US-Erwachen Griechenlandpleite wird allmählich eingepreist; deutsche Industrieproduktion leicht positiv; Tokyo profitiert von nachgebendem Yen und steigt über 9.000 Punkte; ausländische Investoren entdecken Japan; BHP trotzt Rohstoffpreisrückgang; Grenkeleasing liefe
Während man in Indien die Latte etwas niedriger hängt, wird in den USA diese höher gelegt. Die Amerikaner investieren wieder in ihren Heimatmarkt. Da werden sogar Produktionen aus China zurückgeholt. Ob die USA am Ende zur Überraschung aller zur Konjunkturlokomotive in 2012 wird und Obama die Wahlen gewinnt? Vieles spricht dafür.
Globalyze Marktbericht
An der Wall Street sahen die Investoren gestern interessanterweise Fortschritte. Nach deren Ansicht steht eine Einigung unmittelbar bevor. Wobei es diese eigentlich schon vorige Woche und spätestens Montag nach dem verstrichenen Ultimatum geben sollte. Vor dem Haushaltsausschuss des Senats sprach Fed-Chef Bernanke von einem „moderaten Anstieg der langfristigen Arbeitslosenrate“. Was aber angesichts der jüngsten guten Zahlen niemanden ernsthaft beunruhigte. Dow, Nasdaq und S&P 500 legten um +0,26% (12.878), +0,07% (2.904) und +0,20% (1.347) zu. Im Dow war McDonald mit +1,4% der größte Gewinner. Coca Cola, deren Zahlen die Erwartungen bestätigten, legten um +0,8% zu. Der Kreditkartenbetreiber MasterCard sieht, trotz der Regulierung, ein starkes Jahr mit Gewinnsteigerungen und kam so auf +0,4%. Coinstar sprang nach über den Erwartungen liegenden Gewinnen um +14% nach oben.
In Frankfurt wurden angesichts dessen, dass Griechenland schon wieder eine Deadline verstreichen ließ, vorsichtshalber Gewinne mitgenommen. Dax, Tec Dax und C Dax gaben um -0,16% (6.745), -0,77% (763,75) und -0,25% (595,04) nach. Die Zahlen zur Industrieproduktion trugen mit nur einem leichten Plus gegenüber dem Vorjahr von +0,9% und einem Rückgang zum Vormonat von -2,9% dazu bei. Im Dax setzte sich überraschenderweise Commerzbank mit +4,02% an die Spitze. Gefolgt von K+S mit +1,86%. K+S profitierte dabei von dem guten Ausblick seines norwegischen Konkurrenten Yara. Adidas und Henkel waren mit -1,80% bzw. -1,99% die größten Verlierer. Im Tec Dax schnappte Q-Cells mit +5,66% kurz nach Luft. Centrotherm Photovoltaics folgte mit +5,06%. Am unteren Ende folgten SMA Solar Technologies mit -3,38% und QSC mit -3,10%.
In Tokyo beförderte der gegenüber dem Dollar und Euro nachgebende Yen nicht nur die Exportwerte, sondern auch den gesamten Markt. Der Nikkei, der um +1,10% auf 9.015 Punkte zulegte, überstieg somit wieder der psychologisch wichtigen Marke von 9.000 Punkten. Dabei halfen die Ausländer mit, die zum ersten Mal seit 3 Monaten mit 340,8 Mrd. Yen wieder Nettokäufer waren. Auffällig zeigte sich der Anstieg von Toyota Motor, die ihren Ausblick für das Geschäftsjahr deutlich angehoben haben und den Kurs von 3.000 Yen wieder überschritten. Elpida, die ihre Fabrik in Hiroshima verkaufen wollen, sprang um +9,7% nach oben. Der soziale Netzwerkbetreiber DeNA legten nach einem Vorsteuer-Gewinnanstieg von +7% um +12% zu. Auch Stahlproduzenten wie Nippon Steel oder JFE Holdings konnten Kursgewinne von +4,6% bzw. +6,5% verzeichnen. Wobei da der bullische Ausblick von BHP Billiton für die Schwellenländer China und Indien eine Rolle spielte. Der Traktorhersteller Kubota, dessen Betriebsergebnis um +11% stieg, legte um +5,3% zu.
An den anderen asiatischen Börsen stiegen Australiens ASPX200 um +0,4%, Südkoreas Kospi um +0,7%, Shanghai’s Composite um +0,4% und Hong Kongs Hang Seng um +0,6%. Indiens Sensex legte um +0,5% zu.
