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    ROUNDUP Eon-Chef Teyssen optimistisch - Kritik an Brasilien-Strategie

    Nachrichtenagentur: dpa-AFX
     |  03.05.2012, 14:21  |  796 Aufrufe  |   | 

    (neu: Aussagen von Aktionären, Details zu Vertragsverhandlungen mit Gazprom)

    ESSEN (dpa-AFX) - Der größte deutsche Strom- und Gasversorger Eon spürt nach dem vergangenen Krisenjahr wieder Aufwind. 'Es gibt eine Reihe positiver Signale, die uns zuversichtlich stimmen, dass wir schon 2012 einen Ergebnisanstieg sehen werden, der sich in den Folgejahren fortsetzen wird', sagte der Vorstandsvorsitzende Johannes Teyssen am Donnerstag vor den Aktionären auf der Hauptversammlung in Essen. Die Anteilseigner zeigten sich unterdessen besorgt über die Auslandsstrategie.

    Zu den jüngsten Fortschritten zählt Teyssen Zuwächse bei den erneuerbaren Energien, das Russlandgeschäft sowie ein Fortkommen beim Sparprogramm. Seit die Bundesregierung nach der Atomkatastrophe in Fukushima den Wechsel in der Energiepolitik einleitete, habe der Konzern mit großen Herausforderungen zu kämpfen. Der Atomausstieg belastete Eon 2011 mit 2,5 Milliarden Euro. Nun lägen aber die stärksten Belastungen hinter dem Unternehmen, sagte Teyssen. 'Eon hat sich freigeschwommen!'

    Aktionärsvertreter mahnten zur Vorsicht beim Eintritt Eons auf den brasilianischen Energiemarkt in Form eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem regionalen Erzeuger MPX. 'Warum verkaufen wir in Deutschland rentable Beteiligungen und investieren stattdessen in Brasilien?', fragte Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Schon die Geschäfte in Südeuropa seien wenig erfolgreich und führten zu milliardenschweren Abschreibungen.

    Ingo Speich von der Union Investment äußerte sich ähnlich: 'Man hat den Eindruck, Eon verdient sein Geld in Deutschland, um es im Ausland zu verbrennen', sagte er und fragte in Bezug auf Brasilien: 'Ist das eine unentdeckte Perle oder sind es nur die Krümel, die andere übrig gelassen haben?' Eon will mit MPX in Brasilien und Chile 11 Gigawatt Erzeugungskapazitäten aufbauen. Dank Projektfinanzierungen über eine Förderbank wird sich das Investitionsvolumen von Eon den Plänen zufolge auf 100 bis 200 Millionen Euro jährlich beschränken. Mit Ergebnisbeiträgen ist frühestens in drei Jahren zu rechnen.

    Am Vortag hatte der Konzern vorläufige Eckdaten zum ersten Quartal veröffentlicht, die leichte Verbesserungen erkennen lassen. Sowohl das operative Ergebnis (EBITDA) als auch der um eine Reihe von Sondereffekten bereinigte Konzerngewinn lagen über dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Eon erwartet, dass das EBITDA im Gesamtjahr bei rund 3,8 Milliarden Euro liegt und damit 300 Millionen Euro höher als im Vorjahreszeitraum.

    Laut Teyssen lag das im Wesentlichen an einem verbesserten Ergebnis im Gashandel, der von der Einigung mit wichtigen Gaslieferanten profitiert. Mit der norwegischen Statoil einigte sich Eon im März, mit der russischen Gazprom gibt es noch keine Lösung. Teyssen zufolge könnte es aber noch im zweiten oder dritten Quartal ein Ergebnis geben. Negativ wirkten dagegen wegfallende Ergebnisbeiträge aus den Kernkraftwerken. Beim bereinigten Konzernüberschuss - der Basis für die Dividende - rechnet Eon mit 1,7 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,3). Vollständige Zahlen für das erste Quartal sind für den 9. Mai angekündigt.

    Trotz Verbesserungen und einer Bestätigung der Prognosen für 2012 und 2013 mahnte der Eon-Chef, dass die wirtschaftliche Lage weiter angespannt sei. Im Vergleich zum Vorjahr werde das Ergebnis zwar nicht mehr durch die Einmaleffekte des Atomausstiegs - etwa Rückstellungen für den Rückbau der Meiler - belastet. Allerdings bekomme Eon die schwächere Konjunktur in Europa beim Absatz zu spüren. Bereits 2011 ließen die reduzierte Nachfrage und der gesetzlich vorgeschriebene Vorrang alternativer Energieträger den Ergebnisbeitrag aus den konventionellen Kraftwerken 2011 um rund eine Milliarde Euro fallen./nmu/stb/wiz


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