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Ein Loch ist im Eimer... Löcher stopfen und andere Reiz(l)e

 |  16.01.2012, 10:12  |  1218 Aufrufe  |   0  | 

Sinnlose Subventionen und Geldausgaben beherrschen das Tagesgeschehen. Trotz eines Solarsterbens steigen die Subventionen auf über 100 Mrd. Euro. Wen subventionieren wir da wohl? Auch Europa ist ein Fass ohne Boden. Siehe Griechenland. Reizle spricht endlich die Dinge tabulos an. Das ist ein großes Verdienst.

Lange haben wir Fachleute darauf gewartet, dass endlich einer aus der deutsch-alternativlosen Pro-Euro-Phalanx ausbricht und in Europafragen der Sache und dem Verstand das Wort redet. Kein Geringerer als Linde-Vorstand Reitzle hat nun die Europa-Lüge der Regierung und vieler anderer führender Politik- und Wirtschaftsmagnaten durchbrochen.

 

Mit der Ansicht, dass die Gemeinschaftswährung nicht um jeden Preis gerettet werden muss, Deutschland bei mangelnder Krisenländer-Disziplin aus dem Euro austreten sollte und er Griechenland mittelfristig bereits außerhalb des Euros sieht, hat einer aus der Konzernriege das alternativlose Euro-Kartell mit seinen undemokratisch anmutenden Denkverboten endlich durchbrochen.

 

Die deutsche Wirtschaft würde - nach gewissen Anpassungsschwierigkeiten - einen Euro-Austritt überstehen und ganz Deutschland schon nach 5 Jahren im Vergleich mit den asiatischen Mitbewerbern sogar besser dastehen. Das Szenario sei war nicht unbedingt wünschenswert, dürfe aber auch kein Tabu sein, ist der Linde-Konzernchef zu vernehmen.

 

Der Euro ist also nicht notwendig. Dass, was uns die anderen deutschen Konzerne noch vor Kurzem mit ganzseitigen Anzeigen in den überregionalen Zeitungen vor- und weismachen wollten, ist schlicht die Unwahrheit. Genauso wie die Behauptung, dass Deutschland vom Euro angeblich am Meisten profitiere. Was nicht stimmt. Da die Länder, die plötzlich aufgrund des Euros deutlich niedrigere Zinsen zahlten, wesentlich stärker profitierten. Sie es aber staatlicherseits leider versäumten zu investieren, statt mit billigen Wahlgeschenken zu konsumieren. Oder sich mit Immobilien verzockten wie z.B. Spanien. Wo die an Griechenland geflossenen Mrd. versickerten und versickern, wäre dabei auch nicht von geringem Interesse. Ohne die Euro-Hilfen stände Deutschland jedenfalls wesentlich besser da. Das ist die Wahrheit. Wobei auch wir langsam unsere Hausaufgaben machen müssen.

 

Und uns endlich von der ideologisch verbrämten, weit verbreiteten Geldverschwendung verabschieden sollten. So übersteigen z. B. die Solarsubventionen erstmals 100 Mrd. Euro. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und zwar angesichts dessen, dass derzeit trotz dieses Geldsegens, ein Solarwert nach dem anderen die Flügel streckt. Wir subventionieren damit wahrscheinlich japanische und chinesische Anbieter, die sich darüber natürlich auch freuen. Offenbarer kann der Unsinn der Subventionierung von Branchen nicht sein. Schon aus dem Windenergiesterben nach der New Economy hätte man daraus lernen können und müssen.

 

Wobei jetzt noch dazu kommt, dass wegen der massiven Bürgerproteste gegen den Ausbau der Stromnetze noch nicht einmal 100 Km der benötigten 4.500 km zusätzlichen Trassen in Deutschland (45.000 km in Europa) errichtet wurden und die subventionierten Offshore-Parks wegen des Leitungsengpasses ihre segensreiche Wirkung gar nicht bringen können. Der Atomausstieg zur Unzeit droht damit erneut zu scheitern, weil man schlicht die Logistik vergessen hat. Was Militärstrategen nicht passiert wäre. Auch das Engpassprinzip von Guttenberg hätte geholfen. Wenn man es denn kennen würde. Das ist für einen Wirtschaftsstandort wie Deutschland peinlich und vernichtend zugleich. Der energieintensiven und auf verlässlichen Strom angewiesenen Wirtschaft kann man derzeit wohl, trotz aller Entlastung (auch wieder indirekte Subventionen) nur raten, außer Landes und außer Europa zu gehen. Aber es gibt auch weitere Subventionen, die nicht nur unsinnig, sondern schlicht kontraproduktiv sind.

