Neu auf wallstreet:online?
Jetzt registrieren | Login
x
Benutzername:

Passwort:

Angemeldet bleiben
Passwort vergessen?

BEHAVIORAL FINANCE/ECONOMICS Griechenland-Lethargie

 |  09.02.2012, 12:47  |  1207 Aufrufe  |   0  | 

Die Spitzenpolitiker Griechenlands hätten, was das neue Sparprogramm angeht, keine Einigung erzielt. So oder ähnlich drückten dies heute früh einige Kommentatoren aus, natürlich ex negativo. Man könnte aber auch sagen, es sei beinahe ein Übereinkommen erzielt worden, denn die fehlenden 300 Millionen Euro an Einsparungen wirken etwa im Vergleich zum ganzen Hilfspaket zur Rettung Griechenlands fast schon verschwindend gering. Andersherum könnte man wiederum argumentieren, 300 Millionen Euro seien immerhin 10 Prozent des gesamten, bislang 3 Milliarden Euro schweren neuen Pakets an Sparmaßnahmen, über das die griechischen Parteien gestern bereits Einigung erzielten. Also doch schon wieder relativ viel.

Man kann sich vorstellen, wie müde viele Akteure an den Finanzmärkten angesichts dieses Relativierens mittlerweile geworden sind. Und man kann es ihnen auch nicht verdenken, dass sie das ganze Schauspiel, das nunmehr x-te Endspiel um Griechenland, das wieder einmal (hoffentlich) in der allerletzten Minute zum Positiven entschieden sein wird, wie eine Farce auffassen. Denn Griechenlands Wirtschaft wird angesichts der neuen Sparkeule weiter schrumpfen. Damit wird das nächste Spar-Diktat – sofern es überhaupt noch etwas zu sparen gibt – nicht allzu lange auf sich warten lassen.

Mit anderen Worten: Die Teilnehmer an den Finanzmärkten scheinen in der Causa Griechenland geradezu lethargisch geworden zu sein. Vielleicht auch aus der Erfahrung heraus, es sei in den vergangenen Monaten, selbst wenn es ganz düster aussah, immer noch irgendwie weitergegangen. Vielleicht ist dieser Glaube aber auch nur eine gefährliche Illusion. Gerade weil die meisten Marktteilnehmer davon ausgehen, selbst eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands sei bereits eingepreist, könnte man sogar von einer Kontrollillusion sprechen, deren Kennzeichen eigentlich die Euphorie und nicht die Lethargie ist.

Aber vielleicht ist Europa ja tatsächlich gerettet, vor allem, wenn sich die EZB auch noch an einem griechischen Schuldenschnitt beteiligen sollte. Zumindest ist der 29. Februar, der Tag des zweiten dreijährigen Tenders, nicht mehr allzu weit – die Volumens-Schätzungen gehen bis zu 1 Billion Euro, die sich die Banken bei der EZB auf diesem Wege besorgen könnten. Damit wäre de facto ein quantitatives Lockerungsprogramm auf den Weg gebracht, das den beiden ersten QE-Programmen der USA in nichts nachstehen würde. Zu diesem Thema habe ich mich auch im heutigen Interview beim Deutschen Anlegerfernsehen (DAF) geäußert, zu dem Andreas Scholz eingeladen hatte.


Weitere Informationen zum Autor und der Behavioral Finance: www.blognition.de.
Bewerten Sie diesen Artikel: (
0
Bewertungen)

Ihren XING-Kontakten zeigen

Schreibe Deinen Kommentar

 

Disclaimer

Nachrichtensuche

Autor

Joachim Goldberg ist geschäftsführender Gesellschafter der cognitrend GmbH und Autor des Blog www.blognition.de. Dessen erklärtes Ziel ist es, die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Behavioral Finance/Economics in der Praxis darzustellen und aktuelle Ereignisse aus einem verhaltensorientierten Blickwinkel zu kommentieren.