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Langeweilig Aufgewärmtes

 |  09.01.2012, 10:19  |  1060 Aufrufe  |   0  | 

Wie ist das doch alles zäh. Nichts scheint sich zu bewegen. Und wenn in die falsche Richtung. Jeder klebt an dem, was er hat. Der Bundespräsident alle voran. Amt, Vollbankensystem, eine falsche Wirtschaftspolitik, eine Energiepolitik, dessen Schwächen der schwache Winter Gott sei Dank nicht offenbart hat. Es herrscht Stillstand.

Heute ist wieder so ein Tag, wo mir so nicht recht was einfallen mag. Sie kennen das vielleicht. Diese Tage, an denen man am liebsten im Bett bleiben möchte. Jedenfalls habe ich mich wie üblich aus den Federn geschält und den Marktbericht und die Pressetour ganz gut hinter mich gebracht.

 

Jetzt stelle ich mir die Frage, was ich Ihnen an Kolumne bieten kann, das Sie nicht langweilt. Da wäre der peinliche Dauerbrenner Bundespräsident Wulff. Nach all den – mit kleinen Ausnahmen - hervorragenden Bundespräsidenten hat sich unsere Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel und die Bundesversammlung mit Herrn Wulff echt vergriffen. Ich habe es sowie so nicht verstanden, wieso Deutschland nach der historischen Wiedervereinigung nicht jemanden wie Herrn Gauck zum Bundespräsidenten gemacht hat. Wo wir doch unter Merkel vor dem Adjektiv „historisch“ nur so triefen. Das wir nun einen Bundespräsidenten haben, der in eigenen Belangen ein Grundrecht massiv angegangen ist und dabei noch die martialischen Worte wie „Krieg“ und intern wie „Stahlgewitter“ benutzte, lässt aufhorchen. Das passt aber irgendwie dann doch zu dem Fehlverhalten unseres Verfassungsschutzes.

 

Dass dann noch der Anschein erweckt wird, dass man den Mann nur im Amt hält, weil der Schaden nach dem Rücktritt Köhlers zu groß wäre, kommt noch erschwerend hinzu. Und all jenen, die meinen, dass man im Amt des Bundespräsidenten noch lernen müssen dürfe, sage ich. Lernen tut man ein Leben lang. Aber wer ein solches Amt antritt, sollte eine gewisse Lebensklugheit innehaben, die dem derzeitigen Amtsinhaber wohl gänzlich abgeht. Haben Sie übrigens im Interview bemerkt, dass Wulff – rhetorisch äußerst clever - alles, was negativ war, mit „man(„...man ist Mensch und man macht Fehler“) begann. Das ganze jämmerliche Hingeziehe mit der Befürchtung, dass wir den jetzigen Amtsinhaber tatsächlich 5 Jahre ertragen müssen, spricht eindeutig für eine Direktwahl des Bundespräsidenten durch das deutsche Volk. Was übrigens auch der von mir sehr geschätzte Bundespräsident a.D. Herr von Weizsäcker und auch andere ebenfalls schon lange vorgeschlagen haben. Aber bei uns ist alles in Stein gemeißelt. Da wird Verfassung wohl gebrochen, aber um Gottes Willen nicht geändert.

 

Dann wäre noch die Frage, die einem beinahe aus jedem Finanzmagazin und jedem Zeitungsfinanzteil landauf und landab, förmlich ins Gesicht springt. „Was soll man bloß kaufen?“ Wobei ich immer wieder überrascht bin, was da unseren Bürgern für ein Schauspiel dargeboten wird. Wie ich in meiner Kolumne „Börsenstars“ bereits aufgezeigt habe, sind die Ratschläge teils in sich inkonsistent. Also widersprechen sich Aussage und Empfehlung wie z.B. die Annahme einer steigenden Inflation, ja gar Hochinflation, und der Rat Anleihen zu kaufen. Da bin ich noch gar nicht dabei, dass man unterschiedlicher Meinung sein kann und unterschiedliche Strategien verfolgen kann. Besser kann man sein Vermögen nicht vernichten. Nun habe ich natürlich auf eine solch kritische Kolumne in Anlagefragen auch entsprechende kritische Kommentare erhalten. Die auf unser Minus in 2011 hinwiesen.

 

Einer meiner Leser verwies auf den Carmignac Patrimonie A, der in 2010 mit einem Schlusskurs von 5.264 Euro ins Jahr 2011 startete und am 31.12.2011 nur leicht um -0,5% nachgebend mit 5.235 Euro endete. Wobei man, wenn man denn einmal genau hinschaut, der Fonds seit Juni 2010 aus der Seitwärtsbewegung nicht mehr herauskam und das für uns sehr erfolgreiche 2. Halbjahr 2010 und damit auch Gesamtjahr 2010 (+72,41%) glatt an sich vorbeiziehen ließ. Und auch unser Value Börsenbrief, der zwar in 2011 mit -8% aus dem Rennen ging, steht immer noch besser da als unser Franzose, dessen Namen mich schwer an eine Art Weichkäse erinnert, weil er in 2010 ein Plus von 34,8% erzielte. Und so frage ich mich, wieso man bei uns als relativ neuem Marktaspiranten versucht die negativen Renditen in den Vordergrund zu stellen, wo wir doch einen mittelfristigen Ansatz (Mindestzeit 4 Jahre) verfolgen, der (nachweislich) äußerst renditeträchtig ist?

