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    Warum Sie Ihre Dividenden reinvestieren sollten!

    Nachrichtenquelle: EMFIS
     |  30.04.2012, 11:35  |  532 Aufrufe  |   | 
    Lieber Geldanleger,

    ich mag Finanzbücher, die sich außerhalb der üblichen Konventionen bewegen. Sehr empfehlenswert ist das bisher leider nur in englisch erhältliche Jack Ass Investing, in dem Autor Michael Dever gründlich mit konventionellen Börsenweisheiten aufräumt.

    Nachfolgend ein paar der spannendsten Erkenntnisse, unter anderem warum es so wichtig ist, Dividenden zu reinvestieren.


    Insgesamt hat er sein Buch in 20 Börsenmythen unterteilt, die er alle nacheinander widerlegt. Zum Beispiel bestreitet er das allgemein anerkannte Mantra, dass das weltweite Wirtschaftswachstum und die damit verbundenen steigenden Unternehmensgewinne auch zu steigenden Aktienkursen führen.

    Das ist nämlich nur für ultralangfristige Zeiträume der Fall. Wobei ultralangfristig in den Bereich von 50 Jahren + x geht, also in einen Zeitraum, der den Anlagehorizont eines durchschnittlichen Anlegers bei weitem übersteigt.

    Grundvoraussetzung dafür, dass sich überhaupt positive Renditen erzielen lassen, sind bestimmte grundsätzliche Rahmenbedingungen wie ein gesundes Finanzsystem, eine stabile Währung und das Vertrauen der Anleger in die Glaubwürdigkeit der Regierung. Jahrelang galt dies hierzulande als selbstverständlich. Die Finanzkrise hat gezeigt, wie schnell dieses Fundament auch in unserer Zeit wanken kann. Hyperinflation und Währungsreform in der Weimarer Republik erschien vielen bereits als Schreckgespenst am Horizont.

    Fast noch interessanter finde ich aber in diesem Zusammenhang eine andere Erkenntnis Devers: Er unterteilt die Performance von Aktien in zwei grundsätzliche Renditetreiber: Zum einen in das kumulierte Gewinnwachstum der Firmen (aus dem sich letztlich ein so genanntes Markt-KGV bilden lässt) und zum anderen in das Gewinn-Multiple (KGV), das die Anleger tatsächlich bereit sind zum Zeitpunkt X zu zahlen.

    Gewinnsteigerungen kaum relevant für Kursentwicklung

    Insgesamt sind diese beiden Kriterien für 90 Prozent der Rendite in einem beliebigen Aktienindex verantwortlich. Im Buch wird der S&P 500 verwendet.

    Der Dreh an der Geschichte: Bis zu einem Zeitraum von zehn Jahren sind die Gewinne für weniger als 25 Prozent der Kursbewegungen im S&P 500 verantwortlich.

    Dagegen sind Veränderungen im durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis, das die Anleger dem Markt zugestehen, für über 75 Prozent der Kursbewegungen verantwortlich.

    Veranschaulicht wird dies am Beispiel des US-Mischkonzerns General Electric (GE), der über Jahre hinweg als der Blue Chip am US-Markt galt und den sämtliche Siemens-Vorstände der letzten Jahrzehnte ständig als leuchtendes Vorbild auf`s Brot geschmiert bekamen.

    1999 verdiente GE 1,07 US-Dollar je Aktie. Der Kurs am Ende des Jahres lag bei 38,06 US-Dollar. Der Markt gestand dem Konzern des damaligen Star-Managers Jack Welch also ein KGV von 35 zu.

    Acht Jahre später war der Gewinn je Aktie auf 2,20 US-Dollar gestiegen. Trotzdem notierte die Aktie rund fünf Dollar tiefer, nämlich bei 33,06 US-Dollar. Trotz hohem Gewinnwachstum war der Kurs um rund 13 Prozent gefallen.



    WKN / Kürzel                             851144 / GE
    Börsenwert                               227 Mrd. USD
    KGV 12e/13e                             13 / 11
    52 Wochen Hoch / Tief              21,00 USD / 14,02 USD
    Akt. Kurs                                   19,78 USD

    Der Grund: Der Markt war nur noch bereit GE ein KGV von 15 zu gewähren, weil sich scheinbar die Wachstumsaussichten massiv eingetrübt hatten. Die Erwartungshaltung hatte sich also verändert und da künftige Gewinnschätzungen mit hoher Unsicherheit verbunden sind, könnte man auch sagen: Die Stimmung der Anlegerschaft hinsichtlich GE hatte sich verändert.

    Das Fazit, das man daraus ziehen kann: In kürzeren Zeitperioden ist die Kursentwicklung von Aktien wesentlich stärker durch die Psychologie der Anleger geprägt als durch tatsächliche Kursentwicklungen.

    Berücksichtigt man dabei noch, dass auch die Gewinnentwicklung der Firmen von einem Jahr zum anderen extrem schwanken kann und dies nur schwer prognostizierbar ist, wird klar, warum viele Anleger mit einem Buy-and-Hold-Ansatz verzweifeln.