 

So hat jüngst Nestlé-Chef Bulcke die Biokraftstoffe und deren Förderung scharf kritisiert. Ob es angesichts des Hungers in der Welt ethisch vertretbar ist, dass man der Nahrungsmittelkette Anbauflächen für teuer herzustellenden Biokraftstoff entzieht, darüber mag sich jeder selbst ein Bild machen. Der Abbau dieser und anderer landwirtschaftlicher Subventionen, dass endlich die Entwicklungsländer auf den Weltmärkten mit ihren Agrarprodukten konkurrieren können, wäre da weit sinnvoller. Und besser als jede abhängig machende Entwicklungshilfe. Und so könnte ich weiter und weiter fortfahren und Subvention um Subvention aufzählen. Was ich mir und Ihnen erspare.

 

Und jetzt wo die Bundesregierung mit den Konzernen offenbar nicht mehr weiter kommt, ruft sie die „Ideen von Morgen“ aus und will Existenzgründer stärker fördern. Wobei die sich vielleicht einmal anschauen sollten, was Innovation konkret und vor Ort bedeutet. Innovation heißt, dass man bei allen Banken einschließlich der staatlichen Fördergesellschaften gemieden wird, als hätte man die Pest oder die Schweinegrippe. Wer da nicht einen starken Partner im Rücken hat, kann sich den gesamten bürokratischen Aufwand für die eh kaum vorhandenen Fördergelder sparen. Wer dann noch selbst haftet, ist bei den derzeitigen Förderbedingungen gegenüber Kapitalgesellschaften meist sowieso im Nachteil. Was einfach nur noch schwachsinnig ist.

 

Was könnten 100 Mrd. Euro ausrichten, wenn man sie innovativen Unternehmensgründern unbürokratisch ausreichen würde und vor allem noch dazu die vielen Hemmnisse beiseiteschieben helfen würde, was natürlich voraussetzt, dass man die Querköpfe da unten auch einmal anhört. Aber in den Politzirkeln, wo man sich bevorzugt auf hohem Niveau gegenseitig auf die Schultern klopft und hintenrum möglicherweise die Hand aufhält, ist Widerspruch und andere Meinung häufig nicht gewünscht. Man müsste zum Schluss gar noch dazulernen und etwas ändern. Und so versenkt man lieber, die Kohle sinnlos in Prestigeprojekten, zu denen mittlerweile auch ganz Europa gehört, statt kaufmännisch überlegt und solide vorzugehen. Aber fremdes Geld gibt sich einfach leichter aus.

 

Manchmal bekomme ich aber auch den Eindruck, dass diese Finanzkrise Teilen der Wirtschaft durchaus recht kommt und von Vorteil ist. Wenn Paul Achleitner feststellt, dass wir „noch jahrelang mit der Finanzkrise kämpfen werden“ und er auf die Frage, wie teuer es für den Steuerzahler wird, die falsche Standardantwort gibt, dass „wir Deutschen der große Nutznießer der EU und der Euro-Zone sind“, dann frage ich mich ernsthaft, wohin die Deutsche Bank mit Achleitner wohl hindümpelt. Der Gipfel jedoch ist, dass er für die Banken von der Politik „eine angemessene Zeit fordert, ihre Geschäftsmodelle einem veränderten Marktumfeld anzupassen.“ Wir kleineren Unternehmen bekommen die auch nicht. Zudem darf man sich schon fragen, ob denn die gesamte Bank- und Versicherungsvorstandsschaft in den letzten Jahren gepennt hat? Dann sollten Sie endlich beiseite treten und alternativen Kräften das Ruder überlassen.

 

Zu allem Unbill hat jetzt also auch noch Frankreich sein Triple A verloren. Wobei Deutschland das wahrscheinlich wieder auffangen soll. Und dafür dann in den anderen Ländern bitterböse Berichte und Kommentare einheimst. Damit muss nun endlich Schluss sein. Auch der ESM ist bereits jetzt, bevor er das Licht der Welt erblickt, so wie geplant, nicht mehr lebensfähig und gescheitert. Die Bad Notenbankpolitik der EZB verpufft ebenfalls. Selbst die halbe Billion Euro wird die Folgen dieses Rating-Unheils nicht abwenden können. Kein Wunder. Wird Draghi jetzt noch mehr Euros drucken?

 

Statt endlich Löcher zu stopfen, ist man immer noch dabei immer mehr nachzufüllen. Was auf die Dauer nicht gut gehen kann. Wie eigentlich jeder weiß. In Berlin, Frankfurt und Brüssel ist diese schlichte Weisheit aber offenbar noch nicht angekommen. Der gesunde Menschenverstand ist in den weiten Fluren wohl auf der Strecke geblieben.

 

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.

 

Ihr Norbert Lohrke

 

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