Mikadozucken Kapitalbedarf europäischer Banken belastet europäische Finanzwerte und Märkte; Unicredit Aktienhandel wegen Kapitalerhöhung teilweise ausgesetzt; Griechenland spekuliert über Wiedereinführung der Drachme; starker Yen drückt Tokyo ins Minus; China senkt Ha
Es kommt also langsam Bewegung ins Spiel. Die Griechen denken über einen Ausstieg aus dem Euro nach. Was auch langsam Zeit wurde. Die Banken fangen an, Kapitalerhöhungen vorzunehmen. Was natürlich den Markt kurzfristig belasten, aber langfristig entlasten wird. Und die USA fangen an zu sparen. 2012 wird ein spannendes und unglaublich interessantes Jahr werden.
Globalyze Marktbericht
Obwohl die Zahlen vom heimischen Arbeitsmarkt besser als erwartet ausfielen, tauchte an der Wall Street der Leitindex Dow wegen der sich wieder zu Wort meldenden Europa-Sorgen zum ersten Mal in diesem Jahr mit -0,02% (12.415) leicht ins Minus. Grund war die gestern angekündigte Kapitalerhöhung der italienischen Unicredit, die am 29. Januar stattfinden, 7,5 Mrd. Euro in die Banktresore spülen soll und damit die Kernkapitalquote von 8,74% auf 10,35% heben wird. Mit einem Ausgabepreis von 1,943 Euro liegen die neuen Aktien -43% deutlich unter dem derzeitigen Börsenkurs. Beides, die unerwartet hohe Summe und der niedrige Ausgabepreis und die Meldung, dass allein die spanischen Banken 50 Mrd. Euro (!!!) aufnehmen müssen, ließ auch andere, vor allem europäische Bankaktien in den Keller plumpsen. Gleichzeitig stiegen die Zinsen der 10-jährigen Staatsanleihen in Spanien und Italien wieder über 7%. Die europäische Schuldenkrise hat uns wieder. Welch Überraschung!?! Im Dow war Boeing mit -1,1% der größte Verlierer. Die Bank of America gewann hingegen +8,6% hinzu und kann allein in den paar Tagen des neuen Jahres einen Kursgewinn von +13% verzeichnen. Auch Morgen Stanley und SunTrust legten um +2,1% bzw. +5,4% zu. Einzelhandelsaktien waren nach der enttäuschenden Holiday Season und nach unten angepasster Gewinnerwartungen die größten Verlierer. J.C. Penney und Kohl’s fielen um -2,7% bzw. -1,8%. Target brach um -3% ein. Der Sportartikler Zumiez, der seine Gewinnerwartungen für das 4. Quartal anhob, schoss um +18% nach oben. Eastman Kodak, die möglicherweise Chapter11 (=vergleichbar deutscher Insolvenz) in Anspruch nehmen müssen, sackten um -11% ab. Die genverändertes Saatgut herstellende Monsanto legte nach besser als erwarteten Gewinnen im 1. Quartal um +5,5% hinzu. Auch der Festplattenhersteller Seagate Technology legte nach der Erhöhung seiner Umsatzprognose um +6,4% zu. Rohöl gab um -1,4% auf 101,81 Dollar je Barrel nach. Gold stieg um +0,5% auf 1.619,40 Dollar je Unze. Der Nasdaq und der S&P500 stiegen um +0,81% (2.669) bzw. +0,29% (1.281) an.
In Frankfurt ist nach einem kleine Hoffnungs-Zwischenhoch, über die sich zurückmeldende europäische Banken- und Schuldenkrise, bereits mit den Kursverlusten von gestern wieder der graue Alltag eingekehrt. Ob Griechenland, in dem inzwischen endlich auch von offizieller Seite über eine Wiedereinführung der Drachme nachgedacht wird. Was ein Segen für die Bevölkerung wäre. Oder die drohende Zahlungsunfähigkeit, des sich weitestgehend von den europäischen Werten verabschiedende Ungarn. Dax und C Dax gaben um -0,26% (6.095) bzw. -0,24% (537,46) nach. Lediglich der Tec Dax konnte mit +0,02% (707,19) punkten. Der enttäuschende Verlauf der Kapitalerhöhung der Unicredit drückte die Kurse beinahe aller Bankaktien in Europa und auch Deutschland in den Keller. Deutsche Bank und Commerzbank brachen um -4,83% bzw. -4,51% ein und waren weit abgeschlagen die Dax-Schlusslichter. Auf der anderen Seite lagen Volkswagen mit +2,72% und Fresenius mit +1,92%. Im Tec Dax schaffte es die im letzten Jahr doch deutlich unter Druck geratene Software AG wegen seiner von Analysen positiv eingeschätzten Cloud-Strategie mit +4,44% an die Spitze. Gleich dahinter findet sich die Centrotherm Photovoltaics mit +3,77% wieder. Größter Teccie-Verlierer ist Nordex mit -6,10% und QSC mit -4,11%.
