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Bestens Von Staats- und Währungskrisen

 |  27.12.2011, 09:33  |  2437 Aufrufe  |   0  | 

Während wir jetzt auch noch mit unserem Bundespräsidenten "unbemerkt" in eine Staatskrise hineingeschlittert sind, kommt nun möglicherweise auch noch eine Dollar-Währungskrise hinzu. China und Japan setzten dem Dollar ihren Yuan und Yen gegenüber. Das hat schon was. Ansonsten? Business as usual.

Der Währungspakt zwischen China und Japan ist eine Überraschung und ein Hammer zugleich. Und zwar für die USA und deren Währung, den Dollar. Wenn man bedenkt, dass derzeit 60% des Handels zwischen den beiden Staaten Japan und China in Dollar abgewickelt wird und zukünftig das nach und nach der Vergangenheit angehören soll, dann zeigt das weiter, welchem epochalen Wandel wir derzeit ausgesetzt sind.

 

Und während unser Wirtschaftsminister Rösler die deutsche Wirtschaft „bestens“ gerüstet sieht und manche Unternehmensberater etwas von +3% Wirtschaftswachstum faseln, ist da der Chef des Sachverständigenrats Wolfgang Franz dann doch weit vorsichtiger. Eine Rezessionsgefahr sehe er nicht, ist da schon ein anderer Snack. Obwohl das im November vorgelegte Jahresgutachten noch von einem Wachstum von +1% ausgeht, erwartet Franz nur +0,5%. Und so muss Rösler vielleicht einfach mal seine Brille putzen. „Bestens“ sieht nämlich anders aus. Dass Herr Franz den unsinnigen Lagarde-Vergleich mit den 1930ern genauso scharf verurteilte, wie ich es im deutschen Anlegerfernsehen getan habe, zeigt einmal wieder, wie nahe wir Volkswirte uns am Ende im Geiste doch sind.

 

Aber an diese Begriffsumdeutungen haben wir uns inzwischen gewöhnt. So lese ich heute bei Christian Kirchner in der FTD unter „Dauerhaft mehr Inhalt“, dass das wohl richtig sei, aber Inhalt und Preis auseinanderdriften. Für mehr Inhalt bezahlt man relativ deutlich mehr. Meister der Begriffsumdeutungen ist und bleibt aber die Politik. Wobei unser Bundespräsident da als „Vorbild“ voranschreitet. Nicht geradlinig sei sein Verhalten gewesen. Wer kann mit einer solchen Aussage schon was anfangen? Wenn jetzt selbst SPD-Chef Gabriel unseren Bundespräsidenten aus „Angst vor einer Staatskrise“ im Amt halten will, dann kann ich nur ungläubig mit dem Kopf schütteln. Wenn wir einen Bundespräsidenten nur in einem Amt halten, weil ein paar führende Politiker vor einer Staatskrise Angst haben, dann sind wir bereits mitten drin. Denn was oder wen repräsentiert denn ein notdürftig im Amt gehaltener Bundespräsident denn noch? 2 Mio. weniger Menschen als im letzten Jahr haben dieses Jahr die Weihnachtsansprache gehört. Das zeigt eines. Das Vertrauen ist dahin. Der derzeitigen Politik in Deutschland und auch dem Bundespräsidenten laufen die Menschen weg. Was mich nicht wundert.

 

Es fehlen bei uns halt die Autoritäten. Und zwar nicht die kraft Amtes oder Funktion, sondern kraft Person und Persönlichkeit. Wer diesbezüglich übrigens einmal mehr lesen will, dem empfehle ich das Buch „Über Autorität“ vom großen Staatsrechtler Theodor Eschenburg, der am 24. Oktober 1904 hier in Kiel geboren wurde und 1999 in Tübingen, an dessen Universität er bis zu seiner Emeritierung lehrte und auch Direktor war, starb. Ich habe das Buch in jungen Jahren gelesen, um mein angespanntes Verhältnis zu sog. Autoritäten zu klären und zu verstehen, was Autorität den eigentlich ist und wie man sie richtig nutzt.

 

Ansonsten war da noch die Nachricht aus den USA über eine (leicht) sinkende Inflation. Und weil wir schon gerade mal dort sind, ist auch die neue Software zu erwähnen, mit der die Börsenaufsichtsbehörde SEC zukünftig den Hedge Fonds auf den Pelz rücken möchte. Was auch einmal Zeit wurde. Dass man bei uns solche Meldungen vergeblich sucht, daran haben wir alle uns inzwischen gewöhnt. Auch daran, dass Verfahren gegen Menschen mit dem „gewissen Etwas“ wie z.B. der Ex-Deutsche Bank Chef Breuer eingestellt werden und er damit nicht vorbestraft ist. Eine Verurteilung am „untersten Rand“ wäre Herrn Breuer wohl nicht zuzumuten gewesen und so hat man mittels „Kompromiss für alle Beteiligten“ die „vernünftigste Lösung“ (Zitat Richter des Landgerichts München Anton W.) gewählt.

 

Einen Freispruch!

 

Interessanterweise war das Landgericht München seinerzeit mit mir nicht so milde. Wobei ich wohl den Fehler machte, in einer Kolumne auf ein - vorsichtig ausgedrückt (Achtung Selbstzensur)! – nach meinem Geschmack etwas „eigenartiges“ Verhalten zweier Vorstände einer börsennotierten Gesellschaft hinzuweisen. Aber ich bin schließlich auch nicht bei der Deutsche Bank beschäftigt. Und bei mir ging es schließlich nicht um die Lappalie eines Prozessbetrugs, sondern um das Kapitalverbrechen des „Erwecken eines Anscheins“ und einer „Beleidigung“ noch dazu in Internetforen, was schwer geschäftsschädigend für die Herren gewesen sein soll.

 

Ich schlage deshalb vor, dass wir künftig die Immunität der Abgeordneten zusätzlich auf Bankvorstände ausweiten. Dann können wir uns solche überflüssigen Prozesse ersparen. Das ist ja Schade ums Geld und die Zeit, die dafür draufgehen. Dass hierzulande mit zweierlei Maß gemessen wird, auch in und gerade in deutschen Gerichtssälen, ist doch inzwischen eh jedem klar. Vor dem Gesetz sind alle gleich. Manche sind eben nur etwas gleicher.

 

War sonst noch was? Nicht wirklich.

 

Und so gehen wir auf das Neue Jahr in der tiefen und beruhigenden Gewissheit zu, dass bei uns alles „bestens“ ist und offensichtlich auch „zum Besten“ steht.

 

Prosit Neujahr!

 

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.

 

Ihr Norbert Lohrke

 

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