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APA ots news Wirtschaftsentwicklung im Zeichen der Schuldenkrise

Autor: dpa-AFX
 |  12.12.2011, 09:07  |  126 Aufrufe  |   0  | 

Wien (APA-ots) - Die europäische Wirtschaftspolitik diskutiert

anhaltend, durch welche Maßnahmen das Vertrauen der Finanzmärkte in

die Kreditwürdigkeit der Länder mit hoher Staatsverschuldung

zurückgewonnen werden kann. Auch für Staaten mit relativ geringer

Verschuldung sind die Finanzierungskosten mittlerweile gestiegen. Die

Dynamik der Realwirtschaft lässt weiter nach, jedoch ist nach wie vor

kein Einbruch der Wirtschaftsleistung zu erkennen.

Die schwierige Entscheidung über eine Stabilisierung der

Finanzmärkte für europäische Anleihen fällt in eine Phase abnehmender

und sehr unterschiedlicher Konjunkturdynamik. Der Anstieg der

Renditen von Staatsanleihen in den letzten Monaten weist sogar auf

eine Zunahme der Verunsicherung auf den Finanzmärkten hinsichtlich

der Bedienbarkeit der Schulden einzelner Euro-Länder hin. Vor diesem

Hintergrund versucht die Politik vermehrt durch die Ankündigung

verstärkter Sparbemühungen eine Beruhigung herbeizuführen. Dies birgt

jedoch die Gefahr einer weiteren Konjunkturdämpfung.

Mittlerweile sind die Finanzierungskosten auch für Staaten mit

vergleichsweise unproblematischem Verschuldungsniveau gestiegen.

Selbst für deutsche Anleihen war nach einem deutlichen Rückgang

jüngst ein leichter Anstieg der Zinssätze festzustellen. Die

Realwirtschaft blieb bisher von den Auswirkungen weitgehend

verschont. Zwar kühlt sich die Konjunktur im Euro-Raum seit dem

Frühjahr ab, wie die Unternehmensumfragen zeigen, jedoch verstärkte

sich die Abwärtsbewegung bislang nicht. Im III. Quartal expandierte

die Wirtschaft des Euro-Raumes unverändert um 0,2% gegenüber der

Vorperiode. In Deutschland beschleunigte sich das Wachstum sogar

leicht von +0,3% auf +0,5%; während die Exportwirtschaft anhaltend an

Schwung verliert, entwickelt sich die Binnennachfrag recht robust.

Konsumentenvertrauen und Einzelhandelsumsätze weisen auch zum

Jahresende auf eine stabile Konsumnachfrage hin.

Für die österreichische Wirtschaft ergab die Revision der

vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung im III.

Quartal 2011 ein Wachstum von real 0,3% gegenüber der Vorperiode

(nach +0,5% im II. Quartal). Damit hat sich die Konjunktur neuerlich

abgeschwächt. Die Dynamik dürfte weiter nachlassen, jedoch steht auch

in Österreich unmittelbar kein Einbruch der Wirtschaftsleistung

bevor. Im November verschlechterte sich die Einschätzung der

künftigen Wirtschaftsentwicklung durch die Unternehmen nicht weiter,

und auch die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ist als verhalten

positiv zu beurteilen.

Abbildung Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes - auf der

WIFO-Website ( http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12 )

Übersicht Ergebnisse der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen

Gesamtrechnung - auf der WIFO-Website (

http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12 )

Zwtl.: Methodische Hinweise und Kurzglossar

Periodenvergleiche

Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem

Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies

schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl

von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im

Text wird auf 'saison- und arbeitstägig bereinigte Veränderungen'

Bezug genommen.

Die Formulierung 'veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . .'

beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode

des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.

Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung

liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf

und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings

zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen

Methoden beruht.

Reale und nominelle Größen

Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um

Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell

ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens

angeführt.

Produzierender Bereich

Diese Abgrenzung schließt die NACE-2008-Abschnitte B, C und D

(Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Herstellung von Waren,

Energieversorgung) ein und wird hier im internationalen Vergleich

verwendet.

Inflation, VPI und HVPI

Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise

gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein

Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte

Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare

Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der

Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone ( siehe auch

http://www.statistik.at/ ).

Die Kerninflation als Indikator der Geldpolitik ist nicht

eindeutig definiert. Das WIFO folgt der gängigen Praxis, für die

Kerninflation die Inflationsrate ohne die Gütergruppen unverarbeitete

Nahrungsmittel und Energie zu verwenden. So werden knapp 87% der im

österreichischen Warenkorb für den Verbraucherpreisindex (VPI 2010)

enthaltenen Güter und Dienstleistungen in die Berechnung der

Kerninflation einbezogen.

WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest

Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund

1.500 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen

und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist

eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer

Investitionstätigkeit ( http://www.itkt.at/ ). Die Indikatoren sind

Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem der negativen

Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.

Arbeitslosenquote

Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung

registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen.

Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und

unselbständig Beschäftigten (gemessen in

Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei

AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen,

die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als

erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde

selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die

Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den

Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die

Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen

Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:

Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).

Begriffe im Zusammenhang mit der österreichischen Definition der

Arbeitslosenquote

Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in

AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der

Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler

berücksichtigt.

Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den 'unselbständig

Beschäftigten' zählen auch Personen, die Kinderbetreuungsgeld

beziehen, sowie Präsenz- und Zivildiener mit aufrechtem

Beschäftigungsverhältnis. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die

Zahl der 'unselbständig aktiv Beschäftigten'.

Rückfragehinweis:

Mag. Dr. Marcus Scheiblecker

Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO

Tel. +43 1 798 26 01-245 * Fax. +43 1 798 93 86

Marcus.Scheiblecker@wifo.ac.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/235/aom

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER

INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***

OTS0019 2011-12-12/09:00

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