Scope Analysis Eisenbahnfonds – Eine Nische mit Zug
Eisenbahnfonds erwerben neue oder gebrauchte Lokomotiven für den Gütertransport. Diese werde dann an Betreibergesellschaften verleast. Anleger, die vom starken Wachstum des Güter-Schienenverkehrs profitieren möchten, bieten Eisenbahnfonds eine interessante Investitionsmöglichkeit.
Liberalisierung der Eisenbahnmärkte
Die Tatsache, dass es dieses Nischensegment überhaupt gibt, ist maßgeblich auf die Liberalisierung des Güterschienenverkehrs in der EU seit 1998 zurückzuführen. Diese hatte – anders als im Personenverkehr – die Gründung und Etablierung zahlreicher privater Eisenbahnverkehrsunternehmen zur Folge. Im Jahr 2000 lag ihr Anteil am gesamten Schienen-Güterverkehr bei knapp zwei Prozent. Gegenwärtig sind es bereits mehr als 25 Prozent – Tendenz weiter steigend. Das Positive daran: Insbesondere die privaten Bahnunternehmen setzen verstärkt auf Leasing anstatt
selbstständig Züge zu erwerben.
Güterverkehrsaufkommen steigt deutlich – Schienenverkehr profitiert
Nicht nur der Anteil der privaten Bahnunternehmen am gesamten Transportaufkommen steigt, sondern auch der Güterverkehr, der insgesamt auf der Schiene abgewickelt wird. Einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey & Company zufolge wird der Güterverkehrsmarkt in Europa im Jahr 2025 rund 50 Prozent höher sein als 2009. Der Marktanteil des Schienentransports am gesamten Güterverkehr wird von 16 Prozent im Jahr 2009 auf 21 Prozent im Jahr 2025 ansteigen. Das heißt, der Gütertransport über die Schiene wird bis 2025 überproportional stark wachsen. Unabhängige Marktexperten erwarten für den Bahngütertransport in Westeuropa ein durchschnittliches Wachstum in Höhe von 3,6 Prozent pro Jahr bis 2020.
Bislang nur zwei Initiatoren aktiv
Im Segment Eisenbahnfonds sind derzeit mit Paribus und Steiner + Company lediglich zwei Anbieter aktiv. Paribus hat in diesem Jahr bereits den zweiten Eisenbahnfonds emittiert. Steiner + Company präsentierten in diesem Jahr ihren ersten Eisenbahnfonds. Bei den bisher emittierten Fonds handelte es sich in der Regel um Diesellokomotiven im Kurzstreckenbereich sowie im Zubringer- und Rangierdienst. Die Fondsvolumina lagen zwischen 27 und 52 Millionen Euro. Damit konnten zum Teil mehrere Dutzend neue und gebrauchte Lokomotiven erworben werden. Um die Portfolios zu diversifizieren, wurden die Investitionen über verschiedene Lokomotiv-Typen verteilt. Außerdem wurden mit unterschiedlichen Leasingnehmern Verträge geschlossen. Risiken wie beispielsweise bei Single-Tenant-Immobilienfonds gibt es bei den bislang emittierten Eisenbahnfonds demnach nicht. Dass sich die Zahl der Anbieter in Zukunft deutlich erhöhen wird, ist
nicht zu erwarten. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Eintrittsbarrieren in diesem Markt sind vergleichsweise hoch. Ohne externes Know-how ist die Konzeption von Beteiligungsmodellen in diesem Nischenmarkt nahezu unmöglich.
Anspruchsvolles Asset-Management
Auch das Asset-Management der Fonds ist im Vergleich zu anderen Segmenten sehr anspruchsvoll. Dies liegt vor allem daran, dass die Leasingverträge üblicherweise deutlich kürzere Laufzeiten aufweisen als beispielsweise im Bereich des Flugzeug-Leasings. Da die Portfolios der Fonds aus mehreren Dutzend Lokomotiven bestehen, müssen permanent neue Leasing-Oartner gefunden und -Verträge ausgehandelt werden – ohne umfangeiche Kontakte und detaillierte Marktkenntnisse ein hoffnungsloses Unterfangen. Hinzu kommt, dass auch Wartung und Instandhaltung der Loks aufwändig sind.
Eine Nische mit Potenzial
Auch wenn das Segment Eisenbahnfonds aufgrund der hohen Eintrittsbarrieren ein
Nischensegment bleiben wird, bietet es Anlegern, die vom Wachstum des Güterverkehrs überzeugt sind, eine attraktive Investitionsmöglichkeit.

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