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Wo bleibt nur der Verstand? Ein kluger Bauch

 |  22.02.2012, 10:51  |  1488 Aufrufe  |   0  | 

Wenn man mal so liest, was alles so geschrieben wird und wenn man die Wirklichkeit dagegensetzt, dann fragt man sich schon zuweilen. Folgen Sie mir doch einfach auf meiner Tour durch den Blätterwald und erhalten Sie etwas andere Einsichten als üblich! Garantiert unabhängig und manipulationsfrei. Wie unsere rationaler Ansatz von Globalyze.

Heute nehme ich Sie mal wieder auf meine Tour durch den Blätterwald mit. Wie immer greife ich die Dinge auf, die mich irgendwie bewegen und gebe dazu eine kurze, sehr persönliche und vor allem ungefilterte Stellungnahme ab. Da bin ich im Gegensatz zu vielen der Gazetten, die ich durchflöhe - nicht zuletzt, da ich auf keine Anzeigenkunden Rücksicht nehmen muss - vielleicht in der Aussage doch etwas pointierter oder sollte ich sagen manipulationsfreier und unabhängiger?

 

So lese ich gestern in der FAZ, dass „ein kluger Bauch der beste Anlageberater“ sei. Was natürlich vollkommener Quatsch ist. Das zeigt das Fußballer-Beispiel, das Herr Neuscheler anführt, recht deutlich. Keiner von denen würde die Flugbahn des Fußballs mit Differenzialrechnungen berechnen, sondern einfach intuitiv rennen und köpfen, sschreibt da der Kollege anschaulich. Wenn der Autor dann zu dem Schluss kommt, dass „bewusstes Denken“ da angeblich nicht hilft, dann kann man den Herrn nur noch bedauern. Denn, obwohl der Kollege ja recht hat, dass auch kein mit unzähligen Informationen gefütterter Computer nicht berechnen kann, ob der Dax steigt oder fällt, so kann er sehr wohl eine sachdienliche Aussage dazu treffen, welche Aktien man besser nicht kaufen sollte, weil die Zahlen grottenschlecht sind oder sich deutlich zum Schlechteren entwickelt haben oder welche fundamental solide und unterbewertet sind. Dass aber die FAZ einem solchen Unsinn Raum gibt, zeigt dass auch in den von mir geschätzten Zeitungen, das Niveau weiter sinkt. Dass man das Niveau steigern könnte, wenn die ehrenwerte FAZ mal Newcomer mit uns von Globalyze zu Worte kommen lassen würde, wo wir doch mit unserem streng rationalen Ansatz und auch mit unserem Globalyze QuantValue Aktienfonds zeigen, dass eine voll-automatisierte, fundamentale Aktienauswahl mehr als mithalten kann, ist in den Redaktionsräumen am Frankfurter Firmensitz noch nicht angekommen. Da hält man es lieber mit Vertretern der etablierten Banken, deren Werbebudgets zugegebenermaßen größer als unsere sind und die nun wirklich für absehbare Zeiten alles Recht verloren haben sollten, sich mit klugen Ratschlägen zu Wort zu melden.

 

Dass ich da mehr als im Recht bin, zeigt die Headline „Deutsche Bank vor weiteren Vergleichen“ im österreichischen Wirtschaftsblatt. Wobei auch hier der Artikel etwas Deutsche Bank-freundlich daherkommt. Dass Herr Ackermann vor seinem Abschied mit alten Streitigkeiten aufräumt, um der neuen Doppelspitze ein geordnetes Haus zu überlassen, kommt schon fast als Heldentat daher. In Wirklichkeit spricht das Bände über die Geschäftspraktiken der Deutsche Bank AG. Zu Leo Kirch und Breuer hatte ich schon ausführlich Stellung bezogen. Was die derzeit verlustreiche IKB angeht, die einst in staatlicher Hand war, dort nicht zuletzt weger der Geschäfte mit anderen Banken ihr Waterloo erlebte und in ausländischen Besitz wechselte, noch nicht. So wie man es sehen könnte, will die Deutsche Bank, die zu Beginn der Finanzkrise weltweit fünftgrößter Händler der berüchtigten CDO (=Collateral Debt Obligation) war – getrieben von den Ermittlungen der SEC – möglichen Verurteilungen in der Zukunft die Basis entziehen. Wir erinnern uns. Die Deutsche Bank AG hatte der IKB, insbesondere deren Zweckgesellschaften Loreley Financing diese komplexen Finanzprodukte oder sollte ich besser Massenvernichtungswaffen sagen, verkauft. Nun gibt es böse Zungen, die behaupten, dass die Deutsche von der schlechten Qualität des Produkts angeblich wusste (oder war sie etwa so blöd das nicht zu merken?) und sich damit selbst auf Kosten der IKB eines Verlustgeschäftes entledigte. Was dann den Vorwurf des „Wettens gegen die eigenen Kunden“, den US-Senator Carl Levin aus Michigan (in Deutschland werden Sie leider außer bei der Die Linke keinen Politiker finden, der gegen die Deutsche Bank aufbegehrt) aufrecht hält, dann eindrucksvoll bestätigen würde. Und ob es eine Heldentat war und von besonders guten Geschäftsmanieren zeugt, wenn man verschuldeten Kommunen Zinswetten anbietet, mag jeder selbst beurteilen. Ich bin von einem HSH Bank Vorstand einst scharf kritisiert worden, als ich am Tisch einer Oberbürgermeisterin feststellte, dass ich das Produkt nicht verstehen würde und es deshalb nicht positiv beurteilen könne. So läuft das Spiel auf dieser Ebene. Spielverderber stören da nur. Also, dass es überhaupt notwendig ist, die Leichen aus dem Keller zu holen, ist wahrlich kein Gegenstand für eine positiv daherkommende Berichterstattung, liebe Kollegen vom Wirtschaftsblatt.

