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Fonds-Check KGAL SkyClass 57

 |  02.02.2012, 10:19  |  1551 Aufrufe  |   0  | 

 

Riesenflugzeug oder Regionalflieger? Das ist bei Anbietern von Flugzeugfonds zur Glaubensfrage geworden. KGAL aus Grünwald bei München hat sich gegen den Airbus A380 und für die kleineren Maschinen entschieden. Aktuell platziert das Emissionshaus den Fonds „SkyClass 57“. Anleger beteiligen sich an einem Flieger vom Typ Embraer 195.
 
Objekt: Der Fondsflieger stammt aus dem Jahr 2009 und ist für den Leasingnehmer Air Europa im Einsatz. KGAL hat inklusive Nebenkosten 20,8 Millionen Euro gezahlt. Das entspricht neun Jahreseinnahmen und ist ein marktgerechter Preis. Hersteller Embraer wurde 1969 von der brasilianischen Regierung gegründet und 1994 privatisiert. Seit dem Bau des ersten Fliegers vom Typ 195 wurden 700 Maschinen an 50 Airlines in 35 Ländern ausgeliefert. Nachfrage alternativer Fluggesellschaf- ten im Anschluss an den Leasingver- trag ist demnach vorhanden.
 
Markt: Die Passagierzahlen korrelieren mit der Weltwirtschaft. Wie die sich 2012 und in den Jahren danach entwickelt, kann nur geschätzt werden. KGAL nennt in seinem Verkaufsprospekt ein weltweites Plus von 4,5 Prozent für dieses Jahr. Das Welthandelsvolumen soll sogar um 8,2 Prozent steigen, wobei China und Indien die Motoren bleiben. Das IWF nennt als Risiken hohe Schwankungen an den Rohstoff- märkten und geopolitische Instabilitäten in Nordafrika und dem Nahen Osten. Immerhin haben sich die Passagierzahlen zwischen 2000 und 2010 trotz Rückgängen nach Krisen wie den Anschlägen vom 11. September 2001, der Krankheit SARS und der Finanzkrise im Schnitt um jährlich vier Prozent nach oben entwickelt. Boeing rechnet bis 2023 mit einem jährlichen Wachstum von mehr als fünf Prozent. Allerdings kann eine optimistische Prognose hier nicht überraschen, denn der Flugzeugbauer will neue Maschinen verkaufen.
 
Leasingnehmer: Für die Einnahmen im Fonds sorgt die spanische Airline Air Europa. Sie wurde 1986 gegründet, gehört heute der Reisbürokette Globalia, hat 3.000 Mitarbeiter, 43 Flieger und transportierte im Jahr 2010 neun Millionen Passagiere. Das Unternehmen zahlt zehn Jahre lang monatlich 192.787 Euro, wobei ein Teil der Rate in Dollar überwiesen wird, um die Zinsen des Dollar- Darlehens zu bedienen und den Kredit zu tilgen. Der Vertrag hat eine Laufzeit bis Sommer 2021. Zu diesem Zeitpunkt prognostiziert KGAL ebenfalls das Ende der Fondslaufzeit.
 
Asset-Manager: Ein großer Vorteil der KGAL- Flugzeugfonds. Der Initiator hat gemeinsam mit der Lufthansa ein Joint Venture geschlossen. Die GOAL KG ist als Asset-Verwalter tätig und managt ein Portfolio aus 55 Maschinen im Gesamtwert von einer Milliarde Dollar. Sie hat bislang 38 Flieger neu ver- marktet. Darunter fasst Goal Anschlussvermietungen oder Verkäufe.
 
