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ots.CorporateNews Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: Signal der Stärke, Börsenkommentar ...

Autor: dpa-AFX
 |  27.04.2012, 19:57  |  197 Aufrufe  |   0  | 

Börsen-Zeitung: Signal der Stärke, Börsenkommentar 'Marktplatz', von

Thorsten Kramer.

Frankfurt (ots) - Die aktuelle Performance des deutschen

Aktienmarktes macht Eindruck. Obwohl die Ratingagentur

Standard&Poor's am Donnerstagabend die spanische Bonitätsnote auf

'BBB+' herabgestuft und damit nach Einschätzung vieler Beobachter

erneut einen Warnschuss in Richtung Eurozone abgefeuert hat, ist vor

dem Wochenende der von manchem befürchtete Kursrutsch ausgeblieben.

Auf Sicht von fünf Tagen behauptete sich der Leitindex Dax somit auf

einem Niveau oberhalb von 6750 Zählern und arbeitet damit weiterhin

daran, einen Boden als Basis für den nächsten Kursanstieg zu bilden.

Das ist ein deutliches Signal der relativen Stärke. Denn

angesichts der zunehmenden Sorgen über die Verfassung der spanischen

Wirtschaft und der dortigen Staatsfinanzen, angesichts der mit der

Stichwahl in Frankreich verbundenen Unsicherheiten und angesichts der

rezessiven Tendenzen in Großbritannien sowie manch enttäuschender

Konjunkturdaten aus den USA und der Eurozone hätte man sich sehr wohl

eine deutlich schwächere Entwicklung am deutschen Aktienmarkt

vorstellen können. Es hat sie aber nicht gegeben, weil es auf einem

Niveau zwischen 6500 und 6600 Punkten im Dax ganz offensichtlich

hohes Interesse vieler Investoren an einem Aufbau oder Ausbau von

Aktienpositionen gibt.

Allzu sorglos sollten Marktteilnehmer sich nun natürlich nicht

positionieren. Kurzfristig werden allein die bevorstehenden Wahlen in

Frankreich und Griechenland am 6.Mai zu einem latent unruhigen

Sentiment beitragen, weil zu befürchten ist, dass im Anschluss daran

die Debatte über den passenden Weg heraus aus der Schuldenkrise neu

aufleben wird - insbesondere dann, wenn Frankreichs Präsident Nicolas

Sarkozy in der Stichwahl seinem Herausforderer François Hollande

unterliegt. Ein Kurseinbruch wie zur Mitte der beiden Vorjahre ist in

diesem Börsenjahr jedoch nicht zu befürchten, insbesondere weil die

US-Konjunktur inzwischen in deutlich besserer Verfassung ist und

Investoren bereits Risikoanlagen reduziert haben, also recht defensiv

positioniert sind. Die aktuelle Markttendenz spricht jedenfalls

dafür, dass Anlagestrategen von Banken, die längerfristig, also mit

Blick auf den Herbst, tendenziell mit steigenden Notierungen rechnen,

richtig liegen dürften.

Der deutsche Aktienmarkt erfährt Unterstützung durch einen

vergleichsweise stabilen Gewinntrend. Nachdem Analysten vor dem

Auftakt der laufenden Berichtssaison in Reaktion auf die zuletzt

häufig ernüchternden Konjunkturdaten ihre Schätzungen nach unten

angepasst hatten, gelang es jenseits des Atlantiks annähernd acht von

zehn Unternehmen, die Prognosen der Analysten zu übertreffen. Ein

ähnliches Bild erwarten Marktanalysten auch hierzulande, allerdings

mit klaren Unterschieden zwischen einzelnen Sektoren. So glaubt der

Konsens im Automobilsektor an einen kräftigen Anstieg der Umsätze und

Gewinne, für Versorger beispielsweise wird dagegen mit einem weiteren

Umsatzminus gerechnet. Unter dem Strich zeichnet sich allerdings ab,

dass sich der Trend zu positiven Gewinnrevisionen verfestigt. In der

Vergangenheit, so zeigt eine Analyse der Landesbank Hessen-Thüringen,

rückten die Aktienkurse gerade in solchen Phasen zumeist

überdurchschnittlich vor.

Für Investoren, die auf dem aktuellen Dax-Niveau Aktien

(zu-)kaufen wollen, kommt es also auf die Titelauswahl an.

Anlagestrategen raten zu den Papieren von Unternehmen, die bewiesen

haben, dass sie die Erträge auch bei einer zähen Entwicklung der

Umsätze steigern können. Aus dem Kreis der Dax-Konzerne sind dies

etwa BMW, SAP und Henkel. Bei der Lufthansa, bei der neben strengen

Sparmaßnahmen vor dem Wochenende auch über die Gründung einer eigenen

Billigfluglinie spekuliert wurde, sowie bei ThyssenKrupp zeigen sich

Strategen dagegen eher skeptisch.

Als Voraussetzung für einen erneuten Anstieg der Kurse stufen

Analysten ein, dass die harten konjunkturellen Fakten alsbald die von

den Frühindikatoren initiierten Hoffnungen bestätigen. Dies würde die

Einschätzung untermauern, dass die jüngste Abkühlung der Wirtschaft

als eine typische Verschnaufpause im Zuge eines Zyklus zu sehen ist.

Als weiterer potenzieller Impulsgeber gilt zudem nach wie vor eine

zusätzliche außerordentliche Lockerung der Geldpolitik der großen

Notenbanken - auch wenn Währungshüter solche Pläne zurzeit weit von

sich weisen. Daher steht die nächste Sitzung der Europäischen

Zentralbank in der neuen Woche besonders im Fokus.

(Börsen-Zeitung, 28.4.2012)

Originaltext: Börsen-Zeitung

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