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Sinneswandel Griechenland nervt gewaltig; Troika und Banken undurchsichtig; Gewinnmitnahmen in Japan; Eisenerznachfrage verdoppelt sich; Chinas Wachstumsfirmen ertragsschwach; Lazard mit Verlust; Toray kürzt Ausblick

 |  07.02.2012, 08:43  |  1790 Aufrufe  |   0  | 

Wurde man noch vor zwei Jahren als Anti-Europäer beschimpft, wenn man sachlich nüchtern den Austritt Griechenlands forderte, ist die wirtschaftliche Vernunft mit deutlicher Verzögerung auch in Berlin und Brüssel angekommen. Sie die Regierungsparteien nun ebenfalls Anti-Europäer?

Globalyze Marktbericht

 

Die unübersichtliche Situation in Griechenland mit der immer wahrscheinlicher werdenden Option einer Staatspleite sorgte an der Wall Street für Zurückhaltung. Dow, Nasdaq und S&P 500 gaben um -0,13% (12.845), -0,13% (2.901) und -0,04% (1.344) nach. Größte Verlierer waren Finanz- und Materialwerte. So gaben Travelers um -1,3% und Pfizer und Boeing jeweils um -1,2% nach. Der Gesundheitsversicherer Humana, dessen Gewinne nicht wie erwartet ausfielen, gab um -5,5% nach. Der Krankenhausbetreiber HCA Holdings sprang nach einem Gewinn von 1,52 Mrd. Dollar, der im Zusammenhang mit der Akquisition eines Krankenhaussystems in Denver stand, um +7,3% nach oben. Die wie erwartet gelieferten Quartalszahlen des Spieleherstellers Hasbro sorgen für ein Kursplus von +2,3%. Trotz guter Umsatzzahlen gab der Nahrungsmittelzulieferer Sysco wegen deutlich höherer Kosten um -3,7% nach. SurewestCommunications, die von Consolidated Communications Holdings für 340,9 Mio. Dollar übernommen werden, schossen um +45% nach oben.

 

Auf Frankfurt lastete ebenfalls Griechenland. Offensichtlich wollen die Griechen die Sparauflagen der Troika nicht akzeptieren. Wobei die Griechen dann konsequent sollten und freiwillig aus der Eurozone ausscheiden sollten. Schließlich spielen wir hier nicht „Wünsch Dir was“. Wer 130 Mrd. Euro von uns will und nicht einmal bereit ist, Urlaubs- und Weihnachtsgeld zu streichen, hat unsere Solidarität nicht verdient. Wie zu erwarten gaben aufgrund dieses bevorstehenden Szenarios Deutsche Bank und Commerzbank um -1,85% bzw. -1,72% nach. Am anderen Ende legten RWE und Deutsche Börse, die dann zukünftig doch aus eigener Kraft wachsen wollen, um +2,74% bzw. +2,54% zu. Im Tec Dax schoben sich QSC und Süss Microtec mit +5,65% und +5,26% an die Spitze. Q-Cells stürzte weiter um -11,77% ab und notiert als Pennystock nur noch mit 31,5 Cent. Auch Aixtron gab um -3,13% nach. Dax, Tec Dax und C Dax verloren -0,03% (6.764), -0,28% (769,62) und -0,06% (596,52).

 

In Tokyo waren angesichts der wenig erbaulichen Nachrichten aus dem Westen Gewinnmitnahmen angesagt. Der Nikkei gab um -0,13% (8.917) nach. Zudem macht man sich im Zusammenhang mit einer möglichen Griechenlandpleite auch ein wenig Sorgen über die Auswirkungen auf das globale Finanzsystem. Bei den Branchen waren Seetransport, Metallprodukte sowie Elektrizität und Gas die großen Gewinner. Fischerei und Forsten, Gummi und Bau gehörten zu den größten Verlierern. Japan Tobacco, die ihren Ausblick anhoben, stiegen um +5,2%. Suzuki Motor mussten ihre Umsatzprognose senken, was den Kurs um -1,3% nach unten trieb. Zementfirmen wie Sumitomo Osaka Cement oder Taiheiyo Cement legten aufgrund einer Analystenheraufstufung um +5,8% bzw. +4,2% zu. Der Draht- und Kabelhersteller Fujikura, der einen Verlust von 9 Mrd. Yen machen wird, stieg angesichts der Hoffnung des Erreichens eines Bodens um +9,5%. Am Ende standen 763 nachgebende Aktien, 678 ansteigenden Aktien gegenüber. 192 waren unverändert.

 

Die anderen asiatischen Börsen entwickelten sich unterschiedlich. Wobei sich die Investoren allgemein zurückhielten. Die australische Notenbank ließ zur Überraschung der Marktakteure den Zins von 4,25% unverändert, was den australischen Dollar auf ein 6-Monatshoch trieb. Der ASX200 fiel um -0,5%. Während der südkoreanische Kospi um +0,2% zulegte. Shanghai Composite und der Hang Seng gaben um -1,9% bzw. -0,2% nach. Der indische Sensex legte um +0,3% zu.

