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Tankerschiffmarkt Iran sorgt für Unruhe auf dem Ölmarkt

 |  07.02.2012, 16:00  |  1144 Aufrufe  |   0  | 

Die Allianz für ein Ölembargo gegen den Iran nimmt zum Jahresbeginn Formen an: Am 23. Januar verhängte die EU ein Importverbot für iranisches Öl und beschloss, das Vermögen der iranischen Zentralbank einzufrieren und ihr Geschäfte mit der EU zu untersagen. Das Land solle zum Einlenken im Atomstreit bewegt werden, weil es im Verdacht stehe, unter dem Deckmantel eines Programms zur Energiegewinnung tatsächlich an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten, schreibt die Süddeutsche Zeitung (SZ). Die EU-Staaten haben sich deshalb vorgenommen, die wichtigste Einnahmequelle des fünftgrößten Erdölexporteurs der Welt nach und nach zum Versiegen zu bringen, berichtet die SZ. Die EU sei nach China mit einer Importmenge von rund 0,6 mb/d (Mio. Barrel pro Tag) wichtigster Absatzmarkt für iranisches Öl, der Druck auf das Land sei daher erheblich. 

 
Das Embargo solle innerhalb von sechs Monaten in Kraft treten, das Importverbot für petrochemische Produkte innerhalb eines Vierteljahres. Bestehende Verbindlichkeiten gegenüber europäischen Ländern dürfe der Iran jedoch mit Öl begleichen, so die SZ. Während China und Russland weiterhin Öl aus dem Mitgliedsland der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) beziehen, werde Japan, das ein Zehntel seines Öls von dort beziehe, dagegen seine Importe zurückfahren. Allerdings wollen auch China und Russland eine neue Bedrohung durch Atomwaffen des Iran verhindern, ebenso wie viele Nahoststaaten, die kein Interesse an einer neuen Hegemonialmacht haben. 
 
Innerhalb der EU ist die Haltung zu diesem Schritt uneinheitlich: So äußern hauptsächlich die verschuldeten Mitglieder Griechenland, Italien und Spanien Bedenken beim Embargo. Der Nachrichtendienst Bloomberg zitiert Daten der EU-Kommission, nach denen diese Länder mit einem Anteil von 68,5 Prozent innerhalb der Union die größten Abnehmer von iranischem Öl sind und nun volkswirtschaftliche Nachteile fürchten. An der weltweiten Tagesproduktion von Öl hat der Iran einen Anteil von über 5 Prozent. Iran versorgt neben der EU und China außerdem die überdurchschnittlich prosperierenden Länder Indien und Südkorea. 
 
Die Iran-Krise sei einer der geopolitischen Faktoren, der die Ölpreise nach oben katapultieren könne, heißt es beim Energie Informationsdienst (EID). Als Reaktion auf die Sanktionen drohe der Iran damit, die Straße von Hormuz aus dem Persischen Golf heraus für Öltransporte in Richtung Golf von Oman, Arabisches Meer und in den Indischen Ozean zu sperren. Durch diese Meerenge werden laut EID je nach Marktlage zwischen 20 und 40 Prozent des Weltölbedarfs verschifft. Wegen der enormen Bedeutung dieser Route haben die USA angekündigt, diese gegebenenfalls mit militärischen Mitteln offen zu halten. Die Produktionsmenge des Iran, nach Saudi Arabien zweitgrößter Produzent innerhalb der OPEC, ist nach Angaben des der Organisation seit einiger Zeit rückläufig: 2010 waren es durchschnittlich 3,71 mb/d, 2011 noch 3,62 mb/d. 
 
Um die fehlenden iranischen Ölmengen zu kompensieren, habe man bei Saudi-Arabien angefragt, heißt es aus der Nachrichtenagentur Bloomberg. Das Königreich wolle sich jedoch nicht in diese politischen Belange einmischen. Man bediene aber den Markt weiterhin mit der Ölmenge, die nachgefragt werde; die saudische Ölpolitik sei in diesem Zusammenhang rein wirtschaftlich ausgerichtet. Die Bitte um Kompensationslieferungen beantwortete das arabische Königreich diplomatisch mehrdeutig: Man möchte das Problem nach Art des Sankt-Florian-Prinzips an die Konfliktparteien zurückreichen. Mit 30,89 mb/d war die Ölproduktion der OPEC im vergangenen Dezember jedenfalls so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr, nicht zuletzt wegen zusätzlicher Mengen aus Saudi-Arabien. 
 
Die Sorge vor einem militärischen Eingreifen zur Lösung des Iran-Konflikts könnte sich auf den Tankermarkt auswirken, berichtet die Deutsche Verkehrszeitung (DVZ). Angesichts höherer Risiken und der Verunsicherung über die Verfügbarkeit ausreichender Tonnage konnten Eigentümer und Operateure großer Rohöltanker zum Jahreswechsel leichte Ratensteigerungen durchsetzen. Allerdings könne sich die Lage für den Tankschiffmarkt rasch umkehren, sollte der Iran die Meerenge von Hormuz tatsächlich blockieren. Das könne für einen kurzfristigen Einbruch von Schiffstransporten aus dem Persischen Golf, steigende Ölpreise und eine sich verstärkende weltweite Rezessionstendenz sorgen, schreibt die DVZ. 
 
Der Schiffsmakler Poten & Partners berichtet, dass das per Schiff transportierte Ölvolumen des Iran, ähnlich wie die sinkende Produktion, innerhalb der vergangenen zehn Jahre von 37 Mio. auf 28. Mio. Tonnen gesunken sei. Der Seetransport liege in den Händen der staatlichen National Iranian Tanker Company (NITC), und lediglich 20 Prozent des täglichen Volumens von 2,4 mb/d werde über den freien Markt verchartert. Deswegen rechnen wir damit, dass die Auswirkungen auf das Ratenniveau für den Rohöltransport aus dem Iran geringer sind als eventuelle Konsequenzen für den Produktentransport von Raffineriestandorten, die auf die Verarbeitung des iranischen Öls angewiesen sind. 
 
Für Hansa Hamburg fahren Rohöl- und Produktentanker verschiedener Größen. Für diese Segmente ermittelte der Schiffsmakler ACM Mitte Januar den jeweiligen Ratendurchschnitt für Einzelreisen (Zeitcharteräquivalent): für Suezmax-Rohöltanker rund USD 27.000 (Vormonat: USD 21.800), für LR1-/Panamax-Produktentanker USD knapp 7.500 (Vormonat: USD 9.800) und für MR1-Produktentanker ("west") USD 15.600 (Vormonat: USD 19.850) pro Tag. Als theoretische Einjahreszeitcharterrate errechnete ACM für Rohöltanker der Größe Suezmax eine gegenüber dem Vormonat unveränderte Rate von USD 16.000, für die Größe LR1/Panamax eine gleich bleibende Zwölfmonatsrate von USD 12.500 und für MR1-Produktentanker ebenfalls eine unveränderte Rate von USD 12.000. (Gastbeitrag von Hansa Hamburg Shipping)
 
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