PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Die wichtigsten europäischen Börsen haben am Dienstag von hoffnungsvollen Signalen aus dem hoch verschuldeten Griechenland profitiert. Mit Ausnahme der Londoner und der Frankfurter Börse legten alle wichtigen westeuropäischen Aktienmärkte zu. Nach Aussagen eines Athener Offiziellen arbeitet die griechische Regierung derzeit zusammen mit der 'Troika' an einem Papier über zusätzliche Einsparungen und Reformen in dem hoch verschuldeten Euro-Land. Die Forderungen des Dreigespanns aus Experten von EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) sind Voraussetzung dafür, dass Griechenland weitere Finanzhilfen erhält. Kreisen zufolge könnten die Verhandlungen dazu bis Donnerstagabend abgeschlossen sein.
Der europäische Leitindex EuroStoxx 50 ging mit plus 0,25 Prozent bei 2.514,12 Punkten aus dem Handel. Mit zwischenzeitlich knapp 2.520 Punkten erreichte er zeitweise den höchsten Stand seit Anfang August 2011. Der CAC 40 in Paris gewann 0,18 Prozent auf 3.411,54 Punkte. Der Londoner FTSE 100 schloss kaum verändert mit minus 0,03 Prozent auf 5.890,26 Punkten. Er wurde vor allem von schwachen Bergbau-Aktien belastet.
Die Aktien von ArcelorMittal zählten mit plus 3,28 Prozent auf 16,69 Euro zu den Favoriten im EuroStoxx. Zwar meldete der Stahlkonzern wegen der Schuldenkrise in Europa das schlechteste Quartalsergebnis seit zwei Jahren, dennoch - so sagte Vorstandschef Lakshmi Mittal - habe sich trotz der Unsicherheiten 'die Stimmung im Vergleich zum Schlussquartal verbessert'. Weltweit rechnet ArcelorMittal 2012 mit einer geringeren Zunahme der Stahlnachfrage. Für den eigenen Konzern sieht der Vorstandschef aber zumindest im ersten Halbjahr einen stabilen Absatz, was auch mit der wieder besseren Entwicklung in den USA zusammenhängt.
Autowerte drückten wegen Sorgen um das chinesische Wirtschaftswachstum den Stoxx Europe 600 Autos + Parts , so dass dieser mit minus 1,30 Prozent zu den schwächsten Branchen Europas zählte. Die chinesische Regierung erwartet, dass sich die Industrieproduktion des Landes im laufenden Quartal abschwächen wird. In Frankreich büßten Renault 1,00 Prozent ein und Peugeot verloren 1,79 Prozent.
Die Bankenbranche war dagegen mit plus 0,61 Prozent die stärkste in Europa. In der Debatte um eine bessere Kapitalausstattung der europäischen Banken hat die Aufsichtsbehörde in London den Geldhäusern ein gutes Zwischenzeugnis ausgestellt. Zudem gab es mehrere positive Kommentare zur Unicredit-Aktie , die daraufhin an der Spitze im EuroStoxx um 4,68 Prozent auf 4,38 Euro zulegte. Morgan Stanley etwa hob das Papier der italienischen Bank auf 'Equal-weight' und Kepler hob das Kursziel der Aktie an.
In London verloren BP nach Zahlen 0,62 Prozent. Der britische Ölkonzern schloss dank hoher Ölpreise das Jahr 2011 wieder mit einem Milliardengewinn ab. Fallende Metallpreise belasteten zudem die Aktien von Bergbau-Unternehmen wie Randgold , Eurasian oder Kazakhmys und Antofagasta , die zwischen zwei und drei Prozent verloren. Am kräftigsten gaben die Aktien von Xstrata nach mit minus 4,88 Prozent und die des weltgrößten Rohstoffhändlers Glencore <8GC.FSE> , die 3,80 Prozent verloren. Beide Gesellschaften wollen sich zu einer neuen Gesellschaft mit einem Marktwert von rund 90 Milliarden US-Dollar zusammenschließen.
GlaxoSmithKline gingen nach Bekanntgabe der Schlussquartalszahlen 2011 auf Talfahrt und schlossen mit minus 0,95 Prozent bei 1.407,77 Pence. Der größte britische Pharmakonzern verbuchte wegen eines schwächeren Pharma- und Impfstoffgeschäftes in diesem Zeitraum einen Umsatzrückgang./ck/fn