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ROUNDUP BASF gibt Gen-Markt in Europa auf - Fokus auf Amerika und Asien

Autor: dpa-AFX
 |  16.01.2012, 15:01  |  688 Aufrufe  |   0  | 

(Neu: Telefonkonferenz; Bayer-Aussagen; Details)

LUDWIGSHAFEN (dpa-AFX) - Der weltgrößte Chemiekonzern BASF gibt den Markt für Pflanzenbiotechnologie in Europa auf und verlagert dessen Zentrale in die USA. BASF-Vorstand Stefan Marcinowski begründete den mit dem Abbau von in Summe 140 Stellen in Europa verbundenen Schritt am Montag mit mangelnder Akzeptanz. In weiten Teilen Europas fehle immer noch die Akzeptanz bei der Mehrheit der Verbraucher, Landwirte und Politiker. Daher sei es aus unternehmerischer Sicht nicht sinnvoll, in Produkte, die für die Kommerzialisierung ausschließlich in diesem Markt vorgesehen seien, weiter zu investieren. Die BASF werde sich deshalb auf Nord- und Südamerika und die Wachstumsmärkte in Asien konzentrieren. BASF war vor allem wegen der Gen-Kartoffel Amflora immer wieder in die Kritik geraten.

Die Unternehmenszentrale der BASF Plant Science werde von Limburgerhof (Deutschland) nach Raleigh (North Carolina, USA) verlegt, hieß es. Gleichzeitig solle die Forschung in Nordamerika, Gent und Berlin gestärkt werden. Die Maßnahmen sollen bis Ende 2013 abgeschlossen sein. BASF sei aber weiter davon überzeugt, dass die Pflanzenbiotechnologie eine der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts ist. Allerdings werde nun die Entwicklung und Kommerzialisierung aller Produkte, die ausschließlich auf den europäischen Markt ausgerichtet seien, gestoppt. Die bereits eingeleiteten Zulassungsprozesse würden aber weitergeführt. Der Konzern bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der 'Wirtschaftswoche' vom Wochenende.

Die Bundesregierung wollte die geplante Verlegung der BASF-Tochter für grüne Gentechnik in die USA nicht kommentieren. Es handele sich um eine unternehmerische Entscheidung, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Minister Philipp Rösler (FDP) werbe generell für Offenheit für Technologien in Deutschland. Das Verbraucherministerium wollte ebenfalls keine Stellung nehmen.

Außerhalb von medizinischen Anwendungen sind Gen-Produkte in Europa oft umstritten. Die skeptische Haltung in der Bevölkerung spiegelte sich auch in der Politik. BASF erhielt die Anbaugenehmigung der Gen-Kartoffel Amflora für industrielle Anwendungen erst nach einem jahrelangen Streit 2010. 'Es findet kein Amflora-Anbau mehr in Deutschland statt', sagte Marcinowski. Es werde aber wohl noch den ein oder anderen Freilandversuch im Rahmen laufender Verfahren geben. BASF hatte schon mehrfach mit einem Abzug aus Europa gedroht. Große unternehmerische Hoffnungen hatte der Konzern auf dieses Geschäft in Europa zuletzt wohl ohnehin kaum mehr gesetzt.

Weltweit liege der wachsende Anteil der Gen-Anbaufläche mit 148 Millionen Hektar bei über zehn Prozent der Agrarfläche. Doch in Europa seien die Widerstände gewaltig. 'Ich habe keine Hoffnung auf einen schnellen Meinungswandel', sagte Marcinowski. Eine mögliche Rückkehr nach Europa wollte er zwar grundsätzlich nicht ausschließen. Doch kurz- und mittelfristig sei dies nicht zu erwarten. Am Finanzmarkt büßten BASF-Aktien in einem etwas festeren Umfeld 0,07 Prozent auf 57,58 Euro ein.

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer sieht sich in der Forschung und Entwicklung in der Pflanzenbiotechnologie mit Zentren in den USA (Morrisville in North Carolina) und Europa (Gent in Belgien) unterdessen 'gut aufgestellt', wie ein Sprecher auf Anfrage erklärte. 'Wir sind zuversichtlich, dass der Nutzen der Technologie nach und nach auch von der Öffentlichkeit in Europa anerkannt wird'. Die Wachstumszentren für Gen-Technik-Produkte lägen aber in Nord- und Südamerika. Forschung und Entwicklung finde überwiegend dort statt, wo die Produkte eingesetzt würden. Größere Investitionen tätigte Bayer deshalb zuletzt in den USA und in Asien.

Die Kosten der geplanten Verlagerung für die Ludwigshafener liegen laut BASF-Vorstand Marcinowski im unteren zweistelligen Millionenbereich. Wertberichtigungen seien nicht erforderlich und auch die bestehenden Kooperationen - etwa mit KWS Saat oder Monsanto - seien 'in keiner Weise' betroffen. Auch sollen die Forschungs- und Entwicklungsausgaben für die Gentechnik auf einem konstant hohem Niveau bleiben, sagte der Vorstand. Bereits in den vergangenen Jahren seien mehr als 90 Prozent der Ausgaben auf die Zukunftsmärkte ausgerichtet worden.

Am BASF-Standort Limburgerhof sollen von derzeit 157 nur elf Stellen erhalten bleiben, die sich etwa um Regulierungsfragen in Europa kümmern. Die Pflanzenschutz-Aktivitäten in Limburgerhof seien von den Maßnahmen nicht betroffen, hieß es. Die Standorte in Gatersleben (Deutschland) und Svalöv (Schweden) sollen laut BASF geschlossen werden. In Gatersleben arbeiten derzeit 57 und in Schweden sechs Mitarbeiter. Insgesamt sollen 123 Positionen von Limburgerhof und Gatersleben an andere Standorte der BASF Plant Science, hauptsächlich nach Raleigh, verlagert und in den kommenden zwei Jahren 78 Stellen abgebaut werden./jha/stb/wiz

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