Asien zuckt Wall Street geht einen Schritt vor und zwei zurück; Auftragsanstieg dauerhafter US-Investitionsgüter mögliche Schuldenschnittlösung belebt Frankfurt; Konsumklima leicht ansteigend; NEC und Nintendo und starker Yen ziehen Nikkei ins Minus; Samsung Chip-get
Es tut sich was. Ich meine da nicht die mich langweilenden Verhandlungen zwischen dem sich viel zu wichtig nehmenden Griechenland, dass diese Aufmerksamkeit im Grund nicht verdient hat, den Banken und der EU. Sondern die Kapazitätsausweitungen in Asien. Ja, Sie haben richtig gelesen. Antizyklische Kapazitätsausweitungen werden derzeit vorgenommen. Was seine Gründe haben wird.
Globalyze Marktbericht
Eine Anzahl enttäuschender Daten überschattete gestern an der Wall Street die ansehnlichen Gewinne von Blue Chip Werten und das Versprechen der FED den Ball bzw. die Zinsen flach zu halten. Dow, Nasdaq und S&P 500 gaben um -0,18% (12.734), -0,46% (2.805) und -0,57% (1.318) nach. Dabei fing zunächst alles so gut an. Caterpillar und 3M veröffentlichten gute Quartalszahlen. Dann gab das US Commerce Departement den Auftragsanstieg der dauerhaften Investitionsgüter um 3%, was über den erwarteten 2% lag, bekannt. Auch der Anstieg der Neuarbeitslosen um 21.000 auf 377.000 war im Rahmen der Erwartungen. Dann aber kam es dicke. Erst lag der der führende Wirtschaftsindikator des Conference Board mit +0,4% deutlich unter den erwarteten 0,7%. Und schließlich gaben die Verkäufe der neu gebauten Eigenheime um -2,2% nach. Und schon war es Schluss mit lustig. Einen Schritt vor und zwei zurück, war nicht das, worauf sich die Händler eingerichtet hatten. Und so ging es gegen Ende der Sitzung nach unten. Dabei hat Caterpillar seinen Gewinn um +60% gesteigert. Was der Aktie einen +2,1%igen Aufwind gab. 3M verkündete anschließend ein starkes Wachstum im Industrie- und Transportsegment, was ebenfalls mit großer Begeisterung aufgenommen wurde. +1,3% war der Dank des Kapitals. Netflix wurde mit +22% für die ansteigenden Abos gefeiert, obwohl der Gewinn des Unternehmens nachgab. J.C. Penney schoß ebenfalls um +19% nach oben. Grund war, dass das Unternehmen für die 1 Billion Dollar teure Umstrukturierung ohne Kredite möglich ist. Die verlustschreibende AT&T konnte sich mit +2,5% ins Plus retten, weil der Umsatz höher als erwartet lag. Der Onlinebroker E*‘Trade Financial verlor aufgrund seines wenig attraktiven Umsatzrückgangs in Kombination mit einem Verlust -15%. San Disk gab mit einem -42% Gewinnrückgang ebenfalls um -11% nach. Und die Personalberatung Monster Worldwide notierte wegen enttäuschender Quartalszahlen um -20% niedriger. Logitech musste wegen einer Gewinnwarnung ebenfalls -12% abgeben.
Die Tatsache, dass sich hinsichtlich des Schuldenschnitts zwischen Griechenland und seinen Gläubigern eine Lösung abzeichnet, beförderte die gute Stimmung an der Frankfurter Börse. Wobei der von den Banken jetzt angebotene Zins von 3,75% für die neuen Anleihen immer noch deutlich über den gesetzten 3,5% der europäischen Finanzminister liegt. Wobei ich befürchte, dass dieses künstliche Geschacher und Schauspiel wahrscheinlich nur deshalb für die Öffentlichkeit abgezogen wird, damit man nachher die zuhauf hineingegebenen Steuermittel rechtfertigen kann. Schließlich hat man auch hierzulande klammheimlich den Soffin wieder instand gesetzt. Wobei das – laut Auskunft unseres Finanzministers – angeblich nur eine reine Vorsichtsmaßnahme sein soll. Wer’s denn glaubt. Jedenfalls zeigte das GFK-Konsumklima einen leichten Anstieg. Die Konjunkturerwartung und die Anschaffungsneigung der Verbraucher konnten spürbar zulegen. Auch die Auktion italienischer Staatsanleihen war mit 5 Mrd. Euro erfolgreicher als erwartet. Wobei der Zins für 2-jährige mit 3,76% deutlich unter den 4,85% beim letzten Mal lag, aber noch immer nicht gerade Schnäppchenniveau erreicht hat. Und 3,2% für 18 Monate ist auch eine Menge Holz. Jedenfalls stiegen Dax, Tec Dax und C Dax um +1,83% (6.539), +0,87% (745,78) und +1,76% (576,56) an. Im Dax setzen sich RWE und HeidelbergCement mit +4,07% und +4,03% an die Spitze. Commerzbank loosten mit -1,47% deutlich ab. Auch Siemens gab erneut um -0,79% nach. Im Tec Dax setzte sich mit +4,84% überraschend Solarworld an die Spitze. Da wurde seitens der Banken wohl kräftig nachgeholfen. Jedenfalls gaben Süss Microtec und Aixtron mit -2,99% und -2,96% kräftig nach.
