Aktuelles zum Ölmarkt, Teil 1: Brent: Im Spannungsfeld zwischen Konjunkturängsten und politischen Konflikten
Seit Monaten pendelt Öl der Sorte Brent zwischen 100 und 120 US-Dollar je Fass. Da der Preis normalerweise recht schwankungsanfällig ist, fragen sich viele Anleger, ob die Notiz in naher Zukunft nach oben oder nach unten ausbrechen wird.
Hauptargument der „Öl-Bullen“ sind eventuelle Störungen auf der Angebotsseite. Derzeit ist der größte Unsicherheitsfaktor der sich zuspitzende Konflikt mit dem Iran. Am 23. Januar haben die EU-Außenminister einen Importstopp für Öl aus dem arabischen Land verhängt, der ab 1. Juli gelten soll. Damit soll der Iran zum Einlenken im Atomstreit gebracht werden. Doch die iranische Regierung drehte den Spieß um und droht nun ihrerseits mit einem sofortigen Lieferstopp in die EU. Besonders wären davon Griechenland, Italien und Spanien betroffen. Die krisengeplagten Länder beziehen einen Großteil des von ihnen benötigten Öls aus dem Iran.
Der Iran ist mit fünf Prozent der weltweiten Produktion der global fünftgrößte Lieferant des Schmierstoffs. Zwar könnten Länder wie Saudi-Arabien bei einem Ausfall in die Bresche springen. Sollten diese die Lücke doch nicht komplett ausgleichen können, dürfte es zu Engpässen in der weltweiten Ölversorgung kommen – mit entsprechend preistreibenden Folgen. Der IWF rechnet hier mit bis zu 30 Prozent höheren Preisen. Sollte der Iran gar die Straße von Hormus schließen, könnte es zumindest kurzfristig zu einer regelrechten Preisexplosion kommen. Die Meerenge ist das wichtigste Nadelöhr für den Ölexport nach Japan und nach Westeuropa, in Summe werden durch sie 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls transportiert.
Auch wenn vieles für einen Ölpreisanstieg spricht, sollten Anleger auch die Abwärtsrisiken nicht aus den Augen verlieren. Denn dem weiteren Verlauf der Weltkonjunktur kommt eine entscheidende Bedeutung zu. Sollte etwa die Rezession in Europa aufgrund der Schuldenkrise schlimmer ausfallen als erwartet, könnte die resultierende sinkende Ölnachfrage zu einem Preisrückgang führen. Auch in den USA ist es noch keineswegs ausgemachte Sache, dass der „Double Dip“ – ein nochmaliges Abgleiten der Wirtschaft – ausbleibt. Zudem wären eventuelle Abwärtsrevisionen der Konjunkturerwartungen in Asien nicht gerade förderlich für den Ölpreis.
Sollten sich weder die politischen Krisen zuspitzen noch die konjunkturelle Verfassung eintrüben, ist auch eine Fortsetzung des Seitwärtstrends möglich. Die große Bandbreite der möglichen Szenarien zeigt, dass sich im Ölmarkt nur Anleger mit starken Nerven engagieren sollten. Nach einem eingegangenen Investment schützen Stoppkurse vor größeren Verlusten, wenn es in eine andere als die erwartete Richtung gehen sollte.

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