 

Ich weiß ja nicht wie es Ihnen geht, aber meine Lebenserfahrung sagt mir, dass es gute und schlechte Jahre gibt. Nun sind wir natürlich so blöd bzw. transparent, das auch noch zu zeigen. Das ist natürlich fatal in einer Welt, in der ich vergeblich auf den Bank-Anlageübersichten der zu mir kommenden enttäuschten Bankkunden die Angabe einer Gesamtrendite suche. Haben Sie bei sich schon etwa so etwas gefunden? Wenn nicht, sollten Sie sich mal fragen, wieso das eigentlich so ist? Eine Rendite ist bei einer Anlage schließlich nicht das Unwichtigste, oder? Aber wie Wulff auch sprechen alle von Transparenz und wenn es ernst wird, kneifen sie. Wir nicht!

 

Also, das mit den guten und schlechten Jahren trifft für das Wetter zu, auf die Ernte, auf jedes Unternehmen und auf vieles mehr. Nur in der Anlage soll das angeblich anders sein? Ich habe da fast ein wenig die Befürchtung, dass da viele, viele Menschen ihren gesunden Menschenverstand ausschalten und der ach so doofen Werbung von Finanzdienstleistern, die nur noch von der Waschmittelwerbung getoppt wird, auf den Leim geht. Oder wann sind sie mitten auf der Straße zum letzten Mal über den roten Strich (ich such den schon die ganze Zeit und finde ihn nicht) gesprungen oder durch eine mitten in der Landschaft stehende Tür (auch dafür bin ich zu blöd, die zu finden) gegangen? Auch warte ich vergeblich darauf, dass mir meine Volksbank endlich den Weg frei macht.

 

Nun könnte ich mit dem wieder aufgewärmten Thema „Merkozy“ und dem „Fiskalpakt für Europa“, den so richtig keiner will und ich schon gar nicht, kommen. Und diese erbärmliche Finanztransaktionssteuer, die doch nur deshalb gehypt wird, weil sie Geld in die leeren Haushaltskassen spült. Die übrigens die Politiker leergeräumt haben. Auch wenn sie so tun, als wären das die Aliens gewesen. Mit too big to fail, also der Ursache der Krise, hat die doch nun wirklich nichts am Hut. Aber wie lautet ein stehender Spruch, der in Kollegenkreisen immer wieder für einen Lacher gut ist? „Kommen Sie mir jetzt bloß nicht mit Sachargumenten.

 

Jedenfalls ist unsere Petition für ein Trennbankensystem und eine Öffnung des Bankwesens von unten, um für mehr „wirkliche“ Innovation (bitte nicht verwechseln mit dem Millionsten, als Finanzinnovation verkauften Derivat und Zertifikat) und Wettbewerb in dieser gähn-langweiligen Branche zu sorgen, am Freitag zur Mitzeichnung ausgelaufen. Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz herzlich bei den 607 Mitzeichnern. Sie haben sich nicht nur um dieses Land verdient gemacht. Sie haben zumindest versucht, die nächste Katastrophe im Finanzbereich zu verhindern. Das ehrt Sie alle. Und so spreche ich Ihnen meinen tiefen Respekt aus! Damit werden wir natürlich nicht das momentane Banksystem gefährden. Ackermann, Blessing & Co. werden sich wahrscheinlich vor Lachen auf die Schenkel klatschen. Aber wir alle haben es wenigstens versucht und sind unserer Verantwortung für das Gemeinwohl gerecht geworden bzw. sind unseren Bürgerpflichten nachgekommen. Was man derzeit nicht einmal vom amtierenden Präsi sagen kann.

 

Und bevor ich jetzt zum rösslerischen FDP-Platt-Thema „Wirtschaft, Wachstum und Wohlstand“ komme, von dem die FDP nun wirklich keine Ahnung mehr hat und diese Kolumne gänzlich an Niveau verliert, höre ich lieber auf.

 

Also, Sie sehen schon. Das mit uns, wird heut nichts mehr. Irgendwie bekommen ich bzw. wir es in diesem Land nicht mehr hin als zigfach Aufgewärmtes und Aufgegossenes wieder und wieder nach vorn zu schieben. Woran das liegt? Vielleicht, weil sich viel zu viele an etwas festhalten, was faktisch nicht erhaltenswert ist. Ob das ein Amt ist, falsche Regeln, ein falsches Banksystem, Vertrauensbrüche, Nichteinhalten von Zusagen usw. usw.

 

Vielleicht hören wir einfach einmal auf zu klammern und lassen uns auf das pralle Leben ein. Mancher wird sich wundern, wie wenig langweilig das im Gegensatz zu dem ist, was wir teils Tag für Tag in den Medien und auch sonst so ertragen müssen.

 

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.

 

Ihr Norbert Lohrke

 

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Globalyze steht für eine voll-automatisierte und damit manipulationsfreie, fundamentale Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Investmentprofi Lohrke ist einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren. Sein Slogan? Rendite ist kein Zufall.