Aufwärtstrend vollkommen intakt
Es ist schon erstaunlich: Trotz der Krise in Europa, den Probleme in den USA, den vielerorts beschworenen Risiken für die Weltwirtschaft und jetzt auch noch der Zuspitzung der Kontroversen über das Atomprogramm des Irans kann man in dem marktbreiten S&P500 immer noch einen Aufwärtstrend erkennen. Bleiben wir somit zum Jahresanfang erst einmal bei der Charttechnik. Dazu eine interessante Chartanalyse, die ich schon am Wochenende in der „Euro am Sonntag“ veröffentlicht hatte:
Im Chart erkennen Sie, dass sich der S&P500 seit dem Jahr 2009 in einem breiten Aufwärtstrendkanal befindet, der immer noch intakt ist. Dieser Kanal hat eine hohe Bedeutung, schließlich ist er mittlerweile durch fünf Auflagepunkte (rote Kreise) bestätigt. Auch die Mittellinie des Kanals zeigt eine gewisse Relevanz.
Eurokrise ohne Folge
Interessant ist, dass dieser Aufwärtstrendkanal nicht ein einziges Mal durch den kleinen Crash im Zusammenhang mit der Eurokrise verletzt wurde. Ganz im Gegenteil: Der Crash endete ziemlich genau über der unteren Linie des Kanals und bestätigte diesen damit höchst eindrucksvoll.
Immer mit deinem Freund, dem Trend
Der Trend ist dein Freund, so heißt eine alte Börsenweisheit – deren wirkliche Bedeutung man oft erst nach Jahren des Tradens erkennt und sich dann aber fragt, warum man diese einfache Weisheit eigentlich nicht schon vorher begriffen, beziehungsweise befolgt hat.
Aber es ist eine Tatsache: Erfolgreicher ist man, wenn man als Anleger bei derart eindeutigen Trends stumpf davon ausgeht, dass er weiter fortgesetzt wird. Meistens lassen sich die Anleger aber in solchen Situationen zu sehr von den eigenen Sorgen, Befürchtungen und Ängste beeinflussen. Wer kennt das nicht. Hier werden seltsamerweise die meisten Fehler beim Traden gemacht.
Natürlich werden auch Trades in Trendrichtung irgendwann schief gehen, schließlich kann jeder Trend jederzeit enden. Aber auf lange Sicht spricht die Wahrscheinlichkeit einfach dafür, mit dem Trend zu gehen. Lediglich im sehr kurzfristigen Tradingbereich gibt es funktionierende Ansätze, die auf Rebounds traden.
Der S&P500 und der DAX
Im Moment kämpft der Kursverlauf des S&P 500 mit der Mittellinie. Und genau das passt zu der Chartanalyse des DAX, die ich Ihnen Anfang der Woche vorgestellt habe. Der DAX steht an der oberen Begrenzung seine inneren Seitwärtsbewegung (6.180 Punkte). Überwindet er diese, wäre es ein erstes positives Signal. Für den S&P500 gilt: Sobald er nachhaltig die Mittellinie knackt, kann er auch bis zur oberen Trendgerade des Kanals laufen. Und die liegt für diesen Fall im Bereich zwischen 1.500 und 1.600 Punkten (!). Sie sehen, welche Möglichkeit dieses sehr bullishes Zeichen offenbart.
Allerdings ist stehen im S&P500 wichtige Widerstände an. Die Widerstandszone zwischen 1.345 und 1.370 Punkten wird ein harter Brocken. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der S&P500 einige Zeit brauchen, um diese Hürde zu überspringen und damit neue Hochs zu generieren.
Und das wiederum spricht dafür, dass der S&P500 auch noch eine Weile mit der Mittellinie kämpfen und unterhalb dieses Widerstandes zunächst in eine Art Seitwärtsbewegung übergehen wird. Aus charttechnischer Sicht könnte es demnach zu einem holprigen ersten Halbjahr kommen.
Fazit: Ein Ausbruch über die 1.370er Marke wäre ein weiterer, wichtiger Hinweis auf die Nachhaltigkeit des aktuellen Aufwärtstrends im S&P500.
Typisch für die Börse
Aber es ist typisch für die Börse, ein sich immer wieder widerholendes Szenario: Die wirklich großen Aufwärtstrends entstehen grundsätzlich dann, wenn sich die Welt noch im Krisenmodus befindet! Und erst wenn diese Aufwärtsbewegung sehr lange anhält und somit wirklich für jeden erkennbar ist, fängt auch die Masse an, diese zu akzeptieren. Wir könnten im S&P500 also tatsächlich am Beginn eines ganz langen Trends stehen.
Es gibt nur ein kleines Problem dabei. Während der Entstehung des Trends weiß niemand, ob eine solche kurzeitige Entwicklung sich tatsächlich zu einem großen Trend auswächst. Eventuell erweist sie sich auch nur als ein Strohfeuer, um nach kurzer Zeit saft- und kraftlos in sich zusammenzubrechen. Also was tun? Hier passt wieder das oben Gesagte: So lange der Trend intakt ist, muss man davon ausgehen, dass er fortgesetzt wird.
Viele Grüße
Jochen Steffens
(Quelle: www.stockstreet.de)

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