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    Griechenland hält die Märkte weiter in Atem – Kommt der Austritt aus der Eurozone?

    Gastautor: Torsten Gellert
     |  11.05.2012, 11:22  |  1998 Aufrufe  |   | 

    Mit dem Chef der Sozialisten, Evangelos Venizelos, darf sich nun der Dritte im Bunde daran versuchen, in Griechenland eine neue Regierung zu bilden. Wahrscheinlich ist, dass auch er wie seine beiden Vorgänger daran scheitern wird, in den so weit auseinanderliegenden Positionen einen Kompromiss zu finden und die Beteiligten an einen Tisch zu bekommen.

    Sowohl die Parteien als auch die Menschen in Griechenland müssen jetzt abwägen, wie sie am ehesten aus der wirtschaftlichen und finanziellen Misere herauskommen und ob es dabei Europa und damit die Hilfsgelder braucht oder nicht. In diesen Tagen wird aber in Athen auch darüber entschieden, ob der Euro in der jetzigen Form eine Zukunft hat oder nicht.

    Deshalb verfolgen die Investoren rund um den Globus den Ticker mit den Nachrichten aus Athen und an den Börsen und in den Devisenkursen kann man die Entwicklung in Griechenland dann sekundengenau ablesen. Die Wall Street, gestern wegen der politischen Turbulenzen in Europa erneut mit einem Minus von gut 1,5 Prozent in den Handel gestartet, drehte kurzzeitig sogar wieder ins Plus, als bekannt wurde, dass der Rettungsfonds EFSF trotz der instabilen politischen Lage heute 4,2 Milliarden Euro nach Athen überweist. Das ist zwar eine Milliarde weniger als vorher geplant, dennoch zeigt es, Europa ist weiterhin bereit, Griechenland auf die Beine zu helfen und will kein Mitglied der Europäischen Union fallen lassen.

    Aber wollen auch die Griechen, dass Ihnen weiter aus Europa geholfen wird, wenn sie sich dafür gleichzeitig diesen rigiden Spardiktaten aus Brüssel unterordnen müssen? Die Frage ist, ob sie eine wirkliche Alternative dazu haben. Erklärt das Land von sich aus einen Austritt aus der Eurozone, würde dies mit großer Wahrscheinlichkeit den wirtschaftlichen und finanziellen Kollaps Griechenlands bedeuten. Nach Wiedereinführung der stark abzuwertenden Drachme würden viele Banken und Unternehmen schließen müssen, die Löhne im Land sinken und im Gegenzug die Preise steigen. Die Arbeitslosigkeit würde in die Höhe schnellen. Auch die in Euro aufgenommen Altschulden stiegen drastisch im Wert. Der Effekt der verbesserten Exportbedingungen aufgrund der schwachen Währung würde dagegen relativ schnell verpuffen. Um den Übergang vom Euro zur Drachme zu stemmen, müssten deshalb auch Milliarden an Hilfsgeldern fließen, um das Land nicht im Chaos versinken zu lassen.

    Die Vorteile eines Rückhalts in der Europäischen Union und der Verbleib im Euro, wenn auch verbunden mit drastischen Sparauflagen, überwiegen in meinen Augen die Nachteile bei einer Rückkehr zur Drachme mit den oben beschriebenen Konsequenzen. Die Neuwahlen in vier Wochen, von denen ich ausgehe, sind ein geeigneter Termin für die Menschen in Griechenland, dieses zu erkennen und sich für den Verbleib in der Eurozone auszusprechen. Im Falle, dass auch bei den nächsten Wahlen keine Regierung herauskommt, die für die angestrebten Sparprogramme eintritt, wird der Geldhahn von IWF und EFSF wohl zugedreht und das hätte dann wohl oder übel den Austritt Griechenlands aus der Eurozone zur Folge.

    Über die Folgen eines solchen Szenarios für Europa und den Euro sind sich die Experten noch nicht einig. Auch ich habe mir da noch keine abschließende Meinung gebildet. Das aber ist genau das Problem. Die Unsicherheit an den Finanzmärkten über den zukünftigen Kurs des Landes bleibt weiter bestehen und wir sind nach den Wahlen vom Sonntag nicht schlauer als vor diesem Termin. Deshalb ändert sich vorerst auch an meiner Einschätzung über die weitere Entwicklung beim Euro, aber auch beim DAX nicht viel. Der Euro ist wie von mir erwartet unter die Marke von 1,30 US-Dollar gefallen und der DAX hat von seinem Zwischenhoch bei 7.200 Punkten fast zehn Prozent verloren. Ich rechne beim DAX in den nächsten Wochen mit einer volatilen Seitwärtsbewegung, der Euro hat in der aktuellen Situation auf jeden Fall Potenzial bis zum alten Tief von 1,26 US-Dollar.

     



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    Kommentare

    gernoedl
    11.05.12, 16:41
    Dieser Artikel stellt das Prozedere völlig falsch dar: Griechenland tritt aus der Eurozone aus, erklärt die Zahlungsunfähigkeit und führt eine Währungsreform durch (Rückkehr zur Drachma). Damit sind alle Auslandsschulden weg, und die Währungsreform ermöglicht den Neustart. Mit einem angepassten Konvertierungskurs und Wechselkurs kann ein Aufbau durchgeführt werden. Die Investoren, Banken und EU-Geldgeber (und damit der Steuerzahler) schauen dann zwar in die Röhre. Aber irgendwie müssen sich die Kreditrisiken, die zu den hohen Zinsen führten ja auch auswirken. (Wie sagen die Versicherungen? "Von Zeit zu Zeit brauchen wir einen rchtigen Schaden, damit wir unsere Risikokalkulation rechtfertigen können.")
    Die Wettbewerbsfähigkeit steigt und damit das Sozialprodukt wegen der angepassten Wechselkurse. Und zum Aufbau gibt es dann noch Gelder aus der EU-Strukturförderung damit Grichenland der EU nicht verloren geht

    Disclaimer

    Gastautor

    Torsten Gellert ist Managing Director von FXCM Deutschland. FXCM ist einer der führenden Forex- und CFD-Broker weltweit, der seine Dienste seit 1999 privaten und institutionellen Kunden anbietet. Forex Capital Markets Ltd. (FXCM) ist durch die UK Financial Services Authority zugelassen [FSA Registrierungsnummer 217689]. Forex Capital Markets Limited, Berlin (FXCM Deutschland), ist eine Niederlassung von Forex Capital Markets Ltd. Das Unternehmen wird zu großem Teil durch die FSA reguliert und in anderen Bereichen durch die Deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht beaufsichtigt [BaFin Registrierungsnummer 122556].

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