Tokyo machte neben den schlechten Vorgaben aus Europa und der Wall Street der wieder gegenüber dem Euro steigende Yen zu schaffen. Bei einem mit einem Transaktionswert von 225,2 Mrd. Yen (normal: 455,45 Mrd. Yen) recht dünnem Handel schafften es nur 406 Aktien ins Plus. Der Rest der Aktien – mit Ausnahme der 246 auf der Stelle tretenden – fiel. Insofern war der Rückgang des Nikkei um -1,16% auf 8.390 Punkte keine Überraschung. Große Verlierer waren erwartungsgemäß Elektronik- und Autohersteller sowie Stahlfirmen. Auch die Reeder kamen unter Druck. So gaben Toyota, Nissan, Komatsu, Canon, Nippon Steel und Fanuc nach. Auch Chiphersteller wie Elpida und Nitto Denko wurden auf den Markt geworfen. Einen starken Ausreißer gab es. JVC Kenwood rauschte um +10% nach oben. Grund war, dass der Großaktionär Panasonic seinen Anteil an dem Unternehmen von 19,28% auf 1,75% senken wird. Offensichtlich verbinden die Marktteilnehmer mit der damit verbundenen größeren Unabhängigkeit neue Hoffnungen. United Arrows stiegen angesichts guter Dezember Umsätze um +2,8%. Und obwohl auch Takashimaya einen Umsatzanstieg vermeldete, fiel dieser Wert mit -1,4% ins Minus. Wobei das Wachstum der same store Umsätze mit +0,3% nicht gerade berauschend ausfiel.
Globalyze Pressetour
Monsanto mit starkem Saatgeschäft. Nicht zuletzt wegen des in Lateinamerika mit +46% stark wachsenden Saatgeschäfts und des um +73% angezogenen australischen Baumwolle stiegen Umsatz und Gewinn deutlich.
Standpunkt: Der Quartalsumsatz stieg um +33% auf 2,44 Mrd. Dollar. Der Gewinn legte von 9 Mio. Dollar im Vorjahresquartal auf 126 Mio. Dollar in diesem Quartal mehr als deutlich zu. Wie man hört, tendieren die US-Farmer nach einem wettebedingt schlechten Vorjahr dieses Jahr zu hochwertigem, genveränderten Saatgut. Das Monsanto hohe Margen bringen könnte. Insofern sollte das Jahr 2012 für Monsanto kein Schlechtes werden.
Constellation Brands mit Gewinneinbruch. Der Gewinn des durch Weinmarken wie Mondavi oder Ravenswood bekannten Getränkeanbieters ist bei um -27% nachgebenden Umsätzen um -25% auf 104,8 Mio. Dollar eingebrochen.
Standpunkt: Der Umsatz ist besonders wegen des zurückhaltenden australischen und britischen Weingeschäfts deutlich auf 701 Mio. Dollar gesunken. Da konnten auch die Preisnachlässe und Marketingmaßnahmen nichts dran ändern. Nun hofft der CEO über eine neue Weinkollektion auf ein „Outperforming“ die Industrie. Dazu fallen mir die Worte im Faust ein: „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“
Seven & I mit -7,3% Gewinnrückgang. Wegen der durch die Erdbebenkatastrophe bedingte erschlaffenden Nachfrage, fielen Umsatz und Gewinn des japanischen Einzelhändlers in den ersten 9 Monaten um je -7,3%.
Standpunkt: Der Umsatz liegt bei 3,83 Billionen Yen, während der Nettogewinn von 90,2 Mrd. Yen im Vorjahreszeitraum auf 83,7 Mrd. Yen in diesem Jahr fiel. Dabei sollte man aber das Betriebsergebnis nicht außer Betracht lassen. Das stieg nämlich um +22,9% auf 216,2 Mrd. Yen. So schlecht sieht es also bei Seven & I gar nicht aus. So bleibt auch der Gewinnausblick für das Gesamtjahr unverändert. Jetzt muss man abwarten, wie sich die Umsätze weiter entwickeln werden.
Chinas Handelsbilanzüberschuss sinkt. Angesichts eines im November so schwachen Exportwachstums wie seit 9 Monaten nicht mehr ist der Handelsbilanzüberschuss von 183 Mrd. Dollar in 2010 auf 160 Mrd. in 2011 zurückgegangen.
Standpunkt: Wobei das gesamte Handelsvolumen, also die Summe aus Importen und Exporten um +20 % auf 3,6 Billionen Dollar gestiegen ist. Auch muss man dazu sagen, dass diese Tendenz von den Chinesen durchaus gewünscht ist. Insofern sollte man diese Nachricht nicht so negativ sehen, wie es manche deutsche Zeitungen tun.
Rüstungsindustrie auf dem Rückzug. Wegen der leeren Staatskassen erläuterte der US-Präsident Barack Obama eine neue Verteidigungsstrategie, die mit massiven die US-Rüstungsindustrie treffenden Einsparungen einhergeht.
Standpunkt: Im Gegensatz zu uns fangen die USA also endlich an, die Ausgaben im Staatshaushalt zu kürzen. Wer weiß, wie wichtig die Streitkräfte für das Selbstverständnis der USA sind, kann ermessen wie schmerzhaft dieser Einschnitt, der sogar die Militärstrategie ändern wird, ist. Das wird auch Auswirkungen auf die internationale Sicherheitslage haben. Die Verbündeten werden da zukünftig größere Lasten übernehmen müssen. D.h. für uns Anleger dass die US-Rüstungsindustrie weitere stark von Staatsaufträgen abhängige US-Unternehmen erst einmal zu meiden sind. In anderen Teilen der Welt können diese Einsparungen aber durchaus zu höheren Rüstungsausgaben führen. Was dann der dortigen Rüstungsindustrie zugutekommen sollte.
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