DAX+0,34 % EUR/USD-0,60 % Gold-1,00 % Öl (Brent)+0,43 %

BEHAVIORAL FINANCE/ECONOMICS Facettenreicher Abschied von Sparprogrammen

Gastautor: Joachim Goldberg
10.05.2012, 13:35  |  1409   |   |   

Zwar schickt man sich in Europa nach den Präsidentschaftswahlen in Frankreich und den Regionalwahlen in Großbritannien an, von den in erster Linie deutschen Spardiktaten Abschied zu nehmen. Doch von einer drastischen Kehrtwende, wie sie den Radikalen Linken in Griechenland vorschwebt, wollen die europäischen Partner gar nichts wissen.

Interessanterweise waren in einer Umfrage vor den Parlamentswahlen zwei Drittel der Griechen immerhin noch der Ansicht, ihr Land solle in der Eurozone bleiben. Das Wahlergebnis zeigt indes, dass man mit den Bedingungen dafür offenbar nicht einverstanden ist. Kein Wunder, wenn sich viele Investoren von den wahrscheinlichen Neuwahlen in Griechenland auch keine neuen Erkenntnisse versprechen – das Land wird im besten Fall (wenn überhaupt) von einer Mehrparteienkoalition regiert werden müssen. Dabei wird das griechische Bündnis der Radikalen Linken beim nächsten Mal womöglich ein Viertel der Wählerstimmen auf sich vereinigen können. Dass jene den Schuldendienst einfach einstellen, ist natürlich inakzeptabel. Aber es scheint sich immer deutlicher herauszukristallisieren, dass eine Währungsunion ohne die Möglichkeit von Transferzahlungen auf Dauer nicht aufrechtzuerhalten ist.

Immerhin liefert die Deutsche Bundesbank einen Denkanstoß, indem sie zumindest vorübergehend höhere Inflation und steigende Löhne in Deutschland akzeptieren könnte, um die hiesige Binnennachfrage und die Importe anzuschieben. Unterdessen könnten angeschlagene Staaten an der Peripherie Europas durch Preis- und Lohnsenkungen wettbewerbsfähiger gemacht werden. Abgesehen davon, dass man Inflation nicht durch Herbeireden schaffen kann, wie das Beispiel Japan zeigt, dürfte dieser Weg des Transfers Jahre in Anspruch nehmen, bis seine Wirksamkeit sichtbar wird. Ein Zeitraum der für Griechenland schlicht und einfach zu lang sein dürfte. Griechenland braucht indes zumindest eine schnelle und auf kurze Sicht wirksame Perspektive. Allein schon um den Zustand der Unregierbarkeit rasch zu beenden. Dazu gehört aus deutscher Sicht, das unsinnige Spardiktat so schnell wie möglich zu modifizieren. Auch unter Inkaufnahme des psychologischen Nachteils eines vermeintlichen Kontrollverlusts. Schließlich war es ohnehin nur eine Illusion, Griechenland „erziehen“ zu können.

Was dies für die Stimmung an den Finanzmärkten bedeutet, erfahren Sie in meinen heutigen Interviews bei n-tv (mit Sabrina Marggraf, ab 11:48 Uhr) und beim Deutschen Anlegerfernsehen (DAF), das Andreas Scholz mit mir führte.



Verpassen Sie keine Nachrichten von Joachim Goldberg

Ziel des Finanzmarktanalysten Joachim Goldberg ist, die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Behavioral Finance/Economics in der Praxis darzustellen und aktuelle Ereignisse aus einem verhaltensorientierten Blickwinkel zu kommentieren. Er ist Mitherausgeber eines Buches zur Behavioral Finance, das seit 1999 in mehreren Auflagen erschien und ins Englische, Japanische und Chinesische übersetzt wurde. Bei n-tv, DAF sowie früher Bloomberg TV und CNBC Europe gilt Goldberg als bekanntester Experte zum Thema Behavioral Finance in Deutschland. Weitere Informationen unter: www.goldberg-goldberg.com.

Abonnieren Sie jetzt Ihren Lieblingsautor
Ich habe die Allgemeinen Nutzungsbedingungen und die Datenschutzerklärung gelesen und stimmt diesen zu.
Autor abonnieren
Wir respektieren Ihre Privatsphäre, es werden keine Daten an Dritte weitergegeben!
Verpassen Sie nichts mehr aus der wallstreet:online Redaktion!
Newsletter kostenlos abonnieren

Schreibe Deinen Kommentar

 

Disclaimer

Europas größte ETP-Plattform

Erfahren Sie alles zum Thema Investieren in ETPs. Informieren Sie sich auf etfsecurities.com

Zum Leitfaden