Kalkulation: Die Gesamtinvestition summiert sich auf knapp 22,6 Millionen Euro. Anleger beteiligen sich ab Tickets von 10.000 Euro plus fünf Prozent Agio mit insgesamt 8,9 Millionen Euro daran – eine Eigenkapitalquote von 40 Prozent. Den Rest hat der Fonds als Darlehen aufgenommen, allerdings in US- Währung. Bei einem Umrechnungskurs von 1,421 ist der Kredit 19,3 Millionen Dollar schwer. Die Zinsen sind bis Mitte 2021 zu 4,1 Prozent inklusive Marge fix. Die Leasingrate teilt sich auf in einen Dollar- Anteil für Zinsen und Tilgung und eine Euro-Tranche für Kosten und Ausschüttungen. Wird der Dollar im Vergleich zum Euro deutlich stärker, kann die Bank zusätzliche Sicherheitsleistungen verlangen, die zu Lasten der Ausschüttungen gehen würden.
 
Exit: Anleger bekommen Ausschüttungen von jährlich 9,25 Prozent. Aus dem 2021 geplanten Verkauf sollen sie weitere 100 Prozent erhalten, so dass sie gemäß der Prognose auf ein Plus von 85 Prozent vor und 52 Prozent nach Steuern kommen. Allen Gutachten zum Trotz ist der Verkaufserlös jedoch nur eine Schätzung. KGAL geht in seinem Verkaufsprospekt auf den Vorgängerfonds Nr. 136 ein. Anleger eines Fliegers vom Typ Bombardier CRJ 200 haben letztlich nur ein Viertel der kalkulierten Schlusszahlung erhalten. Grund hierfür ist eine un- glückliche Entwicklung des Dollarkurses. Außerdem waren Flugzeuge mit weniger als 50 Sitzen anders als erwartet kaum noch von Airlines gefragt.
 
Anbieter: KGAL zählt zu den großen und etablierten Anbietern geschlossener Fonds am Markt. Das Emissions- haus hat mehr als 160 Beteiligungen aufgelegt, darunter rund 60 Publikums- fonds. Das Eigenkapital summiert sich auf 6,5 Milliarden Euro. Eigentümer sind die Commerzbank (45 Prozent), die Bayern-LB (30 Prozent), die Haspa Finanzholding (15 Prozent) und Sal. Oppenheim (zehn Prozent).
 
Weiche Kosten: Sie machen 19 Prozent inklusive Agio bezogen auf das Eigenkapital aus. Das ist völlig in Ordnung.
 
Steuern: Anleger erzielen Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Der Flieger wird über die steuerliche Restnutzungsdau- er über elf Jahre linear abgeschrieben.
 
Fazit: Der dicke Pluspunkt in KGAL-Flugzeugfonds ist das Lufthansa-Joint-Venture GOAL. Der Asset-Manager hat mehrfach beweisen, dass er gute Kontakte in die Branche hat und Flieger sowohl verkaufen als auch vermieten kann. Aber auch die besten Kontakte nutzen nicht viel, sollte die Maschine nicht mehr marktgerecht sein, wie das Flugzeug im Fonds Nr. 136 zeigt. Das Objekt im SkyClass 57 gehört in eine andere Kategorie und sollte langfristig für eine Reihe von Airlines interessant sein. Unternehmerische Flugzeugbeteiligung für das Portfolio von vermögenden Anlegern, die mit Risiken umgehen können.
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Autor

Markus Gotzi ist Chefredakteur des Fachmediums "Der Fondsbrief", dem bundesweit auflagenstärksten Newsletter mit Schwerpunkt geschlossene Beteiligungsmodelle, der alle 14 Tage über Neuigkeiten aus der Branche berichtet sowie Rechts- und Steuerfragen analysiert.

Außerdem verfasst der Diplom-Journalist regelmäßig Artikel zu allen Themen rund um die Immobilie und geschlossene Fonds zum Beispiel in der Financial Times Deutschland, der Welt am Sonntag und im Wirtschaftsmagazin Capital, für das er einige Jahre lang als Redakteur tätig war. Darüber hinaus produziert Gotzi Fernsehbeiträge für den Nachrichtensender n-tv, in denen er vor laufender Kamera als Experte für Beteiligungsmodelle aktuelle Angebote analysiert.