PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Widersprüchliche Meldungen zu einer angeblichen Beteiligung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Schuldenschnitt Griechenlands haben die Börsen in Europa am Mittwoch belastet. Nach einem freundlichen Verlauf gab der EuroStoxx 50 in der letzten Handelsstunde seine Gewinne vollständig ab und schloss mit minus 0,05 Prozent bei 2.512,92 Punkten fast unverändert. Der Cac 40 verlor ebenfalls 0,05 Prozent und ging bei 3.410,00 Punkten aus dem Handel. Der britische FTSE 100 sank um 0,24 Prozent auf 5.875,93 Punkte.
Während laut Marktanalyst Gregor Kuhn von IG Markets anfangs noch Meldungen von einer bedeutenden Rolle der EZB beim griechischen Schuldennachlass 'für gute Stimmung an den Märkten' gesorgt hätten, 'warfen Dementis aus Kreisen der EZB die Aktienmärkte am späten Nachmittag wieder zurück'. Aus diesen Kreise habe es geheißen, dass eine Beteiligung der Euro-Notenbanker intern höchst umstritten und deswegen keinesfalls in trockenen Tüchern sei. Unterdessen informierte der Chef der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, dass sich die Finanzminister des Euroraums am Donnerstagabend in Brüssel treffen werden. Hauptthema dürfte die Lage in Griechenland sein.
Der Bankensektor blieb dennoch größter Profiteur unter den Branchen in Europa, auch wenn er seine Gewinne zum Großteil wieder abgab. Die Aktien der Unicredit , der BNP Paribas und der Intesa SanPaolo stiegen zwischen ein und drei Prozent.
Schlusslicht im EuroStoxx 50 waren die Aktien von Sanofi-Aventis mit minus 1,70 Prozent auf 55,57 Euro. Der französische Pharmakonzern stellt sich wegen der zunehmenden Konkurrenz für bisherige Kassenschlager auf einen Gewinnrückgang ein. Dank Einsparungen und geringerer Steuern hatte der Bayer-Konkurrent im abgelaufenen Jahr einen kleinen Gewinnanstieg auf 5,6 Milliarden Euro erreicht. Vor Sonderposten war der Überschuss aber rückläufig gewesen. Der französische Baukonzern Vinci erfüllte mit einem Gewinnanstieg die Markterwartungen. Die Aktien stiegen um 2,59 Prozent auf 37,785 Euro.
Die Aussagen von Reckitt Benckiser zum laufenden Geschäftsjahr kamen dagegen besser an. Der britische Konsumgüterkonzern peilt nach Zuwächsen 2011 nun auch 2012 ein Umsatzplus an. Dabei will der weltgrößte Hersteller von Reinigungsmitteln (Calgon, Vanish, Cillit Bang) schneller wachsen als der Markt. Die Aktien waren daraufhin Favorit im FTSE 100 mit plus 2,87 Prozent auf 3.476,53 Britische Pence.
Die Papiere von Rio Tinto , die in London zeitweise an der 'Footsie'-Spitze notierten und bis auf 3.974 Pence zulegten, gingen letztlich mit einem kleinen Plus von 0,10 Prozent bei 3.946,42 Pence aus dem Handel. Der britisch-australische Bergwerkskonzern hatte einen milliardenschweren Ausbau seiner Eisenerzproduktion angekündigt. BHP Billiton büßten dagegen 2,29 Prozent ein. Wegen wachsender Konjunktursorgen in China und Europa ist der weltgrößte Bergbaukonzern inzwischen vorsichtiger geworden. Nach dem ersten Gewinnrückgang seit zwei Jahren rechnet der Vorstand kurzfristig mit keiner Trendwende.
Unter den kleineren Einzelwerten stachen noch die im FTSE SmallCap-Index notierten Papiere von Thomas Cook hervor, die nach Zahlen 5,77 Prozent auf 13,75 Pence gewannen. Zeitweise waren die Aktien sogar zweistellig in die Höhe geschossen. Um 13,41 Prozent abwärts ging es dagegen für die Papiere von Vestas Wind Systems . Der Verlust des dänischen Windkraftspezialisten war höher als erwartet ausgefallen und der Finanzchef kündigte seinen Rücktritt an./ck/he