!Derivate-Magazin Wann finden die Börsen einen Boden?
Der Sinkflug an den internationalen Aktienmärkten findet bisher kein Ende und man mag Ausnahme-Banker Josef Ackermann kaum widersprechen, wenn dieser sich an das Jahr 2008 erinnert fühlt.
Wenn DAX-Schwergewichte ohne negative Nachrichten mal eben fünf oder zehn Prozent verlieren, darf man sich sicherlich zu Recht die Frage stellen: Wann finden die Börsen endlich einen Boden?
Um es gleich vorwegzunehmen: Ein bisschen könnte es bis zu erwähnten Boden-Bildung schon noch dauern. Die Konjunktur-Aussichten sind vor allem in vielen europäischen Ländern und den USA alles andere als erstklassig und trüben sich tendenziell sogar weiter ein. Von der volkswirtschaftlichen Daten-Front ist mithin bis auf weiteres mit Störfeuern zu rechnen, die die Aktien-Notierungen unter anhaltenden Abgabedruck setzen könnten.
Auf der anderen Seite muss man aber auch zur Kenntnis nehmen, dass die Märkte bereits sehr deutlich nachgegeben haben. Gegenwärtig kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass an den Aktienmärkten die Rezessions-Karte gespielt wird. Und auch wenn die Gefahr nicht zuletzt auch auf Grund der teilweise völlig aus dem Ruder gelaufenen Staatsverschuldung nicht zu unterschätzen ist, bleibt abzuwarten, ob die Wirtschaftsleistung vor allem in der alten und neuen Welt in den nächsten Monaten und Jahren tatsächlich zurückgeht.
Richtig heftig erwischt hat es zuletzt insbesondere die Finanztitel und einige Anleger mögen vielleicht denken, dass man zu diesen Kursen eigentlich nichts mehr falsch machen kann. Ganz so einfach ist es jedoch nicht: Es hat schon gute Gründe, warum die Bank- und Versicherer-Aktien derart unter die Räder kamen. Denn so ganz genau wissen die Wenigsten, wie hoch der Anteil an Griechenland-Anleihen und anderen Ausfall gefährdeten Schuldverschreibungen ist. Aber allein die Pleite Griechenlands, die zunehmend diskutiert wird, dürfte die Branche unzählige Milliarden kosten. Alles in allem hat das beliebte Urlaubsland nämlich Verbindlichkeiten von etwa 350 Milliarden Euro aufgebaut. Angesichts dieser Risiko-Faktoren ist es nicht verwunderlich, dass beispielsweise die Deutsche Bank unlängst von ihrem Jahresgewinnziel abgerückt ist. Auf Sicht von mehreren Jahren mag sich der Kauf von Finanz-Aktien auf dem gegenwärtigen Niveau vielleicht auszahlen. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass es die besagten Aktien demnächst noch etwas günstiger gibt.
Wenn Investoren in diesem Umfeld überhaupt auf Aktien als Anlageform setzen wollen, dürften sie mit defensiven Werten noch am besten fahren. Längerfristig nicht uninteressant sind die deutschen Versorger. Denn bei diesen scheint doch eigentlich alles Negative mittlerweile eingepreist zu sein.
Marc Nitzsche
Dieser Artikel ist erschienen im Derivate pdf-Magazin. | 23.September 2011

0
