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Riens ne va plus Sackgasse

 |  23.01.2012, 11:10  |  1282 Aufrufe  |   0  | 

Wir lassen derzeit keine Sackgasse aus. Ob das Zufall oder Absicht ist. Wer weiß es. In Zeiten des Navis und der ausgerufenen Bildungsrepublik Deutschland ist das verwunderlich. Ideen für Deutschland sind genug da. Das Problem ist eine Regierung, die sie nicht erkennt und schon gar nicht umsetzt.

Heute lese ich im Wall Street Journal die Headline, dass die Gespräche mit Griechenland in der Sackgasse stecken („Talks on Greek Debt Hit an Impasse“). Man ging wohl am Wochenende ohne Lösung auseinander. Dass es angesichts von Nachlässen von 100 Mrd. Euro bei einer Staatsverschuldung Griechenlands von 350 Mrd. Euro und einer quasi nicht vorhandenen Produktionsinfrastruktur nicht leicht werden wird, war und ist eigentlich seit nunmehr zwei Jahren klar.

 

Schließlich steht nicht nur Griechenland mit dem Rücken an der Wand, sondern auch die Banken, die ihnen gegenüber am Tisch sitzen. Wobei man das Gefühl nicht los wird, dass die Lasten wieder einmal diejenigen tragen sollen und werden, die nicht mit am Tisch sitzen. Nach dem Motto die Troika wird‘s schon richten und wir Bürger am Ende den Geldbeutel weit aufmachen.

 

Mittlerweile rechnet wohl der Großteil der Presse jedenfalls mit einer Pleite Griechenlands. Was echt ein Segen wäre, wenn es denn nun bald so weit wäre. Das muss man mal so deutlich aussprechen. Ein Ende mit Schrecken ist bekanntlich einem Schrecken ohne Ende vorzuzuziehen. Wenn ich dann noch lese, dass wir Deutschen für die Griechen die Kohlen aus dem Feuer holen sollen, weil wir angeblich die Eurozone und den Euro mehr brauchen als die anderen Europäer, wir also damit zwischenstaatlich quasi erpresst werden sollen, dann wächst in mir der Wunsch, es diesen Ländern zu zeigen, dass Deutschland sehr wohl ohne Euro kann. Würden wir morgen aus dem Euro aussteigen und die Deutsche Mark wieder einführen, würde uns das internationale Kapital nur so zufliegen. Da bin ich mir ziemlich sicher. Dennoch gibt es genug Gründe die Stellung und den Euro zu halten. Allerdings nicht um jeden Preis!

 

Aber nicht nur in dieser verlogenen und durchtriebenen Angelegenheit sind wir in einer Sackgasse gelandet. Wenn ich mir anschaue, wie Herr Wulff das einst so hoch geachtete Amt des Bundespräsidenten mit jedem Tag ein Stück mehr herunterwirtschaftet und ihm den Glanz nimmt, so bin ich auch hier der Verzweiflung bedrohlich nahe. Wobei mich Teile des Journalismus mindestens genauso anwidern wie derjenige, der Gegenstand der teils peinlich kleinkartierten Artikel ist. Wir müssen schon das Wichtige vom Unwichtigen trennen. Ein Bobbycar wird man wohl noch annehmen dürfen. Was anderes ist es, wenn man das Parlament belügt bzw. da die Wahrheit so gut als möglich verheimlicht. Und auch die Nähe von Politik und Wirtschaft bzw. Politiker und Wirtschaftsvertretern wäre das Problem nicht. Ich befürworte das sogar ganz besonders. Da die Politiker nur allzu oft schlicht keine Ahnung von Wirtschaft haben. Aber miteinander ins Gespräch zu kommen, kann man auch anders. Diese Art von Nähe will keiner. Und wenn ich jetzt noch den unglaublichen Satz aus dem Munde Wulffs höre, dass es „bisher keine Vorwürfe gegen mich gibt“, dann scheint einer von uns beiden in einer anderen Welt zu leben. Und so wäre es endlich an der CDU, den längst fälligen Schlussstrich zu ziehen. Sie muss sich jetzt eindeutig positionieren. Sonst gilt mitgefangen, mitgehangen. Schließlich war es die Kanzlerin, die diesen Kandidaten auf das Schild hob. Ist er das noch?

