Volkswagen größter Autobauer der Welt? Auf der Überholspur
Der Bugatti Veyron ist Volkswagens Auto der Superlative: 1.001 PS, Beschleunigung auf 100 Stundenkilometer in nur 2,5 Sekunden und eine Spitzengeschwindigkeit von mehr als 400 Stundenkilometern. Als der Sportwagen der Volkswagen-Tochter Bugatti im Jahr 2005 in Serie ging, sagte der damalige VW-Vorstandsvorsitzende Bernd Pischetsrieder, sein Konzern wolle mit dem Auto vor allem seine technische Kompetenz beweisen, so wie es andere Unternehmen viel teurer im Rennsport täten. Bis heute ist der Bugatti Veyron das schnellste für die Straße zugelassene Fahrzeug. Und für 2013 ist eine noch stärkere Variante mit mehr als 1.200 PS geplant.
Ziel: Nummer eins bis 2018
Mit hoher Geschwindigkeit möchte Volkswagen auch die weltweite Nummer eins der Branche werden. Die Strategie dafür heißt „Mach 18+“. Der Name ist selbstbewusst an die Bezeichnung für die Schallgeschwindigkeit angelehnt. Würde ein Gegenstand sich tatsächlich mit 18-facher Schallgeschwindigkeit fortbewegen, legte er mehr als sechs Kilometer in der Sekunde zurück – das schafft nicht einmal der Bugatti Veyron. Bei Volkswagen steht diese Zahl für ein großes Ziel: Bis 2018 will der Konzern der größte und profitabelste Autobauer der Welt werden. In Zahlen bedeutet das, dass der Gesamtkonzern bis 2018 seine jährlichen Verkaufszahlen auf mehr als 10 Millionen Fahrzeuge und die Umsatzrendite vor Steuern auf 8 Prozent erhöhen will. Für das Automobilgeschäft soll die Kapitalrendite bei mehr als 16 Prozent liegen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr verkaufte VW 7,14 Millionen Fahrzeuge, die Umsatzrendite betrug 5,6 Prozent und die Kapitalrendite 13,5 Prozent.
Um das neue Ziel bis 2018 zu erreichen, nimmt Volkswagen mächtig Geld in die Hand. Im September verkündete der Konzern in Wolfsburg Investitionen in nie da gewesener Größenordnung. Von 2012 bis 2016 will das Unternehmen 62,4 Milliarden Euro in neue Fabriken und Modelle stecken. Alleine 14 Milliarden Euro sollen in den Wachstumsmarkt China fließen. Dort und in Brasilien, Russland, Indien und Südafrika soll in Zukunft rund die Hälfte aller Volkswagen verkauft werden. Drei Viertel des geplanten Wachstums sollen diese Schwellenländer einbringen. Außerdem möchte VW seinen Marktanteil in den USA auf rund 6 Prozent beziehungsweise eine Million Fahrzeuge ausbauen. Die Steigerungsraten dort sind immens: In den ersten neun Monaten des Jahres gelang es den Wolfsburgern, in Nordamerika gut 235.000 Wagen abzusetzen – eine Steigerung von 22,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im September gab es trotz Sorgen vor einer Wirtschaftskrise ein sattes Absatzplus von 35,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Zuversicht bei Strategie und Modellen
Trotz der derzeit weltweit vorhandenen wirtschaftlichen Unsicherheit scheint der Konzern strategisch und produktseitig so aufgestellt, dass er flexibel auf eventuelle Schwankungen in den einzelnen Märkten reagieren kann. So Christian Aust, Aktienanalyst der UniCredit: „Die Auslastung ist bei VW weiterhin gut. Das wird auch bis Ende 2011 so bleiben.“ Hinter der Entwicklung für 2012 stehe aufgrund der unsicheren Konjunkturlage noch ein Fragezeichen. „Allerdings gehen wir davon aus, dass VW seine ambitionierten Ziele bis 2018 erreichen wird. Vielleicht sogar noch vor dem Jahr 2018“, so Aust. „Der wesentliche Grund für die langfristig positiven Aussichten sind die global steigenden Marktanteile des Konzerns.“
Quelle: onemarkets Magazin HypoVereinsbank, November 2011.
Auch die Finanzkennzahlen deuten darauf hin, dass der Konzern flexibel auf Marktturbulenzen reagieren könnte, besser noch als 2008, als die Märkte zuletzt ins Minus gerutscht waren. Damals verfügte das Unternehmen zum Jahresende über rund 8 Milliarden Euro liquide Mittel. Heute sitzt der Konzern mit rund 20 Milliarden Euro auf mehr als doppelt so viel Bargeld, wodurch sich sowohl Finanzierungsprobleme als auch Marktschwankungen deutlich besser abfedern lassen dürften. Anders als zum Beispiel US-Konkurrent Ford setzt VW auf ein Konzept vieler Marken, die in den Konzern integriert werden.