Der Handelsverlauf inTokyo war heute Morgen mehr als ungewöhnlich. Nach einer kurzen Seitwärtsbewegung schoss der Nikkei beinahe senkrecht nach oben, um unmittelbar nach der Handelspause wieder senkrecht unter das Vortagesniveau zu fallen. Dann derappelte sich der Index in einem steten Aufwärtstrend wieder. Schaffte es dann aber doch nicht mehr ins Plus und verharrte bei -0,09% und 8.841 Punkten. Grund für dieses ungewöhnliche Spektakel waren die Quartalszahlen von Nec und Nintendo, die beide enttäuschten und dann zu Gewinnmitnahmen führten. Bei den Branchen gehörten Minen, Großhandel sowie Öl und Kohle zu den Gewinnern. Größte Verlierer waren Verschiedenes mit Nintendo, Seetransport und Wertpapiere. Der scharfe Anstieg des Yen gegenüber dem Dollar brachte die japanischen Exportwerte unter Druck. Toyota Motor verlor z.B. 27 Yen. Auch Nippon Steel gab nach einer gesenkten Gewinnprognose nach. Panasonic fiel nach einer Herabstufung eines Analysten um -2,3%. Mitsubishi (+2,7%) und anderer Handelshäuser wie Mitsui & Co. und Sumitomo Corp. legten aufgrund des gestiegenen Rohölpreises teils deutlich zu. Canon kam trotz der Ankündigung eines Gewinnanstiegs von voraussichtlich +42% aufgrund von Gewinnmitnahmen mit -2,5% mächtig unter die Räder. Der Online-Shopping Mall Betreiber Rakuten kam wegen eines sich abzeichnenden langfristigen Abwärtstrends ebenfalls unter die Räder.
Globalyze Pressetour
Chips takten Samsung +17% höher. Ein besser als erwartetes Chipgeschäft, das die dort erzielten Gewinne auf den höchsten Stand seit Q3 2010 pushte, pushte den Umsatz um +13% auf 47,3 Billionen Won und den Gewinn auf 4 Billionen Won.
Standpunkt: Wobei 4 Billionen Won in etwa 3,55 Mrd. Dollar entsprechen. Aber ganz so rosig, wie es scheint, ist die Welt bei Samsung dann doch nicht. Obwohl z.B. die Smarthpone Verkäufe um +30% anstiegen, war die Gewinnmarge aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks deutlich niedriger als im 3. Quartal. So kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass Samsung sich derzeit über den Preis Marktanteile erkauft. Was ich persönlich für nicht so gut halte. Lieber ein Umsatzminus mit Margenplus, als ein Umsatzplus mit Margenminus. Das jedenfalls ist meine Devise bei der Auswahl von Aktien. Schließlich folgen Kurse den Gewinnen. Dazu kommt bei Samsung noch ein negatives Betriebsergebnis im Displaykomponentengeschäft. Insofern haut mich also der Quartalsbericht nicht gerade vom Stuhl.
Caterpillar minengesteuert. Weil das über die Akquisition von Bucyrus ausgeweitete Minengeschäft sehr gut läuft, hat der US-Schwermaschinenhersteller den Umsatz um +35% und den Gewinn um +60% gesteigert.
