorzugsaktie waren es im Geschäftsjahr 2008, 1,50 Euro im Jahr 2009 und stolze 2,70 Euro im Jahr 2010. Im ersten Quartal 2011 hat das Unternehmen noch einmal einen Gang höher geschaltet: Der Gewinn stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um 45 Prozent.

     

    Kein Wunder, dass auch die Aktionäre des Unternehmens gute Jahre hinter sich haben. Nach einem Tiefstand von 8,46 Euro im März 2009 legte die Vorzugsaktie bis Ende 2009 auf 24,55 Euro zu. Im Verlauf des Jahres 2010 stieg die Aktie nochmals um 130 Prozent auf 56,50 Euro und ließ dadurch sämtliche Vergleichsindizes hinter sich. Auch2011 setzte sich die Outperformance fort. Derzeit notiert das im MDAX® enthaltene Papier bei 69,23 Euro (Stand: 12. Juli 2011).

     

    Selbst wenn sich dieses enorme Tempo auf Dauer wohl kaum durchhalten lässt: Vorstandsvorsitzender Lahr will den Schwung beibehalten, mit dem sich das Unternehmen derzeit entwickelt. Auch dafür steht das Projekt D.R.I.V.E. Eines der Projektziele ist, die Zeit für die Entwicklung neuer Kollektionen drastisch zu verkürzen. Das hat das Management des Luxuskonzerns bei Billiganbietern wie H&M oder Inditex, dem Betreiber der Modekette Zara, abgeschaut. Bei diesen ist die Zeit von der ersten Idee für eine Kollektion bis zum Verkauf im Laden so kurz, dass sie flexibel auf neue Trends reagieren können – Schnelligkeit ist in der Modebranche eben fast genauso wichtig wie im Rennzirkus der Formel 1. HUGO BOSS reduziert daher nun schrittweise die Entwicklungszeit von 50 auf 38 Wochen. Das soll dem Unternehmen zum Beispiel ermöglichen, Erkenntnisse aus dem Verkauf einer Sommerkollektion in die Entwicklung der nächsten Sommerkollektion einfließen zu lassen.

     August Seite 2011 Grafik HUGO BOSS VZ und MDAX.jpg

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    Quelle: onemarkets Magazin HypoVereinsbank, August 2011 

     

    Ausbau des Filialnetzes

     

    Um leichter an derartige Erkenntnisse zu gelangen, will das Unternehmen zudem das eigene Filialnetz ausbauen. Derzeit vertreibt HUGO BOSS noch den größten Teil seiner Ware über den Großhandel. Bis 2015 sollen eigene Filialen aber annähernd genauso viel Gewicht haben wie der klassische Großhandelsvertrieb. Im vergangenen Jahr hat der Konzern daher 99 eigene Geschäfte eröffnet und die Gesamtzahl der selbst betriebenen Filialen auf 537 gesteigert. Hinzu kommen etwa 1.000 Läden, die von Franchise-Nehmern betrieben werden.

     

    Der Großteil des Wachstums soll sich künftig in Asien und besonders in China abspielen. Derzeit macht HUGO BOSS noch den Großteil seines Umsatzes in Europa, zweitwichtigste Region ist der amerikanische Kontinent. Das soll zunächst auch so bleiben – allerdings wird sich der Anteil Asiens am Umsatz bis 2015 von derzeit 13 auf dann 21 Prozent erhöhen, wenn die Pläne des Managements aufgehen. Die Zeichen dafür stehen scheinbar gut. Allein im Jahr 2010 ist das China-Geschäft von HUGO BOSS währungsbereinigt um 84 Prozent gewachsen.

     

    Die Analysten der UniCredit sind dennoch skeptisch, ob das reicht, um mit der internationalen Konkurrenz mitzuhalten. Sie vergeben für die Vorzugsaktie des Unternehmens derzeit ein „Hold“-Rating und sehen das Kursziel bei 65 Euro. Ihre Kritik zielt auf das gleiche Problem, das auch vor drei Jahren im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion stand: die Dividendenpolitik des Konzerns. „Derzeit schüttet HUGO BOSS 75 Prozent seines Jahresgewinns als Dividende aus“, erklärt Katharina Kastenberger, Aktienanalystin bei der UniCredit. „Der Branchendurchschnitt liegt bei 49 Prozent. Wir glauben, dass Umsatz und Gewinn mittelfristig unter dieser Ausschüttungspolitik leiden werden.“

      

    Hohe Dividende, niedriges Wachstum

     

    Dafür spreche auch, dass die hohen Ausschüttungen mit niedrigen Investitionen einhergehen. So rechnet Kastenberger damit, dass HUGO BOSS von 2011 bis 2015 nur 3,2 Prozent des Umsatzes in Investitionen steckt – im Branchendurchschnitt sind es 4,6 Prozent. Die Konsequenz: Das Unternehmen dürfte im Rennen um Wachstum auf dem Weltmarkt schlechte Karten haben. „Wir sagen voraus, dass HUGO BOSS sowohl beim Umsatz- als auch beim Gewinnwachstum hinter seine Mitbewerber zurückfallen wird“, so Kastenberger. Das von den Analysten prognostizierte Gewinnwachstum von HUGO BOSS liegt zwar immerhin bei 14,4 Prozent jährlich – für die Branche insgesamt rechnen sie aber sogar mit 17,2 Prozent pro Jahr. „Diesen Wert könnte auch HUGO BOSS erreichen“, erläutert Aktienanalystin Kastenberger. „Allerdings müsste das Unternehmen dafür 4

    Prozent seines Umsatzes investieren.“

     

    Fährt der Rennwagen nach der aufsehenerregenden Beschleunigung in den vergangenen beiden Jahren nun also mit angezogener Handbremse? Fast sieht es so aus. Die Analysten der UniCredit halten die Aktie auf dem gegenwärtigen Niveau jedenfalls für fair bewertet. Eine interessante Alternative zu einem Direktinvestment in die Vorzugsaktie des Modeherstellers sind auf dem aktuellen Niveau Discount-Zertifikate. Sie ermöglichen eine Investition in den Basiswert mit einem Rabatt (englisch: Discount). Dieser Rabatt mindert bei Discount-Zertifikaten das Risiko, das von Kursverlusten des Basiswertes ausgeht. Anleger können dadurch nicht nur bei steigenden, sondern auch bei stagnierenden oder leicht fallenden Kursen Gewinne erzielen.

     

    Weitere Infos unter: www.onemarkets.de

     

     

      


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    Disclaimer

    Gastautor

    Seit 1996 ist Dominik Auricht im Kapitalmarktgeschäft aktiv. Berufliche Expertise sammelte er im In- und Ausland bei international agierenden Banken, wie der Rabobank, Citigroup sowie Merrill Lynch. Heute befasst sich der Betriebswirt in der Position des Directors im Bereich Corporate & Investment Banking der UniCredit mit der strategischen Entwicklung von strukturierten Produkten unter der Marke HypoVereinsbank onemarkets. www.onemarkets.de

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