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ROUNDUP Röttgen will Solarförderung stärker kürzen

Autor: dpa-AFX
 |  18.01.2012, 17:31  |  301 Aufrufe  |   0  | 

BERLIN (dpa-AFX) - Die Solarbranche muss weitere Hiobsbotschaften verkraften: Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat weitere Kürzungen der Förderung angekündigt, um den Zubau neuer Anlagen in Deutschland etwas zu drosseln. 'Wir brauchen eine Anpassung, darüber rede ich morgen mit der Branche', sagte der Minister am Mittwoch bei der 'Handelsblatt'-Energietagung', dem größten Treffen der Energiebranche, in Berlin. 'Wir brauchen eine deutliche Reduzierung des Zubaus', sagte Röttgen. Vertreter der Branche warnten vor den Folgen der neuen drastischen Korrekturen.

2011 gingen Solaranlagen mit 7.500 Megawatt neu ans Netz - so viel wie nie zuvor - daher steht jetzt schon fest, dass die Förderung im Juli um bis zu 15 weitere Prozent gekürzt wird. Nun könnte es aber noch mehr werden. Für eine Kilowattstunde Solarstrom vom Hausdach werden derzeit 24,43 Cent je Kilowattstunde gezahlt - an der Strombörse kostet die Kilowattstunde meist 5 bis 6 Cent. Die Differenz zwischen Marktpreis und Vergütungssatz müssen die Verbraucher zahlen.

Durch den Solarboom können aber auch die Belastungen für die Verbraucher steigen, da sie die Förderkosten per Umlage über den Strompreis zahlen. Ein Durchschnittshaushalt zahlt derzeit etwa 125 Euro Ökostromumlage pro Jahr. Die Solarförderung frisst derzeit pro Jahr rund acht Milliarden Euro und damit mehr als die Hälfte der gesamten Förderung erneuerbarer Energien. Sie steuert aber nur ein Fünftel des Ökostrom-Mixes bei.

Röttgen betonte zugleich, er wolle ein Überleben der Technologieführerschaft in Deutschland. Immer neue Vorschläge trügen nicht dazu bei, Verlässlichkeit und Planungssicherheit zu schaffen, sagte er mit Blick auf Forderungen nach einer festen Deckelung des Zubaus. Röttgen verfolgt bisher das Modell eines 'atmenden Deckels', der automatische Kürzungen vorsieht, wenn eine bestimmte Anzahl neuer Solaranlagen ans Netz gegangen ist.

Aus der Branche kommen quasi täglich Hiobsbotschaften: Der Anlagenbauer Centrotherm photovoltaics (Blaubeuren) hat mehreren unbefristet angestellten Mitarbeitern gekündigt und setzt weiter auf Kurzarbeit. Ein Sprecher bestätigte einen entsprechenden Bericht der Ulmer 'Südwest Presse', ohne genauere Angaben zu machen. Auch der Photovoltaik-Produzent First Solar prüft für seine Werke in Frankfurt (Oder) Kurzarbeit. Bis zu 1200 Mitarbeiter könnten hiervon betroffen sein, sagten Unternehmenssprecher und bestätigten damit Medienberichte vom Mittwoch. Das Ob und Wann sowie wie viele Beschäftigte tatsächlich betroffen sein könnten, sei noch nicht absehbar, hieß es. First Solar plane jedoch, seine globale Produktionskapazität auf 80 Prozent herunterzufahren.

Auch das Solarunternehmen SMA Solar , Weltmarktführer bei Wechselrichtern, erwartet ein weiteres schwieriges Jahr für die Branche. Es gebe viele Unsicherheiten, sagte SMA-Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Er zeigte sich dennoch optimistisch. Denn die USA, Indien und Japan seien sehr attraktive Märkte.

Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) und Vertreter der Solarbranche forderten verlässliche Bedingungen für die Branche, die in den vergangenen Jahren tausende Arbeitsplätze geschaffen habe und derzeit unter dem Preisverfall auf dem Weltmarkt leide./nmu/ir/rus/wag/lin rad/he

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