Edelmetalle Silber vor der Renaissance?
Solange die Euro-Schuldenkrise weiter schwelt, dürfte Gold die „Krisenwährung“ Nummer eins bleiben. Doch auch der „kleine Bruder“ Silber könnte noch Aufholpotenzial haben.
Die schwache Performance des Goldpreises im vierten Quartal 2011 darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Anleger mit dem Edelmetall über das gesamte vergangene Jahr hinweg erneut eine gute Rendite einfahren konnten: In US-Dollar gerechnet stieg der Preis pro Feinunze um 10,1 Prozent, in Euro sogar um 13,7 Prozent. Damit stellte Gold die meisten anderen Anlageklassen in den Schatten. Im September hatte der Preis für eine Feinunze sogar kurzzeitig die Marke von 1.900 US-Dollar übersprungen und damit seit Jahresbeginn 2010 in der Spitze um satte 35 Prozent zugelegt.
Auch der Start in das neue Börsenjahr ist geglückt: Aktuell liegt der Goldpreis rund 5 Prozent über dem Stand von Silvester 2011. Kein Wunder: Die grundlegenden Probleme, die zu dem Höhenflug in den vergangenen Jahren geführt haben, sind weiterhin ungelöst: Allen voran treibt die Euro-Schuldenkrise die Anleger weiterhin in das als krisensicher geltende Edelmetall. Ein Indiz: Während dem Goldpreis in US-Dollar mehr als 14 Prozent zum Allzeithoch fehlen, beträgt der Abstand in der krisenbelasteten europäischen Währung gerechnet aktuell lediglich gut 5 Prozent.
Silber präsentierte sich in den zurückliegenden zwölf Monaten im Vergleich zu Gold deutlich volatiler, obwohl das Edelmetall zu zirka 70 Prozent in der Industrie eingesetzt wird und der Preis aufgrund der dadurch relativ konstanten Nachfrage eigentlich wesentlich stabiler laufen müsste. Anders als durch Käufe von Spekulanten ist der exorbitante Preisanstieg im vergangenen Jahr, als es in der Spitze um über 60 Prozent auf knapp 50 US-Dollar je Feinunze nach oben ging, also kaum zu erklären. Die anschließende Korrektur, ausgelöst durch mehrmalige Anhebungen der Sicherheitsleistungen (Margins) für das Halten von Silber-Futures-Kontrakten seitens der Terminbörsen, ließ den Preis einbrechen. Zwischenzeitlich ging es bis auf fast 26 US-Dollar nach unten.
Sollte der Konjunkturschock für die Weltwirtschaft 2012 ausbleiben, könnte das deutlich konjunktursensiblere Silber wieder etwas in den Fokus der Investorenrücken. Welches Potenzial der „kleine Bruder“ hat, zeigt ein Blick auf das Verhältnis zu Gold: Aktuell sind zum Kauf einer Unze Gold 55 Unzen Silber nötig, anders ausgedrückt spricht man von einem Gold/Silber-Ratio von 55. Zum Silber-Hoch im vergangenen Jahr betrug dieses Verhältnis lediglich rund 30. Historisch betrachtet waren meist sogar nur 10 bis 20 Unzen Silber für eine Unze Gold hinzulegen. Dies bietet Raum zur Spekulation und Fragen wie: korrigiert sich das Verhältnis der beiden Edelmetalle wieder und kehrt zu seiner Mitte zurück? Wenn ja, steigt Silber, fällt Gold oder bleibt alles unverändert? Die Notierungen beider Rohstoffe werden wahrscheinlich auch 2012 volatil sein. Und dies erfordert ein gutes Positionsmanagement für jeden, der schon Positionen hat oder noch welche eingeht.

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