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Börsen wieder unter Druck Nur Kurzfrist-Investments

Autor: dpa-AFX
 |  10.08.2011, 16:14  |  1902 Aufrufe  |   1  | 

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Erleichterungsrally an den Börsen scheint nur von kurzer Dauer gewesen zu sein. Der Aktienmarkt in Deutschland, aber auch die Börsen europaweit und in den USA sind am Mittwoch wieder unter Druck geraten. Jedes Gerücht lässt die Unsicherheit und damit die Nervosität der Anleger wieder extrem steigen: Der Dax drehte nach einem kräftigen Plus am Morgen, das ihn zeitweise um mehr als 170 Punkte nach oben in Richtung 6.100 Punkte katapultierte, wieder deutlich in die Verlustzone. Zuletzt verlor er rund 3,2 Prozent, der EuroStoxx 50 sogar 4,2 Prozent und der Dow Jones Industrial 3,1 Prozent.

 

ANDREAS LIPKOW, HÄNDLER BEI MWB FAIRTRADE: 'Die Märkte sind derzeit extrem nervös. Gerade machen Gerüchte die Runde über eine mögliche Rating-Abstufung von französischen Staatsanleihen. Dies allein hat dazu geführt, dass der Dax-Index etwa 100 Punkte innerhalb weniger Minuten verloren hat. Richtige Zuversicht und echtes Vertrauen ist trotz der Fed-Aussagen gestern noch nicht an die Märkte zurückgekehrt.'

 

CHRISTIAN STOCKER, MARKTSTRATEGE BEI UNICREDIT: 'Es kämpfen gerade Bullen und Bären in einem extrem nervösen Markt und alles was wir zurzeit sehen, sind nur ganz kurzfristige Investments, die getätigt werden. Für längerfristige Investoren ist es noch zu risikoreich. Für eine Stabilität braucht es länger. Nach der Erholung im gestrigen Tagesverlauf, während der fast zehn Prozent an Boden wieder gut gemacht wurde, ist es zudem nicht überraschend, wenn ein Teil der Gewinne auch wieder abgegeben wird.'

 

BERND WEIDENSTEINER, VOLKSWIRT BEI DER COMMERZBANK: 'Die Fed ging mit ihrer unveränderten Niedrigzinspolitik bis mindestens Mitte 2013 erheblich weiter, als die meisten erwartet hatten. (...) Die Entscheidung ist außerordentlich aggressiv. Sie zeigt, wie sehr die Fed sich um die US-Wirtschaft sorgt. Die Mehrheit im FOMC sieht offensichtlich das Risiko eines Unsicherheitsschocks nach den jüngsten Turbulenzen. Allerdings ist das entschlossene Vorgehen innerhalb der Fed umstritten, denn es gab gleich drei Stimmen gegen die Entscheidung. Derart viele Abweichler sind höchst ungewöhnlich.

 

Die Fed arbeitet allmählich die ganze Liste ungewöhnlicher Maßnahmen ab, die Bernanke lange vor der aktuellen Krise in einer mittlerweile berühmten Rede aufgestellt hat. Das alleine zeigt, wie festgefahren die Situation offenbar ist. Die mit dieser unkonventionellen Politik zweifellos verbundenen Risiken werden notgedrungen akzeptiert. Akute Wachstumsrisiken haben klare Priorität vor etwaigen langfristigen Inflationsproblemen.'

 

DAVID BUIK, MARKTSTRATEGE BEI BGC PARTNERS: 'Das war der schwankungsreichste Tag im Dow, an den ich mich erinnern kann, und ich habe bereits seit 49 Jahren mit Märkten zu tun. Ich war da im Oktober 1987, wo es natürlich heftiger in nur eine Richtung ging, und ich habe den Oktober 2009 erlebt. Aber diese Volatilität im Dow am Dienstag, die hab ich noch nie erlebt. Händler rannten herum wie kopflose Hühner und versuchten zu interpretieren, was die Fed vorhat. Es kam zu Zwangsverkäufen am Aktienmarkt durch Hedgefonds, intensiven Programmhandel und Auktionen, die abgewickelt werden mussten.'

 

BEN POTTER, MARKTSTRATEGE VON IG MARKETS: 'Der späte Schub an der Wall Street war ein Katalysator, damit Investoren ihre Kaufaktivität wieder aufnehmen, so dass so manche Märkte sich inzwischen wieder um mehr als zehn Prozent von ihren Tiefständen erholen konnten. Wie es immer bei Marktverwerfungen der Fall ist, gibt es nun zahlreiche Marktteilnehmer, die fragen, ob nun der Boden erreicht wurde. Nachdem wir ein Tief gesehen haben, sollte uns die Erfahrung sagen, dass ein Wieder-Hochschnellen nicht auf wundersame Weise die ursprünglichen Probleme löst, um die sich die Welt gesorgt hat.

 

Tatsächlich hat sich wenig verändert seit dem unglaublichen Umschwenken des US-Marktes. Klar, Ben Bernanke hat gesagt, dass die Leitzinsen mindestens noch zwei Jahre auf Rekordtief bleiben werden, aber hat wirklich jemand ernsthaft gedacht, sie würden in Kürze angehoben? Das wage ich sehr zu bezweifeln. Vielmehr hat die Fed mit Blick auf ihre Möglichkeiten zur weiteren Stimulierung der Wirtschaft nun vor allem bestätigt, dass in ihrer Pistole keine Munition mehr ist. Die Kommentare der Notenbank waren bei weitem nicht das, worauf der Markt gehofft hatte. Aber das war alles, was der Notenbankchef tun konnte, nachdem drei von zehn Mitgliedern im geldpolitischen Ausschuss der Notenbank abweichender Meinung sind.

 

Kurz gesagt: Die Fed hat bestätigt, dass das US-Wirtschaftswachstum sich deutlich verlangsamt hat. Die Gründe für die jüngsten Turbulenzen also, das US-Wachstum und die Schuldenansteckung in Europa, sind weiter präsent. Daher gehe ich davon aus, dass die Rally gestern nur eine aggressive Eindeckungsrally nach Leerverkäufen gewesen ist. Wenn man ein Gummiband zu stark in eine Richtung spannt, wird es möglicherweise in aller Härte in die Gegenrichtung zurückschnellen.'/ck/he

 

 

 


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Kommentare

ClausSch
10.08.11, 16:45
Na das sind doch mal ein paar klare Ansagen !

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