Standpunkt: Der Umsatz stieg um +35% auf 17,24 Mrd. Dollar, während sich der Gewinn von 968 Mio. Dollar auf 1,55 Mrd. Dollar katapultierte. Wie man nun feststellen kann, war der 8 Mrd. Dollar Bucyrus Deal im letzten Jahr offensichtlich nicht verkehrt. Wenn man sich so die Aussagen des CEO so vergegenwärtigt, dann ist auch interessant, dass er die Auswirkungen der Europakrise auf die Weltwirtschaft nicht so kritisch sieht. Wobei der für Südeuropa reichlich pessimistisch ist. Angesichts des bevorstehenden weltweiten Infrastrukturnachholbedarfs ist Caterpillar jedenfalls nicht schlecht aufgestellt.
Advantest testet Verlustzone. Der japanische Hersteller von Testsystemen für Memory Chips muss trotz um +21% auf 30,7 Mrd. Yen gestiegener Umsätze statt eines Vorjahresgewinns von 678 Mio. einen Verlust von -3,19 Mrd. hinnehmen.
Standpunkt: Dabei sieht das Geschäft, wie auch der Umsatz es widerspiegelt, eigentlich gar nicht so schlecht aus. Das Problem ist deshalb nicht so sehr im Kerngeschäft an sich zu suchen, als in der im Juli letzten Jahres erfolgten 1,1 Mrd. Dollar schweren Akquisition von Verigy. Da hauen wohl die Kosten im Zusammenhang mit der Fusion mächtig ins Kontor. Und zwar so, dass auch für das Gesamtjahr mit einem Verlust gerechnet wird. Dass man auch für das kommende Geschäftsjahr keine Prognose abgeben will, spricht Bände. Also erst einmal Finger weg.
Publicis erwirbt Pixelpark. Die französische Publicis Group SA hat gestern angekündigt, allen Aktionären der Pixelpark AG ein öffentliches Kaufangebot für 1,70 Euro je Aktie machen zu wollen.
Standpunkt: Die Publicis Groupe bietet ist im Bereich der traditionellen Werbung, Öffentlichkeitsarbeit und Eventmarketing unterwegs. Die wesentlichen Marken sind Leo Burnett, MSLGROUP, PHCG (Publicis Healthcare Communications Group), Publicis Worldwide, Rosetta und Saatchi & Saatchi, VivaKi, Digitas, Razorfish, Starcom MediaVest Group und ZenithOptimedia. Wie man der Meldung entnehmen kann, hat sich das Unternehmen bereits 56,51% der Aktien und damit die Mehrheit gesichert. Wobei das Angebot wahrscheinlich unter der Bedingung steht, dass 75% der Anteile an Pixelpark erworben werden können. So kommt wenigstens Pixelpark auch mal wieder in den Genuss eines ansteigenden Kurses.
Asien bereitet sich auf Boom vor. Während man hier in Europa und beim IWF mit den Zähnen klappert, weiten asiatische Unternehmen angesichts eines offensichtlich erwarteten Booms die Kapazitäten zum Teil drastisch aus.
Standpunkt: Diese Meldung ist für mich nicht überraschend. Auch, wenn manche asiatische Kommentatoren sich fragen, ob das z.B. im Stahlbereich angesichts der derzeit vorhandenen Überkapazitäten wirklich klug ist. Denn noch ist die Nachfrage eher dürftig. Und so drücken die zusätzlichen Kapazitäten natürlich mächtig auf den Preis. Das scheint aber Südkoreas Nummer 2 Hyundai Steel wenig zu beeindrucken. Die stellen nämlich derzeit zwei weitere Hochöfen mit einer kombinierten Kapazität von 8 Mio. Metric Tonnen hin. Auch die taiwanesische China Steel Corp. will seine Kapazität um 2,5 Mio. Metric Tonnen erweitern. Wobei das, wenn man sich z.B. den Schiffbau und die steigende Nachfrage im Bereich LNG (=Flüssigkeitsgas) ansieht, so verkehrt nicht ist. Aber auch im petrochemischen Bereich wird die Produktion nach oben gefahren. Die Produktion von Ethylen wuchs z.B. in 2010 um 6,5 Mio. Tonnen. Weitere 6,5 Mio. Tonnen sollen durch Kapazitätserweiterungen 2012/2013 in China, Südkorea und Taiwan hinzukommen. Wobei japanische Firmen allein in 2011 6,69 Mio. Tonnen hergestellt haben. Und so könnte ich weiter aufzählen. 2012 wird ein interessanteres Jahr werden, als mancher denkt. Sie werden sich noch an diese meine Worte erinnern.
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