!Derivate-Magazin Edelmetall-Hausse doch noch nicht vorüber?
Nachdem sich die Edelmetall-Bullen in den letzten gut zehn Jahren an nahezu permanent steigende Notierungen gewöhnt hatten, dürfte diese Anlegergruppe von den herben Rücksetzern in der zweiten Jahreshälfte 2011 ziemlich überrascht worden sein. Nicht wenige riefen daraufhin das definitive Ende der Edelmetall-Hausse. Doch die ersten Handelswochen im neuen Jahr haben gezeigt, dass sich Gold & Co. so schnell nicht unterkriegen lassen.
Wieder auf die Sprünge geholfen haben den Edelmetallpreisen vor allem erfreuliche Konjunkturdaten aus den USA. Diese ließen bei Investoren neuerliche Hoffnung aufkommen, dass es wirtschaftlich in 2012 am Ende doch nicht so verheerend läuft, wie Dauer-Crash-Propheten vermuten. Und eine robuste ökonomische Entwicklung stützt nicht nur die bekannt konjunktursensitiven Weißmetalle sondern letztlich auch das Metall der Könige. Zwar findet das in der Industrie kaum Anwendung. Dafür erfreut sich Gold insbesondere in asiatischen Schwellenländern enormer Beliebtheit. Und wenn der Lebensstandard in den betreffenden Ländern zunimmt, kauft die dortige Bevölkerung meist auch mehr Gold.
Traditionell starke Auswirkungen auf die Preise der edlen Metalle hat der Wechselkurs zwischen dem Euro und dem US-Dollar. Wenn man über Edelmetalle redet (oder schreibt), muss man daher auch stets einige Worte zum Währungspaar Euro/Dollar verlieren. Zuletzt war es für gewöhnlich so, dass der Euro aufwertete, wenn die (globale) Konjunktur ordentlich läuft. Zogen hingegen dunkle Wolken am Konjunktur-Himmel auf, führte das oft zu einer Flucht in den Dollar – so absurd eine solche angesichts der Verschuldungsproblematik in den USA auch anmuten mag. Da sich mittlerweile die Auszahlung des zweiten Hilfspakets an Griechenland abzeichnet, kann kurzfristig davon ausgegangen werden, dass die Gemeinschaftswährung gegen den Greenback noch ein bisschen mehr Boden gutmachen kann. Dies gilt umso mehr, als die USA alles daran setzen, die eigene Valuta zu schwächen, um den Schuldenberg über eine schleichende Geldentwertung abzutragen und die eigenen Export-Unternehmen zu stützen. Zugegeben: Auch die Europäische Zentralbank hat vor einiger Zeit mit der Erhöhung der Geldmenge begonnen, um die Refinanzierung von Staaten wie Griechenland, Italien, Portugal oder Spanien nicht zu gefährden. Allerdings gehen die amerikanische FED in dieser Hinsicht wesentlich aggressiver zu Werke.
Obgleich einige Markt-Akteure derzeit kaum noch einen Pfifferling auf die Gemeinschaftswährung setzen, dürfte der Euro der Welt noch unzählige Jahre erhalten bleiben. Und längerfristig darf nach heutigem Ermessensstand davon ausgegangen werden, dass der Euro sich gegen den US-Dollar besser hält als viel befürchten. Insgesamt stellt sich das Umfeld für Edelmetalle damit durchaus positiv dar, wenngleich man seine Gewinnerwartungen in Anbetracht der bereits erreichten Kurse nicht allzu hoch ansetzen sollte.
Marc Nitzsche
Dieser Artikel ist erschienen im Derivate pdf-Magazin. | 17.02.2012

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