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ROUNDUP Milliardengrab Alcan lässt Gewinn bei Rio Tinto einbrechen

Autor: dpa-AFX
 |  09.02.2012, 13:21  |  401 Aufrufe  |   0  | 

LONDON (dpa-AFX) - Die Übernahme des Aluminiumherstellers Alcan hat sich für den britisch-australischen Bergbaukonzern Rio Tinto endgültig als milliardenschwerer Fehlkauf erwiesen. Abschreibungen von fast 9 Milliarden US-Dollar auf das erst vor knapp fünf Jahren erworbene Aluminiumgeschäft verdarben dem britisch-australischen Bergbaukonzern Rio Tinto 2011 die Bilanz. Der Überschuss brach um fast 60 Prozent auf 5,8 Milliarden US-Dollar ein, wie das Unternehmen am Donnerstag in London mitteilte. Operativ lief es dagegen 2011 dank der anhaltend hohen Nachfrage nach Rohstoffen weiter gut - das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) legte um 10 Prozent auf 28,5 Milliarden Dollar zu.

Rio Tinto war 2007 auf dem Höhepunkt der Wirtschaftsbooms groß in das Aluminiumgeschäft eingestiegen. Nach langer Übernahmeschlacht gegen den US-Konkurrenten Alcoa kaufte der Bergbaukonzern den weltgrößten Aluminiumhersteller Alcan für fast 40 Milliarden Dollar. Doch glücklich wurde Rio Tinto mit dem Investment nie. Die durch den Kauf entstanden Schulden drohten das Unternehmen in der folgenden Wirtschaftskrise fast zu erdrücken. Der Konzern musste in seiner Not zu einer Kapitalerhöhung greifen, um die entstandenen Schulden abzubauen. Zudem trennte sich das Unternehmen von vielen kleineren Sparten. Zwischenzeitlich wurde sogar über eine höhere Beteiligung des chinesischen Staatskonzerns Chinalco verhandelt.

Rio-Tinto-Chef Tom Albanese übernahm nun zumindest symbolisch die Verantwortung für das teure Fehlinvestment und kündigte an, auf die ihm zustehende Prämie für das vergangene Jahr zu verzichten. 'Der Alcan-Kauf geht auf meine Kappe, da ist es nur richtig, auf den jährlichen Bonus zu verzichten', sagte Albanese. Die Aktionäre aber sollen mit einer höheren Dividende besänftigt werden. Pro Anteilsschein will der Konzern 1,45 Dollar auszahlen, ein Drittel mehr als für 2010.

Rio Tinto will sich nun von weiteren Teilen des Aluminiumgeschäfts trennen. Der Zeitpunkt gilt angesichts der wieder wachsenden Konjunktursorgen allerdings als ungünstig. Die Aluminiumbranche hatte schon im vergangenen Jahren mit einem Preisverfall zu kämpfen, im vierten Quartal ging es steil bergab. Als mögliche Käufer gelten vor allem chinesische Firmen. Finanzchef Guy Elliott betonte, dass zahlreiche Optionen für die Sparte geprüft würden, dazu zähle auch ein Börsengang.

Die desaströse Entwicklung des Alumimunsgeschäfts stellte die sonst guten Zahlen von Rio Tinto in den Hintergrund. Vor allem beim Eisenerz - wichtigster Rohstoff für die Herstellung von Stahl - lief es glänzend. Der Gewinn legte dank hoher Preise 2011 noch einmal um ein Drittel zu. Um die erwarteten weiteren Nachfragesteigerungen vor allem aus den Schwellenländern zu bedienen, hat Rio Tinto ein großes Investitionsprogramm aufgelegt. Allein in diesem Jahr sollen 16 Milliarden Dollar in die Erhöhung der Abbaukapazitäten gesteckt werden.

Dabei lässt sich Rio Tinto nicht von der schwächelnden Weltkonjunktur bremsen. Albanese betonte, dass die Investitionen eine langfristige Perspektive hätten. Kurzfristig rechnet der Konzern vor allem in China mit einer Abkühlung des Booms. Die langfristigen Perspektiven trübe das aber nicht.

Konkurrent BHP Billiton hatte sich am Vortag ebenfalls vorsichtig geäußert. Nach dem ersten Gewinnrückgang seit zwei Jahren sei mit keiner schnellen Verbesserung zu rechnen. Die Schwankungen auf dem Rohstoffmarkt dürften angesichts der ungelösten Schuldenkrise in Europa anhalten. Hinzu komme die Abkühlung des Wirtschaftsbooms in China und Indien. Das lastet auf den Preisen. Die Erholung in den USA und Japan könne das nicht wettmachen./enl/stk

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