Möglicher Schritt in einen neuen Markt Glencore und Xstrata könnten nach 80-Mrd.-Fusion im großen Stil in den Eisenerzsektor einsteigen
Eine mögliche, 80 Mrd. Dollar schwere Fusion des Rohstoffhändlers Glencore (WKN A1JAGV) mit dem Bergbauriesen Xstrata (WKN 552834) – die nach Angaben von Insidern bereits diese Woche verkündet werden könnte – könnte nach Ansicht von Experten zu einer Übernahmewelle im Eisenerzsektor führen. Der neue Rohstoffgigant könnte dieser Theorie nach versuchen, in den exklusiven Kreis der Großen der Eisernerzbranche vorzustoßen.
Denn durch den Zusammenschluss von Glencor und Xstrata würde zwar ein Rohstoffgigant entstehen, der weltweit die Nummer Eins bei der Produktion von Kraftwerkskohle und der Produktion von Zink sowie die Nummer Drei bei der Kupferproduktion wäre – in der Eisenerzproduktion aber so gut wie gar nicht vertreten wäre.
Xstratas Wunsch, in den Eisenerzsektor einzusteigen ist kein Geheimnis. Bereits 2009 versuchte man den Konkurrenten Anglo American (WKN A0MUKL) zu übernehmen. Doch der Konzern wurde am Eintritt in diesen Markt durch fehlende, große Neuentdeckungen und ein quasi Oligopol der Bergbaugiganten Vale, Rio Tinto und BHP Billiton gehindert. Und die haben nach Ansicht von Branchenexperten und Analysten keine Absicht, ihre Kontrolle über den Eisenerzmarkt zu lockern.
Mit der durch das Kapital von Glencore gestärkten Bilanz wäre nach Ansicht von Markbeobachtern der Eintritt in den Eisenerzmarkt ein logischer Schritt für Xstrata, der den Wettbewerbern Feuer machen könnte. Eine Tonne Eisenerz kostet derzeit um die 140 USD pro Tonne, vor allem auf Grund der Nachfrage aus China. Die Volksrepublik ist der größte Käufer von Komponenten zur Stahlherstellung, um so die anhaltende inländische Industrialisierung und Urbanisierung bedienen zu können. Der Abbau einer Tonne Eisenerz kostet im Gegensatz dazu nur rund 20 bis 30 USD pro Tonne. Allein Australien zeichnet für die Hälfte der Eisenerzimporte Chinas verantwortlich, wobei BHP Billiton, Rio Tinto und Fortescue Metals die Hauptlieferanten sind.
Mit der Fusion zwischen Xstrata und Glencore entstünde nun ein Rohstoffkonzern, der in der Lage wäre, eine große Expansion in den Markt für Eisenerz zu finanzieren. Das könnte auch Akquisitionen betreffen, an denen eben auch Vale, Rio Tinto und BHP Billiton interessiert sind. Da Xstrata/Glencore in diesem Bereich bislang nicht vertreten ist, rechnen Marktbeobachter mit einer ersten mittleren Akquisition zu Beginn gefolgt von einer größeren, sollte der Markt dies unterstützen.
Glencores Eisenerzgeschäft – Ankauf/Verkauf – ist hingegen seit der Einführung 2008 kräftig gewachsen und der Konzern hat sich einen steigenden Marktanteil gesichert.
Das vergangene Jahr brachte einen wahren Übernahmeboom im Rohstoffsektor mit sich. Das Volumen belief sich auf 98 Mrd. Dollar und erreichte damit den höchsten Stand seit 2007. Der Glencore/Xstrata-Deal aber wäre mit seinen 80 Mrd. Dollar die größte Transaktion sei Rio Tinto 2007 Alcan übernahm. Die Analysten der Australia & New Zealand Bank glauben, dass mögliche Übernahme für Glencore/Xstrata Firmen wie Fortescue Metals, BC Iron, Atlas Iron oder Aquila Resources sein könnten, die in der Eisenerz reichen Pilbara-Region Australiens tätig sind.
Nach Ansicht von Experten könnte die stärkste Konkurrenz für Xstrata im Eisenerzsektor aber von der brasilianischen Vale, dem größten Eisenerzproduzenten der Welt, kommen, der Hunderte Millionen Tonnen in Brasilien abbaut, aber auch versucht, auf dem australischen Markt Fuß zu fassen, da dies die Transportwege zu zum Hauptmarkt des Konzerns China verkürzen würde.
Vale arbeitet bereits bei der Kohleproduktion mit Aquila Resources zusammen und es gibt schon seit Längerem Gerüchte, dass das brasilianische Unternehmen an Aquilas noch nicht entwickeltem Eisenerzprojekt West Pilbara interessiert ist. Aquila hält 50% an dem Projekt, während die restliche Hälfte der Beteiligung bei der privaten American Metals and Coal International liegt. Die Entwicklungskosten des West Pilbara-Projekts werden auf 6 Mrd. Dollar geschätzt.
Konkurrenz für Xstrata/Glencore könnte aber auch aus China selbst kommen. Die chinesischen Stahlproduzenten haben in den letzten Jahre verstärkt versucht, eigene Eisenerzminen in Südamerika, Afrika und Australien zu erwerben.
Fusioniert hätten die Minen von Glencore Xstratas operativen Gewinn im ersten Halbjahr 2011 um etwa 25% gesteigert. Dieses Plus könnte ein aus der Fusion der beiden Konzerne entstandenes Unternehmen unter die ganz Großen der Minenbranche vorstoßen lassen. Im Bergbaugeschäft ist Größe hilfreich, da große, global agierende Konzerne eher in der Lage sind die Risiken und Kosten für die Entwicklung wirklich großer Projekte zu stemmen.
Hätte Xstratas Übernahme von Anglo American 2007 Erfolg gehabt, wäre das in der Schweiz ansässige Unternehmen sofort zur Nummer Fünf im hochprofitablen Seehandel mit Eisenerz aufgestiegen. Da die Fusionsgespräche aber zu nichts führten, verfügt Xstrata über nur sehr wenige Eisenerzassets.
2011 zahlte man 532 Mio. Dollar für die in Mauretanien aktive Eisenerzfirma Sphere Minerals und der Schweizerkonzern verfügt zudem über einen Anteil von 50% an dem Zanaga-Eisenerzprojekt in der Demokratischen Republik Kongo. Im Juni hatte Xstrata den Export von Eisenerzkonzentrat aus der Beiproduktion einer australischen Kupfermine aufgenommen. Doch dabei handelt es sich um moderate 1,2 Mio. Tonnen pro Jahr, was im Vergleich zur Konkurrenz verschwindend wenig ist.
Einige Analysten glauben, dass Glencore der Ansicht sein muss, dass der Rohstoffzyklus seinen Boden gefunden hat und Chinas Wirtschaft eine weniger harte Landung als erwartet hinlegen wird. Deshalb habe man die Fusionspläne mit Xstrata ausgerechnet jetzt veröffentlicht. Andere Experten weisen allerdings darauf hin, dass es riskant ist, aktuell groß in den Eisenerzsektor einzusteigen, da es Anzeichen dafür gebe, dass das chinesische Nachfragewachstum sich verlangsame.
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