Was mit dem Kauf von Porsche eine neue Dimension erreicht hat, setzt sich aktuell mit der geplanten Mehrheitsübernahme des Münchener Lkw-Herstellers MAN fort. Volkswagen ist auf dem Weg, in jedem Segment eigene Produkte anzubieten – vom Skoda-Kleinwagen bis hin zum Prestige-Auto von Porsche. Auch im Nutzfahrzeugbereich soll es eine ähnliche Vielfalt geben. Gelingt die Übernahme von MAN, für welche die Europäische Union Ende September grünes Licht gegeben hat, kann Volkswagen hier künftig ebenfalls auf drei Marken zurückgreifen: Scania, VW-Nutzfahrzeuge und eben MAN. Der Zukauf aus München soll zusammen mit VW vor allem kleine, flinke Transporter bauen und damit der Lkw-Sparte von Daimler Konkurrenz machen. Wie sinnvoll die Übernahme ist, zeigt eine Mitteilung Volkswagens vom 27. September 2011. Der Betriebsrat der Nutzfahrzeugsparte gab bekannt, dass im Werk Hannover wegen der guten Auftragslage 700 neue Mitarbeiter eingestellt und 100 Millionen Euro zusätzlich investiert werden sollen. Läuft bei der Übernahme MANs alles glatt, plant VW hier eine ähnliche Strategie wie bei den Automarken: In einer Art Baukastensystem haben die unterschiedlichen Marken Zugriff auf eine standardisierte Sammlung von Komponenten, die sie je nach Bedarf und Land auswählen, um den passenden Laster zu bauen.
Unsicherheit ist eingepreist
Die Analysten von UniCredit sehen den Konzern mit dieser Strategie gut aufgestellt. Die Gefahren teurerer Rohmaterialien dürften ihrer Einschätzung nach durch eine wachsende Produktivität sowie gute Hedging-Strategien kompensiert werden. Die Empfehlung für die Volkswagen-Vorzugsaktie lautet demnach „Buy“, das Kursziel für die kommenden zwölf Monate liegt mit 215 Euro weit über dem aktuellen Kurs von 128,40 Euro (Stand: 10. November 2011). „Im aktuellen Kurs ist die Unsicherheit der Märkte bereits eingepreist. Daraus ergibt sich ein großes Aufholpotenzial für die Aktie“, schätzt Christian Aust.
Quelle: onemarkets Magazin HypoVereinsbank, November 2011.
Einstieg mit Absicherung
Für Anleger, die vom Aufwärtspotenzial der Aktie überzeugt sind und zugleich angesichts der aktuellen Kursturbulenzen am Aktienmarkt lieber mit einer Teilabsicherung einsteigen möchten, kommen verschiedene Produkte in Frage. Dazu gehören zum Beispiel Aktienanleihen sowie ein Bonus-Cap-Zertifikate.
Zum Beispiel zahlt eine HVB Aktienanleihe auf die Aktie der Volkswagen AG zum Laufzeitende am 28. September 2012 einen Kupon von 11,5 Prozent p. a. auf den Nominalwert der Anleihe aus. Liegt der Kurs der Volkswagen-Vorzugsaktie bei 95,50 Euro oder höher, erhält der Anleger zusätzlich den vollen Nominalbetrag der Anleihe zurück. Schließt der Kurs der VW Aktie am Laufzeitende allerdings unter der Marke von 95,50 Euro, erhält der Anleger neben der Kuponzahlung nicht den vollen Nominalbetrag der Anleihe, sondern eine Auszahlung im Verhältnis zum aktuellen Aktienkurs, die unter dem Nominalbetrag liegen wird. Kann das Minus dann nicht durch den Kupon kompensiert werden, kommt es für den Anleger zu Verlusten.
Ein HVB Bonus Cap Zertifikat auf die Aktie der Volkswagen AG wiederum bietet die Chance auf eine höhere Gesamtrendite als die Aktienanleihe. Allerdings kann das Investment in das Bonus Cap Zertifikat für Anleger auch zu höheren Verlusten führen – allerdings nur, wenn der Kurs der VW-Vorzugsaktie während der gesamten Laufzeit bis zum 29. Juni 2012 um mehr als 33,76 Prozent fallen sollte.
Investoren sollten zudem bedenken, dass Aktienanleihen und Bonus-Cap-Zertifikate Inhaberschuldverschreibungen sind. Bei Insolvenz der Emittentin drohenhohe Verluste bis hin zum Totalverlustrisiko.
Weitere Infos: www.onemarkets.de

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