 

In der Sackgasse sind wir aber auch mit den Banken und der Finanztransaktionssteuer, die man inzwischen sogar als Robin Hood Steuer bezeichnet. Wenn wir mal den Balladen glauben wollen, dass der Gesetzlose den Reichen nahm, um den ausgebeuteten Armen zu geben, so geht die Bezeichnung dann doch ins Leere. Bei der Finanztransaktion wird die Transaktion, d. h. der Umsatz besteuert. Und wie das nun einmal Umsatzsteuern so haben, trifft die nicht die Banken bzw. Unternehmen, sondern die am Ende der Kette, die Bankkunden. Wenn selbst eine linke britische Denkfabrik zu dem Schluss kommt, dass die Banken den „kleineren Teil der Finanztransaktionssteuer“ zahlen werden, sollte das aufhorchen lassen. Insofern ist der von Merkel und Sarkozy aus der Taufe gehobene neuzeitliche Robin Hood ein doch etwas eigenartiger Geselle. Er nimmt von den Armen (Steuerzahlern) und gibt es den Reichen (Banken). Ob man sich an einen solchen Robin Hood wohl noch in 700 Jahren jemand erinnern wird?

 

Und so sind wir auch mit unserem Sprachgebrauch in einer Sackgasse gelandet. Die Akademie der deutschen Sprache ist da derzeit nicht zu beneiden. Wobei das möglicherweise das Verheerendste und Gefährlichste zugleich ist. So missbrauchen wir die Bedeutung der Worte zunehmend und definieren diese nach Neusprech-Manier um.

 

Freiwillig ist nicht mehr freiwillig. Wer verzichtet schon freiwillig auf die Rückzahlung von Schulden?

 

Sparen ist nicht mehr Sparen. Und die Bremse bremst nicht mehr. Statt Verzicht zu üben, wird weiter kräftig ausgegeben, d. h. die Ausgaben steigen im Haushalt und die Neuverschuldung ist historisch gesehen weiter relativ hoch. Das man Schuldenbremsen in die Gesetze bzw. Verfassungen schreibt, damit ist es noch lange nicht getan. Papier, insbesondere europäisches Papier, ist bekanntlich geduldig. Und vergilbt sehr schnell, wie wir bitter lernen mussten.

 

Die Wahrheit ist über das Verschweigen wichtiger Teile beinahe vor der Gefahr zur Scheinlüge zu degenerieren. Sodass wir sogar um ein weiteres Wort „Wulffen“ be“reichert“ wurden. Was kulturgeschichtlich nicht gerade ein Highlight ist.

 

Atomausstieg ist auch kein Atomausstieg. Da wir bis auf Weiteres und da meine ich nicht nur ein, zwei Jahre, sondern möglicherweise 10, 20 Jahre und mehr, weiter Atomstrom beziehen werden. Wahrscheinlich dann weiter aus dem Ausland. Weil wir vor lauter Umweltideologie nun auch Probleme mit den Trassen bekommen. Und nun auch nun selbst die Mitglieder, die in der von der Bundesregierung berufenen Gruppe zur Energiewende vor einem Scheitern der Energiewende warnen.

 

Am Ende frage ich mich, wie es dazu kam, dass wir uns trotz des Vorhandenseins der vielen Navis, die uns mittlerweile doch eigentlich recht gut führen, so oft verfahren konnten. Es scheint fast so, als ob wir ganz oben in das Eingabefeld wiederholt bewusst

 

Sackgasse

 

eingegeben hätten.

 

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.

 

Ihr Norbert Lohrke

 

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