Globalyze Pressetour
BHP Billiton holt Luft. Wegen steigender Kosten bei fallenden Rohstoffpreisen war der Gewinn des weltweit größte Minenbetreibers bei um +9,7% auf 37,48 Mrd. Dollar gestiegenen Umsätzen erstmals in 2 Jahren mit -5,5% (9,94 Mrd. Dollar) rückläufig.
Standpunkt: CEO Peter Esho kommentierte die Zahlen so: „BHP hat in einem schwierigen Markt ein solides Ergebnis erzielt.“ Wobei neben den rückläufigen Rohstoffpreisen auch so Dinge wie die Streiks in der chilenischen Escondida Kupfermine oder das Fluten der Kohlemine in Queensland oben drauf kam. Dafür ist das Ergebnis doch recht gut ausgefallen, auch wenn es rückläufig war. Auch der Ausblick ist so schlecht nicht. Insofern darf man den Minengigant trotz der Glencore Xstrata Fusion einmal näher anschauen.
USA auf dem Vormarsch. Angesichts abschwächender internationaler Märkte und steigenden Kosten weltweit nehmen amerikanische Unternehmen zunehmend ihren Heimatmarkt ins Visier. Der erholt sich besser als erwartet.
Standpunkt: Wer hätte das gedacht? Ich erinnere mich noch gut, an die Double Dip Rezession Schlagzeilen, die hoch und runter dekliniert wurden. Das ist noch gar nicht so lange her. Daran mögen Sie erkennen, Medien gegenüber eine große Vorsicht angebracht ist. Die Printpresse steht tierisch unter Druck und muss über schreiende Schlagzeilen Leser gewinnen. Jedenfalls wird United Rentals 1 Mrd. Dollar in die Hand nehmen. Carlisle Companies plant zwei neue Werke und will die Reifenproduktion aus China wieder in die USA zurückholen. Und Union Pacific plant zweimal so viel Eisenbahnen zu kaufen, wie im Jahr zuvor.
Toyota sprüht vor Optimismus. Wegen einer schneller als erwarteten Erholung und ersten Erfolge der Kostenkürzungsprogramme hat der japanische Autobauer seine Gewinnprognose von 180 Mrd. Yen auf 200 Mrd. Yen angehoben.
Standpunkt: Auch, wenn das nur die Hälfte des Gewinns des Vorjahres ist, so zeigt das doch, dass Toyota nach den Katastrophen in Fukushima und Thailand wieder Gas gibt und den nächsten Gang einlegt. Das Unternehmen wird aus diesen Krisen gestärkt hervorgehen. Das scheint der Markt zu ahnen. Der Kursanstieg ist das sichtbare Zeichen.
Indiens BSP auf 3 Jahrestief. Laut dem indischen Central Statistics Office wird die Wirtschaft Indiens nach +8,4% im letzten Jahr nicht zuletzt wegen eines rückläufigen Minensektors in diesem Jahr voraussichtlich nur um +6,9% wachsen.
Standpunkt: Der Landwirtschaftsbereich wird statt mit +7% im Vorjahr mit nur +2,5% wachsen. Im Produktionssektor werden statt +7,6% nur +3,9% erwartet. Wuchs der Minensektor in 2011 noch mit +5%, wird dieses Jahr ein Rückgang um -2,2% erwartet. Der Bausektor wird von +8% auf 4,8% abkühlen. Allerdings wird der Dienstleistungssektor, der für 55% der Wirtschaft verantwortlich ist, mit +9,3% nur leicht unter den vorjährigen +9,4% liegen. Vieles wird davon abhängen, wie sich die Zentralbank verhält. Und ob das alte Europa endlich mal seine Probleme angeht und die Weichen in die richtige Richtung stellt. Statt sich selbst immer wieder das eigene Bein zu stellen.
Grenkeleasing mit 41%-Gewinnplus. Wegen eines margenstarken Neugeschäfts stieg der Konzerngewinn des deutschen Leasingunternehmens um +41% auf 27,8 Mio. Euro. Das Zinsergebnis stieg um +16% auf 92,7 Mio. Euro.
Standpunkt: Wie man liest, soll es in 2012 auch so weitergehen. Das Neugeschäftswachstum wird mit rund 15% prognostiziert, der Konzerngewinn soll bei 41 bis 44 Mio. Euro liegen. Die Erhöhung der Dividende von 0,70 Euro auf 0,75 Euro ist somit konsequent und nachvollziehbar.
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