 

Globalyze Pressetour

 

Hasbro tritt auf der Stelle. Eine schwache heimische und kanadische Nachfrage sorgte dafür, dass der Hersteller von Transformers, Nerf und G.I. Joe mit einem Gewinn von 139,1 Mio. Dollar auf Vorjahresniveau (140 Mio. Dollar) verharrte.

 

Standpunkt: Wobei die Umsätze um +4% auf 1,33 Mrd. Dollar stiegen. Das starke internationale Wachstum konnte die schwachen Umsätze zuhause und in Kanada kompensieren. Sieht man sich die Umsätze einmal genauer an, so sind Jungenspielsachen mit +29% stark nachgefragt. Mädchenspielsachen brachen hingegen um -16% ein. Die Spielsachen für Kinder im Vorschulalter legten um +15% zu. Warum der Kurs dennoch ansteigt, ist angesichts der Zahlen dann doch etwas verwunderlich.

 

Lazard schreibt Verluste. Ein um -26% Einbruch im Beratungsgeschäft sowie ein 20%iger Rückgang im Asset Management führten nach einem Gewinn im Vorjahresquartal von +99,9 Mio. Dollar zu eine Verlust von -4,79 Mio. Dollar.

 

Standpunkt: Die Zahlen sind alles andere als gut. Da brechen ganze Geschäftszweige weg. Auf das Jahr gesehen ging der Umsatz allerdings nur um -5% zurück. Ein Kauf sieht dennoch anders aus.

 

Toray kürzt Ausblick. Der größte Faserhersteller Japans verzeichnet bei einem um +1,6% auf 399,9 Mrd. Yen gestiegenen Umsatz einen Rückgang des operativen Ergebnisses um -6,1% auf 25,8 Mrd. Yen und des Gewinns um -26,5 % auf 13,9 Mrd. Yen.

 

Standpunkt: Nicht zuletzt, da das Carbonfasersegment einen Umsatzrückgang von -3,9% verzeichnet und einen betrieblichen Verlust von -300 Mio. Yen (Vorjahr: +700 Mio. Yen) ausweist, wurde die Gewinnprognose von 74 Mrd. Yen auf 63 Mrd. Yen gesenkt. Der Umsatz soll für das Gesamtjahr statt bei 1,67 Billionen Yen nur noch bei 1,61 Billionen Yen liegen. Alles zusammen ist trotz des Aufwärtstrends der Aktie nicht gerade eine Kaufempfehlung.

 

Chinas Wachstumsfirmen ertragsschwach. Trotz ihres mit 30 bis 40% starken Wachstums von 2001 bis 2010 liegen die Kapitalerträge der Top 500 Unternehmen Chinas unter den von amerikanischen Unternehmen.

 

Standpunkt: Einer Studie von McKinsey zufolge sind die Kapitalerträge von 50% der Top 500 Unternehmen schwächer als die Kapitalkosten. Das ist nur bei 30% der S&P 500 Unternehmen der Fall. Auch sind die Bewertungen der chinesischen Unternehmen von 2006 bis 2011 gefallen und liegen nun unter den von amerikanischen Unternehmen. War in 2007 das Kurs-Gewinn-Verhältnis mit 30 noch doppelt so hoch wie in den USA, liegt es derzeit mit 9 unter dem US-KGV Durchschnitt von 12. Insofern fordert der zuständige Co-Autor der Studie Huyett anstatt die Geschäftsmodelle amerikanischer Unternehmen zu kopieren, mehr Nachhaltigkeit und mehr eigene neue Geschäftsmodelle.

 

Chinas Nachfrage nach Eisenerz ungebrochen. Mit 680 Mio. Tonnen Eisenerzimport in 2011 vereinnahmt China die Hälfte des weltweiten Imports von gesamt 1,125 Mrd. Tonnen. Größte Anbieter sind Australien und Brasilien.

 

Standpunkt: Diese Zahlen wurden am Rande der größten Minenmesse, die am Montag in Cape Town begann, genannt. Nach Expertenmeinung wird China noch über Jahrzehnte hinaus einer der größten Eisenerzimporteure bleiben. Das hat auch damit zu tun, dass China selbst eher minderwertige Eisenerzvorkommen hat. Insofern sieht sich China weiter in Afrika um, dass in den nächsten 10 bis 15 Jahren diesbezüglich eine gewichtige Rolle spielen wird. Indien, die mit einem Export von 100 Mio. Tonnen Anbieter Nummer 3 sind, denken derzeit darüber nach, ob man das Erz aufgrund der ebenfalls erwarteten starken Bedarfs nicht besser im Lande lässt. Jedenfalls gehen die Experten davon aus, dass die Nachfrage nach Eisenerz in den nächsten 18 bis 20 Jahren von 1.980 Mrd. Tonnen auf 3,5 Mrd. Tonnen ansteigen wird. Australien, Brasilien und auch Afrika werden davon stark profitieren.

 

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