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Containerschiffe Deutschland, ein kleiner Club der Optimisten

 |  13.02.2012, 12:03  |  1384 Aufrufe  |   0  | 

 

Die Weltbank spricht von Rezession in der Euro-Zone. In Deutschland könne davon aber keine Rede sein, sagt der Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler bei der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts der Bunderregierung Mitte Januar. Die Konjunktur werde lediglich eine Delle bekommen, zitiert die Süddeutsche Zeitung (SZ). Nach einem Mini-Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,1 Prozent im ersten Quartal des neuen Jahres werde es wieder bergauf gehen. "Deutschland bleibt weiter der Anker für Stabilität und Wachstum", erklärt der Ressortchef. 
 
Um 3 Prozent ist das BIP in Deutschland 2011 im Vergleich zum Vorjahr nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) gestiegen. Die Wachstumsimpulse kamen vor allem aus dem Inland. Private Konsumausgaben und Investitionen haben sich als Stütze der wirtschaftlichen Entwicklung erwiesen, so die Behörde. Eine Eins vor dem Komma ab der zweiten Jahreshälfte hält Hans-Peter Keitel, Präsident beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), beim BIP 2012 für möglich: "Aus realwirtschaftlicher Perspektive besteht für eine erneute Krise kein Anlass. Die deutsche Industrie ist stark." Die Mehrheit erwarte einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts zwischen 0,4 und 0,8 Prozent. Verlaufe das Jahr ohne gravierende externe Schocks und stelle die Politik die richtigen Weichen, sei ein höheres Wachstum durchaus möglich, ohne dabei die aktuelle Lage schön zu reden, sagte Keitel bei der Auftaktpressekonferenz 2012. 
 
Die globalen Konjunkturaussichten, ebenfalls Mitte Januar von der Weltbank vorgelegt, klingen deutlich weniger optimistisch: 2012 werde ein turbulentes Jahr, dessen Wirtschaftswachstum zwar von den Schwellenländern getragen werde, allerdings auf ein niedrigeres Niveau zusteuere. Denn mittlerweile werden die Schwellenländer von der europäischen Staatsschuldenkrise erfasst. Für diese Länder prognostiziert die Weltbank 2012 ein Wirtschaftswachstum von 5,4 Prozent, den zweitniedrigsten Wert innerhalb der letzten zehn Jahre. Für die Industrienationen revidierte das Institut seine Wachstumsaussichten auf nur noch 1,4 Prozent. Für die einkommensstarken Länder der Euro-Zone sieht die Weltbank für dieses Jahr sogar einen Rückgang von 0,3 Prozent. 
 
Die schwächere Konjunktur spiegelt sich in einem reduzierten Welthandel wider. Sei der globale Warentransfer 2011 um 6,6 Prozent gestiegen - nach einem Plus von 12,4 Prozent im Jahr 2010 -, könne 2012 nur mit einer Zunahme des Handelsvolumens um 4,7 Prozent gerechnet werden. 2013 werde der Handel dann wieder um 6,8 Prozent zulegen. 
 
Die Deutsche Verkehrszeitung (DVZ) berichtet im Januar auch für Deutschland von einem schwächeren Importzuwachs und zitiert den Logistikexperten Christian Kille von der Hochschule Würzburg-Schweinfurt. Der Wissenschaftler gibt sich beim Blick auf Deutschland im Gegensatz zu Wirtschaftsminister und BDI-Präsident weniger zuversichtlich: Mehrere industrierelevante Güter verzeichneten bereits Rückgänge, was "ein starkes Indiz für ein sich abkühlendes Wirtschaftsklima" sei. 
 
Allerdings sei der Einfluss der im Zusammenhang mit der EU-Schuldenkrise unter besonderer Beobachtung stehenden Ländern - Irland, Italien, Spanien, Portugal und Griechenland - nicht gravierend: Obgleich Deutschland aus der EU rund die Hälfte aller Importe beziehe und Schwankungen sich direkt bemerkbar machen können, wuchsen in den ersten drei Quartalen 2011 die Importe aus Irland um 49,1 Prozent, aus Italien um 14,5 Prozent, aus Spanien um 11,4 Prozent und aus Portugal um 0,7 Prozent. Lediglich aus Griechenland gingen die Einfuhren um 5,5 Prozent zurück. 
 
Für die Seeschifffahrt von größerer Bedeutung als die Situation des Gütertransfers innerhalb Europas dürfte die Entwicklung Chinas sein. Hier meldet die Weltbank, dass der Exportweltmeister, zweitgrößte Volkswirtschaft nach den USA, seine Wachstumserwartungen ebenfalls zurückschraube: Wegen der Schuldenkrise könne die Volksrepublik weniger nach Europa, den wichtigsten Absatzmarkt des Landes, transportieren. 
 
Wie jedes Jahr haben die Befrachtungsaktivitäten zum Jahreswechsel spürbar nachgelassen. Die Zahl der gemeldeten Zeitcharterabschlüsse für Containerschiffe sei auf dem Jahrestiefststand, während die Zahl der beschäftigungslosen Schiffe weiter gestiegen sei, schreibt das Branchenmagazin HANSA. Derzeit werden überwiegend Charterverträge mit kurzen Laufzeiten geschlossen, so dass die Schiffe schneller zurück in den Markt kommen. Erschwerend komme hinzu, dass nach und nach langfristige Charterverträge auslaufen; hier werde die Spitze der Rücklieferungen von März bis Mai erwartet. Angesichts der eher gedämpften Aussichten der Weltwirtschaft sei fraglich, zitiert HANSA einen Hamburger Makler, ob der Markt genügend Schwung habe, um alle Schiffe aufzunehmen. 
 
Die Einschätzung des Branchendienstes Alphaliner bestätigt, dass 2012 für die Containerschifffahrt ein schwieriges Jahr wird. Die Nachfrage nach Transportvolumen in Europa und den USA werde schwächer, ebenso beim Handel zwischen Fernost und Europa. Dort werde die Nachfrage 2012 nur noch um 1,5 Prozent zulegen, gegenüber einem Zuwachs von 2,8 Prozent 2011. Grund: schwächere Wirtschaftsaussichten in Europa. Für Fernost-USA-Fahrten rechnet Alphaliner 2012 mit einem Zuwachs von 4,6 Prozent, nachdem das verschiffte Handelsvolumen 2011 um gerade 0,8 Prozent gestiegen sei. 
 
2012 werde sich die Flotte durch etwa 250 Einheiten und über 1,4 Mio. TEU um 8,3 Prozent vergrößern (2011: 7,9 Prozent). Im Durchschnitt seien die Charterraten am Containerschiffmarkt 2011 um 39 Prozent gesunken. Zum Jahresbeginn waren Schiffe mit einer Kapazität von knapp 600.000 TEU ohne Beschäftigung - eine Zahl, die sich bis Ende 2012 auf 1 Mio. TEU erhöhen könne. Flottenwachstum und Kurzzeitchartern werden in diesem Jahr das Ratengefüge stärker als üblich beeinflussen - für die Reeder ein Jahr mit großen Herausforderungen. 
 
In der Hansa-Hamburg-Flotte fahren mehrere im Feederverkehr eingesetzte Einheiten um 1.700 TEU. Gegen Ende Januar lag die durchschnittliche Einjahrescharterrate für Schiffe dieser Größe laut Containerschiffindex New ConTex bei rund USD 6.800 pro Tag (Mitte Vormonat: USD 7.200). (Gastbeitrag von Hansa Hamburg Shipping)
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