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ots.CorporateNews Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: Der Erfolg verpflichtet, Kommentar zu ...

Autor: dpa-AFX
 |  08.02.2012, 20:21  |  171 Aufrufe  |   0  | 

Börsen-Zeitung: Der Erfolg verpflichtet, Kommentar zu den rekordhohen

deutschen Exporten 2011, von Reinhard Kuls.

Frankfurt (ots) - Mit einem lachenden und einem weinenden Auge

blickt Deutschland auf seine wirtschaftliche Paradedisziplin, den

Export. Zum einen brachte der Dezember mit einem bitteren Einbruch um

4,3% das größte monatliche Minus seit drei Jahren, als die weltweite

Finanz- und Wirtschaftskrise Deutschland den schärfsten

Wachstumseinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg beschert hatte. Zum

anderen übersprangen 2011 die deutschen Exporteure erstmals die

Umsatzmarke von 1 Bill. Euro.

Egal, ob man nun der schwarzmalenden oder der erfolgsglänzenden

Lesart folgt, es ist eine rückwärtsgewandte Betrachtung. Tauglich ist

sie nur insofern, als man überprüfen muss, ob dem Absturz zum

Jahresende strukturelle Fehler in der deutschen Exportwirtschaft

zugrunde liegen. Diese gälte es auszumerzen, wollte man eine weitere

Talfahrt verhindern. Die Antwort lautet: Nein, die deutsche Industrie

hat nichts falsch gemacht, was ihre Wettbewerbsfähigkeit und ihr

Güterangebot anbelangt. Was gefehlt hat, ist schlicht die Nachfrage.

Die Staatsschuldenkrise in vielen Industrieländer macht der dortigen

Konjunktur zu schaffen. Da es sich dabei um wichtige Kunden der

deutschen Exporteure handelt, schlägt dies auf die hiesige Wirtschaft

durch.

Tauglich ist der Blick zurück auch insofern, als es doch eine

Lehre für die Zukunft zu ziehen gilt. Bei allen Verkaufserfolgen im

Ausland, die ja ihre segensreiche Wirkung auf die Investitionen und

Arbeitsplätze hierzulande haben, ist die deutsche Volkswirtschaft

doch zu exportlastig. Sie ist dem 'Boom and Bust' der globalen

Konjunktur fast schutzlos ausgeliefert - es sei hier nochmals an die

scharfe Rezession von 2008/2009 erinnert.

Nach wie vor, vielleicht auch noch dringlicher als bislang schon,

gilt es für Deutschland, die Binnennachfrage zu stärken. Das fängt

beim Lohnbrutto an, dem aber wegen der weiterhin geforderten

Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen Grenzen gesetzt sind.

Und das hört beim Lohnnetto auf - doch stößt man auch hier schnell an

Limits angesichts der deutschen Staatsfinanzen. Denn mag auch die

öffentliche Neuverschuldung gegen null tendieren, es bleibt als

Hemmschuh die hohe Schuldenlast von über 80% der Wirtschaftsleistung.

Auf Dauer ist dies nicht tragbar und sollte daher eher schneller als

langsamer abgebaut werden.

Selbst wenn Deutschland Fortschritte in Richtung einer

ausgewogeneren Wirtschaftsstruktur gelingen, brauchen sie Zeit. Harte

Rückschläge auf dem Weg dahin stehen zu befürchten.

(Börsen-Zeitung, 9.2.2012)

Originaltext: Börsen-Zeitung

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