    Hinzu kommt dann, dass die erwähnte menschliche Psyche Börsianern einen weiteren Streich spielt. Das altbekannte Pendel, das zwischen den Extremen Euphorie und Angst ausschlägt, führt dazu, dass häufig genau zum falschen Zeitpunkt die Reißleine gezogen wird. Nämlich dann wenn die Kurse im Keller sind und die Angst vor weiteren Verlusten den Anleger zu irrationalen Entscheidungen bewegt.

    Das ist übrigens wissenschaftlich durch eine Studie von DALBAR Inc. nachgewiesen. Demnach hat der durchschnittliche Fondsanleger auf Grund dieser Tendenz zur Panik im Zeitraum von 1990 bis 2009 eine um 5,03 Prozent pro Jahr(!) schlechtere Performance erzielt als ein tatsächlich statisch agierender Fondsanleger, der die Tiefs stur ausgesessen hat (8,2 Prozent ggü. 3,17 Prozent). Das gleiche gilt übrigens für Inhaber von Rentenfonds (Anleihen). Dort war der Renditeunterschied mit 5,99 Prozent sogar noch höher.

    Mein etwas provokanter Rat an Sie lautet daher: Versuchen Sie erst gar nicht Buy-and-Hold zu betreiben. Sie halten es sowieso nicht durch!

    Reinvestieren Sie ihre Dividenden - unbedingt!

    Wenn Sie es trotzdem unbedingt versuchen wollen, so sollten Sie zumindest ihre Dividenden wieder reinvestieren.

    Dever argumentiert hier mit der inflationsbereinigten Nettorendite, die Anleger seit dem Jahr 1900 bis zum Jahr 2010 mit Aktien erzielen konnten. Diese lag für den Fall, dass erhaltene Dividenden ausgegeben bzw. nicht reinvestiert worden sind (wenn diese also nicht berücksichtigt werden) nur bei mickrigen 1,82 Prozent. Aus 100 Dollar sind dabei nur 744 US-Dollar geworden.

    Wurden die Dividenden dagegen alle reinvestiert ergab sich eine inflationsbereinigte Nettorendite von immerhin 6,27 Prozent. Aus 100 US-Dollar wurden dann bis Ende 2010 85.598 US-Dollar.

    Wird die Inflation nicht mit einberechnet ergeben sich Bruttorenditen, die jeweils um ca. drei Prozent per anno höher liegen. In absoluten Zahlen ergibt dies Summen von 20.623 US-Dollar (ohne Wiederanlage der Dividenden) und satten 2,38 Millionen US-Dollar mit Reinvestition der Dividenden.

    Verstärken können Sie diesen Zinseszinseffekt, den Albert Einstein einst als eine der "größten menschlichen Erfindungen, die er kennt" bezeichnet, in dem Sie mit einem Sparplan Monat für Monat das investierte Kapital erhöhen.

    Gleichzeitig spricht Dever aber eine eindringliche Warnung aus, eine solche Buy-and-Hold-Strategie tatsächlich anzuwenden. Denn in der Praxis hat es bis zum Jahr 1950 gedauert, also 50 Jahre lang, bis die investierten 100 US-Dollar tatsächlich dauerhaft die Marke von 100 US-Dollar überschritten hatten, also die Anfangssumme auch in Baisse-Phasen nicht mehr unterschritten wurde.

    Eine andere spannende Blickweise: Die gesamte Nettoperformance des Aktienmarktes in den vergangenen 111 Jahren kann dem 18-Jahres-Zeitraum zwischen 1982 und 2000 zugeschrieben werden, in den die Internet-, Neuer Markt- und Biotechblase, gefallen ist. Oder anders formuliert: Rechnet man diesen Zeitraum heraus (und ohne eine Reinvestition der Dividenden) war die Rendite des Aktienmarktes über 111 Jahre sogar negativ.

    Kann es ein besseres Argument für Aktien-Trendstrategien geben, mit denen man in großen Bullenmärkten investiert ist, bei Bärenmärkten aber frühzeitig ausgestoppt wird und großen Mengen an Cash aufbaut. Näheres hierzu erfahren Sie auf meiner Trend-Trader-Seite unter www.trend-trader.de oder auf www.nebenwerte-trader.de . 

    MEIN FAZIT:

    - Kurzfristig sind die Kursentwicklungen an den Aktienmärkten maßgeblich von Psychologie geprägt.

    - Verwenden Sie daher Gewinnsteigerungen nicht als alleiniges Kriterium beim Kauf einer Aktie, erst recht nicht Gewinnprognosen, sondern achten Sie auch auf aktuelle Trends.

    - Buy-and-Hold á la Kostolany (also Aktien kaufen und schlafen legen) ist keine erfolgsversprechende Anlagestrategie, erst recht nicht, wenn Sie erhaltene Dividenden nicht reinvestieren.

    - Trends neigen dazu, sich fortzuschreiben. In großen Bullenmärkten lässt sich extrem viel Geld verdienen. Investieren Sie deshalb trendorientiert.

    Viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage wünscht Ihnen

    Ihr
    Armin Brack
    Chefredakteur Geldanlage-Report 
    www.geldanlage-report.de      

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