 

Dann lese ich im Handelsblatt, dass die „Banken mehr Geld als erwartet ordern“ (was die angesichts ihres Scheiterns doch für eine große  Aufmerksamkeit genießen!). Obwohl die erst 500 Mrd. Euro für lau (1% auf drei Jahre!!!) bekommen haben und man als Steigerung das Notenbankgeld eigentlich nur noch an sie verschenken kann, haben sie angesichts ihrer maroden Verfassung noch einmal beim regulären Wochentender „kräftig zugelangt“. 169 Banken haben bei der Bad Notenbank EZB insgesamt 166,5 Mrd. Euro abkassiert. Das sind also schlappe 985 Mio. Euro pro Bank. Herzlichen Glückwunsch! Ihr habt wieder einmal den Jackpot geknackt und zwar ohne Euch ein Los zu kaufen. Ist das nicht geil. Dass der innovative Unternehmer in diesem Land, um den sich in Wahlkampfzeiten alle mit Slogans wie „Land der Ideen“ und „Innovation in der Digitalen Wirtschaft“ reißen und gegen diese Banken in einem Segment konkurriert, bei einer staatlichen Beteiligungsgesellschaft z. B. des Landes Schleswig-Holstein einen Zins von 8% plus 3% bei Gewinn, also insgesamt 11% löhnen muss und ihm das noch als staatliche Förderung verkauft wird, zeigt, dass Wettbewerb und Soziale Marktwirtschaft bei uns nur noch auf dem Papier stehen und abgedankt haben. Oder wie sehen Sie dass, dass sich jemand, der mit Banken konkurriert um 1.100 Prozent (!!!) teurer refinanzieren muss?!? Hat das noch im Entferntesten irgendetwas mit Chancengleichheit oder Wettbewerb zu tun?

 

Etwas aufatmen kann ich bei den Zeilen des Nobelpreisträgers für Wirtschaftswissenschaften 2011 im deutschen Ableger des Wall Street Journals. Lieber Thomas J. Sargent, wie schön ist es doch ihren sachlich und dennoch kritischen Artikel „Rettung ohne Rettungspaket: Ein Vorbild für Europa“ zu lesen. Mein Dank und mein Respekt gebühren Ihnen. Es ist so wohltuend, wenn man erkennt, dass sich jemand richtig Mühe macht und nicht nur billigen Tagesscheiß abliefert. Herr Sargent machte sich nämlich die Mühe, den Bail-Out in eine ähnliche historische Situation der USA einzuordnen. Denn ob Sie es glauben oder nicht, so etwas Ähnliches gab es 1789 und dann - viel interessanter - in den 1840er Jahren in den Vereinigten Staaten von Amerika schon einmal. Und könnte uns als Vorbild dienen. Damals ging es um die Schulden, welche die 13 Kolonien aus dem Unabhängigkeitskrieg angehäuft hatten. Kein Geringerer als Georg Washington wollte die Schulden auf höchster Bundesebene übernehmen, wobei die Staaten „freiwillige“ Beiträge leisten sollten (erinnert Sie das an was?). Grund dafür war, dass der junge Staat ein Vertrauensverhältnis zu seinen Gläubigern aufbauen wollte und sich gute Kreditbedingungen in der Zukunft erhoffte. 1789 ging das also über die Bühne. Das verhinderte aber nicht was dann kam. Anno 1840 als viele der Staaten schließlich trotz oder vielmehr wegen des 1789 -Bail-Out zahlungsunfähig wurden, lehnte der Kongress eine Schuldenübernahme ab. Das führte dazu, dass die Bundesstaaten ihre Verfassungen anpassten und fortan auf Haushaltsdisziplin achteten.

 

Aber lassen wir es gut sein, mit den ollen Kamellen und vor allem mit der „Häme und ewigen Besserwisserei.“ So schreibt Frau Berschens in einem Kommentar im Handelsblatt mit dem Titel: „Griechen verdienen Respekt – und Hilfe“. Wofür frage ich mich? Dafür, dass sie jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt haben und die in der Zeit seit Euroeintritt aufgehäuften Milliarden in den Sand gesetzt haben bzw. in undurchsichtigen Kanälen versichert sind? Oder aber dafür, dass wir ohne zwingende Notwendigkeit „die Helfenden“ noch dazu angegriffen werden? Und zwar nicht von irgendjemand, sondern vom Präsidenten des Landes? Nein, meine Liebe.

 

Respekt haben die verdient, die tagtäglich hart arbeiten (ob in Deutschland, Frankreich, der Türkei oder in Griechenland), daneben Kinder auf die Welt bringen und groß ziehen und möglicherweise noch parallel dazu ein Unternehmen aufbauen, Mitarbeiter einstellen und sich nicht bis über die Halskrause verschulden. Und bei denen, wenn es eng wird, die gesamte Existenz gefährdet ist und der Insolvenzverwalter kommt. Und weder eine Bad Notenbank EZB noch ein Politiker bereitsteht und großzügig unter die Arme greift. Von mehrfach abgehaltenen Gipfeln ganz zu schweigen.

 

Das sagt mir in dem Falle jedenfalls nicht nur mein kluger Bauch, sondern noch dazu mein Verstand. Der anderen bis hinauf nach Brüssel und Berlin, von Frankfurt wollen wir gar nicht reden, samt Anstand verloren gegangen ist.

 

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.

 

Ihr Norbert Lohrke

 

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Globalyze steht für eine voll-automatisierte und damit manipulationsfreie, fundamentale Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Investmentprofi Lohrke ist einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren. Sein Slogan? Rendite ist kein Zufall.