Rohstoffe Goldrausch der Anleger
17. August 2011. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Angst treibt den Goldpreis weiter in unbekannte Höhen: Mit der sich zuspitzenden Verschuldungskrise und dem einhergehenden Crash an den Aktienmärkten hat das Edelmetall einen raketenhaften Anstieg hin gelegt. Der Preis für eine Feinunze kletterte Mitte der vergangenen Woche auf über 1.800 US-Dollar und war damit so hoch wie noch nie. Allein seit Anfang Juli verteuerte sich Gold damit um rund 20 Prozent. In den vergangenen Tagen ging es zwar etwas nach unten, heute müssen aber wieder 1.792 US-Dollar für die Feinunze gezahlt werden. „Gold-ETCs sind als sicherer Hafen ganz stark gesucht“, kommentiert Bernardus Roelofs von Flow Traders. Allerdings habe es seit Ende der vergangenen Woche auch Abgaben gegeben.
Blasenbildung bei Gold?
Einen spürbaren Rückgang des Goldpreises erwarten die meisten Analysten derzeit noch nicht. „Das Sicherheitsbedürfnis der Anleger ist nach wie vor sehr groß“, meint etwa Gabor Vogel, Rohstoffexperte der DZ Bank. „Es gibt im Moment keinen Grund, Gold zu verkaufen.“ Das Angebot steige nicht, die Zentralbanken bauten ihre Bestände vereinzelt sogar noch auf. Vor allem aber gebe es keine Alternative, Aktien und Staatsanleihen seien nicht attraktiv genug beziehungsweise zu riskant. „Es deutet zwar vieles auf eine Blasenbildung hin, Aktionen wie die Goldbarrenverlosung der Bild-Zeitung sollten vorsichtig machen“, erklärt Vogel. „Die Blase platzt aber jetzt noch nicht.“ Kleinere Rückschläge hält er für möglich, zu Jahresende sieht der Analyst Gold auf dem aktuellen Niveau.
Im ETC-Handel hätten Flow Traders zufolge beim Gold Bullion Securities (WKN A0LP78) die Zuflüsse überwogen, während der ETFS Physical Gold (WKN A0N62G) und Xetra-Gold (WKN A0S9GB) auch abgegeben worden sei. Die meisten Anleger setzen aber offenbar auf einen weiter steigenden Goldpreis: Short-ETCs auf Gold wie der ETFS Short Gold DJ-UBSCI (WKN A0V9X0) sind jedenfalls aus den Depots geflogen, wie Flow Traders meldet. Auch Mark Schönbrodt von der DekaBank berichtet von einem unverändert regen Interesse an Gold. „Zuletzt entfielen rund 80 Prozent des Handels auf Gold-ETCs, dabei überwogen ganz klar die Käufe.“ Von Abflüssen betroffen sei vor allem der ETFS Physical Gold.
Bei Silber vorsichtiger
Vogel
Silber profitiert ebenfalls von der extremen Risikoaversion, allerdings längst nicht so stark wie Gold. Der Preis für eine Unze ist mit aktuell 40 US-Dollar noch weit von seinem Hoch bei knapp 50 US-Dollar Ende April entfernt. „Die Industrienachfrage aus Europa, den USA und den Schwellenländern ist unter Druck“, erklärt Gabor Vogel. Die vergangene Woche war ETF Securities zufolge zwar noch von Zuflüssen in Silber-ETCs geprägt, die Anleger werden aber offenbar kritischer und glauben nicht mehr an eine weitere Erholung. Flow Traders hat jedenfalls zuletzt überwiegend Abgaben beim ETFS Physical Silver (WKN A0N62F) gesehen, laut DekaBank hätten Anleger auch den db Physical Silver Euro Hedged (WKN A1EK0J) verkauft. Der Rohstoffexperte Vogel sieht Silber übrigens bei 42 beziehungsweise 43 US-Dollar fair bewertet.
Industriemetalle unter Druck
Für die reinen Industriemetalle ist die steigende Skepsis hinsichtlich des weltweiten Wirtschaftswachstums ganz klar Gift. „Rekordabflüsse in Höhe von 121 Millionen US-Dollar aus dem Korb ETFS Industrial Metals zeigen die Abkehr von zyklischen Rohstoffen“, betont der Emittent ETF Securities. „Kaum ein anderer Bereich korreliert so stark mit der Weltwirtschaft.“ Auch Flow Traders zufolge hätten sich Investoren vom ETFS Industrial Metals DJ UBSCI (WKN A0KRKG) verabschiedet. Einen rasanten Kurseinbruch erlebte Anfang dieses Monats Kupfer. Der Preis rutschte innerhalb kurzer Zeit von 9.800 auf unter 8.800 US-Dollar ab. „Im Vergleich zum Aktienmarkt hat sich Kupfer noch gut gehalten“, kommentiert Gabor Vogel allerdings. Er geht davon aus, dass der Preis kurzfristig auf 10.000 oder 11.000 US-Dollar klettern wird. Entscheidend für Kupfer sei die Nachfrage aus China. „Und das Land wird die Importe erhöhen und die Lager auffüllen.“
Gemischtes Bild bei Mais & Co.
Hansen
Agrarrohstoffkörbe fanden zuletzt keine Anhänger, dabei entwickelt sich die Branche ganz unabhängig von den Konjunkturaussichten. Dahinter stecken aber ganz unterschiedliche Entwicklungen. Während etwa der Maispreis stieg, verbilligte sich Baumwolle. „Im Juli war es in Teilen des Mittleren Westens, der wichtigsten US-Anbaugegend, so heiß wie seit einem halben Jahrhundert nicht mehr“, erklärt Ole Hansen von der Saxo Bank. Die Preise für Mais und Sojabohnen seien daraufhin stark gestiegen. Der ETFS Corn (WKN A0KRJV) konnte in den vergangenen zwölf Monaten um 46 Prozent zulegen, allerdings mit vielen Höhen und Tiefen, der ETFS Soybeans (WKN A0KRJ7) um knapp 13. Bei den breiten Agrarrohstoff-ETCs wie dem ETFS Agriculture DJ-UBSCI (WKN A0KRKB) überwogen laut Flow Traders die Abflüsse.
© 17. August 2011/Anna-Maria Borse

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