ROUNDUP Röttgen will Solarförderung stärker kürzen
BERLIN (dpa-AFX) - Die Solarbranche muss weitere Hiobsbotschaften verkraften: Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat weitere Kürzungen der Förderung angekündigt, um den Zubau neuer Anlagen in Deutschland etwas zu drosseln. 'Wir brauchen eine Anpassung, darüber rede ich morgen mit der Branche', sagte der Minister am Mittwoch bei der 'Handelsblatt'-Energietagung', dem größten Treffen der Energiebranche, in Berlin. 'Wir brauchen eine deutliche Reduzierung des Zubaus', sagte Röttgen. Vertreter der Branche warnten vor den Folgen der neuen drastischen Korrekturen.
2011 gingen Solaranlagen mit 7.500 Megawatt neu ans Netz - so viel wie nie zuvor - daher steht jetzt schon fest, dass die Förderung im Juli um bis zu 15 weitere Prozent gekürzt wird. Nun könnte es aber noch mehr werden. Für eine Kilowattstunde Solarstrom vom Hausdach werden derzeit 24,43 Cent je Kilowattstunde gezahlt - an der Strombörse kostet die Kilowattstunde meist 5 bis 6 Cent. Die Differenz zwischen Marktpreis und Vergütungssatz müssen die Verbraucher zahlen.
Durch den Solarboom können aber auch die Belastungen für die Verbraucher steigen, da sie die Förderkosten per Umlage über den Strompreis zahlen. Ein Durchschnittshaushalt zahlt derzeit etwa 125 Euro Ökostromumlage pro Jahr. Die Solarförderung frisst derzeit pro Jahr rund acht Milliarden Euro und damit mehr als die Hälfte der gesamten Förderung erneuerbarer Energien. Sie steuert aber nur ein Fünftel des Ökostrom-Mixes bei.
Röttgen betonte zugleich, er wolle ein Überleben der Technologieführerschaft in Deutschland. Immer neue Vorschläge trügen nicht dazu bei, Verlässlichkeit und Planungssicherheit zu schaffen, sagte er mit Blick auf Forderungen nach einer festen Deckelung des Zubaus. Röttgen verfolgt bisher das Modell eines 'atmenden Deckels', der automatische Kürzungen vorsieht, wenn eine bestimmte Anzahl neuer Solaranlagen ans Netz gegangen ist.
Aus der Branche kommen quasi täglich Hiobsbotschaften: Der Anlagenbauer Centrotherm
Auch das Solarunternehmen SMA Solar
Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) und Vertreter der Solarbranche forderten verlässliche Bedingungen für die Branche, die in den vergangenen Jahren tausende Arbeitsplätze geschaffen habe und derzeit unter dem Preisverfall auf dem Weltmarkt leide./nmu/ir/rus/wag/lin rad/he

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